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Sonntagskirche | 24.10.2021 | 08:55 Uhr

Abgebrannt.

So. Die Kerze steht auf den Tisch. Meine Güte, die hat echt schon was mitgemacht… Mein Sohn ist mit fünf getauft worden, jetzt ist er sechzehn. Die Kerze kommt auf den Frühstückstisch, denn es ist sein Tauftag. Seine Patinnen haben sie damals für ihn gebastelt, sie haben aus Wachsplatten ein Kreuz ausgeschnitten, Buchstaben und Zahlen, Wolken und Schäfchen. Von denen fällt regelmäßig ein Stück Bein ab, wenn ich die Kerze auspacke. Sie hat schon was mitgemacht, zwei Umzüge, mehrere Stürze vom Tisch, weil die Kinder zu wild getobt haben, und ich seh’s noch vor mir, wie mein Sohn am Montag nach seiner Taufe mit dem Bollerwagen zum Kindergarten loszog, um dort nochmal zu feiern – mit Muffins und bunten Servietten und natürlich der Kerze, deren Geschichte der Ramponierung an diesem Tag begann.

Obwohl – vielleicht sollte ich nicht sagen ‚Geschichte der Ramponierung‘. Geschichte der Lebenserfahrung trifft es eigentlich besser. Die Macken in der Kerze stehen in gewisser Weise für die Erlebnisse meines Sohnes, auch für seine Blessuren. Und so wie sie runterbrennt und auch das Wachs über die Bilder tropft, gehen die Jahre ins Land und mein damals kleines Kind macht Erfahrungen. Nicht nur schöne, mit manchem hat er zu kämpfen und wird er noch kämpfen. Und jedes Jahr brennt seine Kerze ein Stückchen weiter.

Ich war kürzlich bei einer Familie zum Taufgespräch, und sie zeigten mir stolz die Taufkerze, die sie besorgt hatten. Sie war wirklich schön, liebevoll gestaltet. Und der besondere Clou: Wenn man sie anzündet, brennt an der Kerze exakt so viel Wachs weg, dass man dann oben ein Teelicht reinstellen kann. Und wenn das Teelicht dann runtergebrannt ist, kann man das nächste reinstellen. Und so weiter und so weiter. Eine super Idee. Die Kerze kann makellos bleiben. Auch in 11 Jahren kann sie so aussehen wie heute. Und in 30. Und in 76.

Als ich in diesem Jahr die angeschlagene Taufkerze meines Sohnes ausgepackt habe, habe ich an diese andere Kerze gedacht. Und so schön sie war und so toll ich die Idee fand, denke ich doch: Eine Taufkerze soll runterbrennen. Eine Taufkerze soll Macken haben, Spuren des Lebens. Sie soll so sein wie der Mensch, für den sie brennt.

Ich habe mal einen alten Herrn beerdigt und seine Kinder haben seine Taufkerze auf den Sarg gestellt. Sie war runtergebrannt, bis auf einen kleinen Rest. Das Kreuz, das mal drauf war, die Symbole, vielleicht auch Worte – alles schon verschwunden. Wir haben sie ein letztes Mal angezündet und noch einmal gebetet, so wie auch bei seiner Taufe gebetet worden war. Dazwischen viele Jahre der Lebenserfahrung, Macken, Brüche, Veränderungen.

Eine Taufkerze ist so wie der Glaube ein Lebensbegleiter. Sie braucht nicht schön zu sein, denn im Glauben ist auch nicht immer alles heil. Sie soll brennen als Erinnerung an den Glauben. An diesen einen Satz, der bei jeder Taufe gesprochen wird: Du bist Gottes Kind. Du machst Erfahrungen in deinem Leben und Gott ist mit dabei.


Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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