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Sonntagskirche | 31.10.2021 | 08:55 Uhr

Der Kreidekreis

Guten Morgen!

Fionn Pape geht durch die Stadt und hat oft den Blick nach unten gerichtet: Er ist Biologe und hat ein geschultes Auge. Und deshalb sieht er, was da so wächst, am Laternenmast und zwischen dem Straßenpflaster, im Rinnstein und neben dem Fahrradständer. Er entdeckt kleine Schätze, Pflanzen mit Namen und Charakter. Er hat immer etwas Kreide dabei, und wenn er etwas entdeckt hat, zieht er die Kreide aus der Tasche und malt einen Kreis drum herum. Dann schreibt er den Namen des Pflänzchens dazu. Schöllkraut, kann ich dann lesen.

Was Fionn Pape tut, tun viele weltweit. Warum machen sie das? Sie glauben: Das was ich kenne, schätze und schütze ich auch eher. Wenn ich also weiß, wie die Pflanze heißt und vielleicht sogar, wofür sie gut ist, dann gehe ich nicht achtlos vorbei und denke: Unkraut. reiße ich sie nicht einfach aus.

Ich habe davon gelesen und mich hat das berührt. Ich glaube, dass genau mit solchen kleinen guten Gedanken etwas ins Rollen kommt. Manche mögen das als unbeirrbaren Idealismus belächeln, aber es ist wahr: Um Dinge zu begreifen, muss ich sie kennen.

Heute ist der 31. Oktober. Es ist Reformationstag. Vor 500 Jahren hat sich eine Bewegung in der Kirche formiert, die auf Veränderung drängte. Menschen wollten neu hinschauen. Sie sahen sich ihre Kirche an und merkten: Wir wissen ganz vieles nicht. Wir haben gar keine Worte dafür, uns fehlen die Begriffe. Damals war die Sprache im Gottesdienst Latein. Das verstanden nicht viele. Und was über Gott gesagt wurde, hatte wenig mit dem Leben zu tun. Ja, um Dinge zu begreifen, muss ich sie kennen.

Die Frauen und Männer der Reformation hatten zwar keine Kreide in den Taschen. Aber was sie taten, war ganz ähnlich. Sie guckten hin und entdeckten. Sie entdeckten, was wertvoll und schützenswert in ihrer Kirche ist. Und sie haben Menschen darauf aufmerksam gemacht und es benannt.

Sie sagten: Die Geschichten der Bibel sind zu schön, um nur von einem kleinen gebildeten Kreis gelesen zu werden. Wir brauchen die Bibel in der Sprache des Volkes, damit mehr Menschen die Möglichkeit haben, sie zu lesen und auch zu verstehen. Und sie machten einen Kreidekreis drum herum und schrieben daneben: Bibel übersetzen.

Sie sagten: Der Glaube stärkt den Menschen. Er schenkt Freiheit und Trost, und nicht Angst und Zwang. Wir brauchen Gebete und eine Praxis der Seelsorge, wo Menschen das erleben können. Und sie machten einen Kreidekreis drum herum und schrieben daneben: Christinnen und Christen sind frei.

Sie sagten: Es soll nicht einer über den anderen Macht haben in der Kirche, und Gottes Liebe ist für alle da. Und sie machten einen Kreidekreis drum herum und schrieben daneben: Durch die Taufe -sind wir alle gleich.

Um Dinge zu begreifen, muss ich sie kennen. Und ganz vieles habe ich gar nicht in meinem Bewusstsein, sondern nehm es einfach so hin und geh drüber hinweg. Das ist so mit der Natur, die mich umgibt, aber das ist auch so mit meiner Kirche.

Die Geschichte von Fionn Pape und der Reformationstag erinnern mich daran: Es ist gut, auf das hinzuweisen, was da ist. Und das dann auch zu benennen.

Nelken-Leimkraut und Gottvertrauen. Gott liebt dich bedingungslos. Storchschnabel und Hoffnung. Gott vergibt dir deine Sünden. Kamille und Glaubenskraft. An Trost wird es dir nicht fehlen.

Es gibt noch so viel zu entdecken!

  

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

 

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