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Kirche in WDR 4 | 15.05.2021 | 08:55 Uhr

Jesus ist ein Fenster

Siculiana liegt an der Südküste von Sizilien. Es ist ein kleines, etwas herunter gekommenes Städtchen. Hier an seinem Heimatort hat Luca Lucchesi den Film „A Black Jesus“ – Ein schwarzer Jesus – gedreht. Der startet am Donnerstag online, weil die Kinos noch zu sind. In dem Film geht es um die Jesusfigur von Siculiana, die dunkelhäutig ist. Und die jedes Jahr im Mai aus der Kirche geholt und in einer festlichen Prozession durch Straßen und Gassen getragen wird.

"Für uns ist diese Jesusfigur das Wichtigste. Also ich war selber da, unter dem Jesus, sozusagen. Erstens mal ist der superschwer, so 3.000 kg, Figur mit allem Drum und Dran. Und zweitens ist: Man fühlt sich schon in der Mitte von etwas Größerem. Wer den Jesus tragen darf, gehört zu der Gemeinschaft."

Dazu gehören, das möchten alle, die in Siculiana leben. Auch die Geflüchteten, die überwiegend aus Afrika stammen und die über das Mittelmeer und Lampedusa kamen. Und von denen sich etliche freuen, sobald sie wahrnehmen, dass die Jesusfigur hier ihre Hautfarbe hat. Doch bald müssen sie erfahren: Auch in Siculiana stoßen Fremde bei manchen Einheimischen auf Vorbehalte und Ablehnung.

"Manchmal lache ich traurig, wenn ich höre: Wieviel Zuwanderung können wir uns leisten, wie schafft das unser System, alle diese Leute aufzunehmen? Dann denke ich: Es ist vielleicht schwierig, klar. Aber wie viele Tote im Mittelmeer können wir uns leisten? Also einer ist schon zu viel!"

Wenn Jesus für Nächstenliebe, für Barmherzigkeit und für Gastfreundschaft steht. Wie können dann Christen, die diesen Jesus durch ihre Stadt tragen und die zu ihm beten, sich gleichgültig oder gar rassistisch zeigen?

"Ich wollte verstehen: Wie kann das sein, dass in allen diesen Jahrhunderten, klar, der Ursprung dieser Idee war: „Wir sind eine christliche Gemeinschaft. Aber warum ist das verloren gegangen und damit auch alles, was Jesus als Figur bedeutet." 

Einige Antworten auf solche Fragen hat Luca Lucchesi im Laufe seiner zweijährigen Dreharbeiten gefunden. Wenn ihm etwa eine alte Dame schildert, dass sie sich vor den jungen Schwarzen fürchtet, die oft in kleinen Gruppen unterwegs sind. Oder wenn ihm ein Vater sagt, der als Obst- und Gemüsehändler kaum das Nötigste verdient: Ich kann kaum teilen, wenn ich nicht einmal genug für meine eigenen Kinder habe. Manches lässt sich nicht von der Hand weisen. Da weitet der Film von Lucchesi den Horizont. Und trotzdem: Ich möchte weiterhin versuchen, Jesu Aufrufen zu Nächstenliebe, Barmherzigkeit und Gastfreundschaft zu folgen. Und dabei bin ich nicht allein:

"Wir beten zu Jesus und da finden wir Trost für unsere Leiden, für unsere Probleme, für das, was uns passiert ist. Als wäre es so eine Art Spiegel. Aber eigentlich sollte Jesus für uns eher eine Art Fenster sein. Er sollte jemand sein, wo wir sagen: Okay, durch Jesus kann ich zum Beispiel auch meinen Nachbarn sehen, dem es vielleicht auch schlechter geht als mir."

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