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Sonntagskirche | 30.03.2014 | 08:55 Uhr

Ein anderes Kreuz

Ein Mann kam zu Lebzeiten in den Himmel.

„Weil du den Weg zu mir gefunden hast“, sprach Gott zu ihm, „will ich dir einen Wusch erfüllen.“

„Ach, Herr“, erwiderte der Mann, „allen Menschen legst du eine Last auf, es ist das Kreuz, das sie tragen müssen. Aber mir mutest du eine besonders schwere Bürde zu. Wenn ich dich um etwas bitten darf, dann darum, dass du mir ein anderes Kreuz gibst.“

Da führte ihn Gott in einen großen Saal. Ringsum an den Wänden standen viele Kreuze. „Such dir eins aus“, sagte er.

Sofort ging der Mann auf ein kleines, unscheinbares Kreuz zu. Doch als er es sich auf seinen Rücken legte, spürte er, wie schwer es wog. Auch war es unmöglich, es zwischen den Schulterblättern zu balancieren, ohne sich zu krümmen.

Vielleicht ist das Kreuz dort besser geeignet, dachte er. Es war aus leichtem Balsaholz, doch als er es mit dem Tragen probierte, schlug ihm der Balken bei jedem Schritt in die Hacken.

Er versuchte ein kürzeres, das ihm handlicher schien, doch schon als er es nahm, verletzten ihn die Splitter, die aus dem Holz ragten. So probierte er eines nach dem anderen, doch keines der Kreuze wollte ihm recht passen…

Ich bin so sehr daran gewöhnt, vor vollen Regalen zu stehen und aus einem Dutzend verschiedener Produkte auszuwählen, dass mir im ersten Moment gar nicht auffällt, wie absurd diese Geschichte ist. Mein eigenes Kreuz auswählen! Selbst aussuchen, worunter ich leiden will, wie sehr und wie lange… Nein, es gibt Dinge, die sind Schicksal, die sind Verhängnis. Verhängnis im Wortsinne: Ein anderer verhängt sie über mich.

Gerade deshalb möchte ich reklamieren: Nein, dieses Produkt will ich nicht. Die schwere Krankheit lasse ich wieder zurückgehen. Dass der Mensch, den ich liebe, vor der Zeit stirbt und mich allein zurücklässt, nein! Dass meine Mutter ein schwerer Pflegefall wird, nein! Bitte ein anderes Schicksal!

Wirklich, manchmal möchte ich gerne mit anderen tauschen. Ich sehe die Last, die mein Freund, mein Nachbar oder meine Kollegin durchs Leben schleppen und finde, so schlimm sind sie gar nicht. Die ungezogenen Kinder von Peter hätte ich gerne, damit würde ich fertig. Die Mutter von Anne hätte ich gerne, sie ist zwar dement, aber doch irgendwie nett, damit käme ich klar. Ja, auch die Suchtkrankheit von Heinz: Ich hätte genug Disziplin und Kraft, mich daraus zu befreien. Warum, Gott, legst du mir nicht solch eine Last auf, eine, mit der ich fertig werde? Eine, die zu mir passt?

Die Psalmbeter im Alten Testament haben sich darüber auch Gedanken gemacht. Einer von ihnen schreibt: Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch sie zu tragen. Dahinter steht das Vertrauen darauf, dass Gott keinen mit seiner Last alleine lässt. Er will, dass ich an meiner Last wachse, er hilft mir, dass ich als Persönlichkeiten daran reifen kann. Es fällt mir nicht leicht, aber ich will versuchen, Mut und Vertrauen aus dem zu schöpfen, was Gott mir zumutet. Und es so anzunehmen wie es ist.

Das muss schließlich auch der Mann, der sich im Himmel ein neues Kreuz aussucht. Nachdem er viele probiert hat, legt er Gott eines vor:

„Wenn überhaupt eines, dann dieses hier. Es ist nicht zu groß und nicht zu klein, und zu schwer ist es auch nicht. Mit diesem Kreuz wäre mir das Leben gewiss etwas leichter gemacht, Herr. Darf ich es mitnehmen?“

„Natürlich“, sagt Gott und lächelt, „schau es dir nur genau an: Es ist deines, dein Kreuz, das, was du auch bisher schon getragen hast.“

Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen Pfarrer Ulrich Pohl aus Neuss.

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