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Sonntagskirche | 12.06.2022 | 08:55 Uhr

Die Schule des Verlernens

Ach, das ist doch wie Fahrradfahren - das verlernt man nicht! Den Spruch haben Sie sicherlich auch schon mal gehört oder sogar selbst zum Besten gegeben? Manche Dinge gehen uns, einmal gelernt, in Fleisch und Blut über. Vielleicht sind wir etwas aus der Übung, wenn wir längere Zeit nicht mehr auf einem Rad gesessen haben, aber sobald wir uns erneut in den Sattel schwingen und in die Pedale treten, kommt der Rest wie von selbst. Ganz automatisch.

Und das ist auch gut so! Man stelle sich vor, wir müssten uns alles erneut aneignen, was wir über längere Zeit nicht mehr gemacht haben! Wie viele von uns müssten dann erneut mit Stützrädern fahren? Man sieht - es ist schon ganz praktisch, dass wir einmal Erlerntes abspeichern und bei Bedarf wieder abrufen können.

Bei anderen Dingen wäre ich aber ganz froh, wenn ich sie ganz vergessen könnte. So manche Angewohnheit oder schlechte Eigenschaft - wie toll wäre es, wenn ich sie mir nicht erst mit Mühe abgewöhnen müsste, sondern ich sie ganz einfach verlernen könnte?

Nach ein paar Tagen ohne Zigarette weiß ich schon nicht mehr, wie man sich eine anzündet. Ich verzichte ein paar Abende auf die Tafel Schokolade vor dem Fernseher und nach einer Woche habe ich vergessen, wo die Süßigkeiten überhaupt gebunkert sind! Toll!

Aber mal ernsthaft: Kaum sind wir auf der Welt, fangen wir an zu lernen. Jeden Tag sammeln wir neue Erfahrungen, bauen unsere Fähigkeiten aus, wir üben uns in Motorik, Sprache, sozialem Verhalten. Jeder in seinem Tempo und das bis an unser Lebensende. Ich frage mich aber, ob es neben der ganzen Lernerei nicht auch eine Schule des Verlernens geben könnte?

Dort könnte man sich für folgende Kurse einschreiben: “Nie wieder neidisch”, “Lügen - was ist das?” oder “Ich habe vergessen, an wem ich mich rächen wollte”. Manchem Machthaber würde ich derzeit in der Schule des Verlernens einen Kurs anbieten gegen das Krieg-Führen.

Nach bestandener Prüfung hätten wir erfolgreich ein paar unserer schlechten Angewohnheiten abgelegt, ja schlichtweg verlernt. Denn in dieser Schule verlernt man fürs Leben.

Eventuell gibt es auch ein Fach, das Sie belegen würden? Ich frage mich, ob unsere Welt insgesamt vielleicht ein klein wenig besser wäre, wenn wir alle hier ein paar Kurse absolviert hätten. Übrigens: Manch ein Prophet in der Bibel muss ähnlich gedacht haben wie ich. Denn gerade beim Thema Krieg gibt es da ganz konkrete Visionen, etwa beim Propheten Jesaja. Der schreibt – schon vor etwa 2.700 Jahren: „Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.“ (Jes 2,4) Das klingt doch sehr nach der „Schule des Verlernens“.

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