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Sonntagskirche | 22.08.2021 | 08:55 Uhr

Wahre Verwandte

Guten Morgen.

Eine traurige Nachricht: Gestern Abend hieß es für mich mal wieder Abschied nehmen. So lange haben wir uns gekannt. So viel Zeit haben wir miteinander verbracht. Ihr seid mir so vertraut geworden - gefühlt kenne ich euch besser als meine eigene Familie. Und nun? Werden wir uns nochmal wiedersehen? Mich beschleichen Trauer und Leere, dieses bekannte Loch, wenn es wieder einmal zu Ende gegangen ist. Zu Ende mit der Staffel. Zu Ende mit der endlosen Fortsetzung. Es ist mal wieder soweit: Meine Fernseh-Familie hat das Serienfinale erreicht. Sie ist gegangen, ich bleibe traurig zurück.

Liebe Serien-Verwandte, ich danke euch! Ihr habt mir Corona versüßt, mir die Abstinenz von Freunden und Familie erleichtert. Stunden haben wir miteinander verbracht, miteinander gelacht und geweint, Höhen und Tiefen geteilt. Ihr werdet mir fehlen, Sheldon, Leonard, Penny und Amy Farrah Fowler. Und wohin auch immer ihr nun geht - bitte grüßt mir Mutter Beimer, Else Kling und all die anderen, die vor euch vom Bildschirm gingen. Und bitte: wartet noch bevor ihr Meredith, Jackson und Dr. Bailey zu euch holt. Sie werden doch noch gebraucht im Grey Sloan Hospital, wo die Belegschaft gerade mit uns allen gegen Corona antritt.

Und ich gestehe auch: Vor allem brauche ich euch. Wir brauchen euch: Zuhause, abends auf der Couch. Als nichts mehr ging, ward ihr da - auf allen Fernsehkanälen. Tröstende Gesellschaft in Zeiten des Alleinseins, nur einen Knopfdruck entfernt. Ihr ward nah als anderen fern waren, echte Gesichter und echte Schicksale, unmaskiert und unbeschönigt.

Und ich merke immer wieder, seit Jahren schon und jetzt erst recht: Der Abschied von meiner Fernseh-Familie, von Brüdern und Schwestern, Freunden, Müttern, Vätern und Kindern in einer guten Serie oder einem guten Buch - der fällt mir manchmal schwerer als der Abschied von meinen echten Lieben im echten Leben.

Dabei habe ich ein gutes Verhältnis zu meiner Familie. Anders als Jesus zum Beispiel, der laut Berichten in der Bibel seine Mutter und Geschwister einfach abblitzen lässt. Stattdessen erklärt er die Menschenmenge, die vor ihm sitzt und ihm zuhört, zu seinen wahren Verwandten. Jesus hat schon als Zwölfjähriger kein Verständnis dafür, dass seine Mutter ihn vermisst und alle wie verrückt nach ihm suchen, während er seelenruhig im Tempel sitzt und den Schriftgelehrten lauscht.

Manchmal muss man sich eben entscheiden: Wer ist mir eigentlich lieber? Meine „echte“ Familie oder die, die mit mir Wort und Glauben teilt?

Für Jesus ist die Sache klar: „Wer tut, was Gott will, der ist mein Bruder, meine Schwester und meine Mutter.“ (Markus 3,35, BasisBibel). Ich lese das und denke mir: Gott sei Dank! Es ging auch schon Menschen vor mir so, dass man sich anderen manchmal näher fühlt als seiner eigenen Familie.

Dazu ist das Finale in der Bibel auch noch großartig: Mit dem Tod ist es nicht zu Ende - sondern dann folgt noch die Auferstehung Jesu. Ich atme auf: Gott sei Dank - Fortsetzung folgt offenbar. Kein Abschied, sondern frohe Botschaft: Wir sehen uns und hören uns wieder, Gott! Bis bald - und einen gesegneten Sonntag!

 

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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