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Sonntagskirche | 26.06.2022 | 08:55 Uhr

Demaskiert

Wann waren Sie das letzte Mal ohne Maske beim Bäcker? Oder in einem anderen Geschäft? Vielleicht gestern, letzte Woche oder vor über 2 Jahren?

Als ich am letzten Wochenende die Maske vergessen hatte und notgedrungen schnell beim Bäcker reingesprungen bin, war das schon ein komisches Gefühl. Irgendwie hab ich mich nackt gefühlt. Und irgendwie auch direkt beobachtet: Schauen mich die anderen Kunden vielleicht schief an, weil ich ohne Schutz hier bin?

Nach 2 Jahren Pandemie ist das Maske-Tragen für mich tatsächlich zur Gewohnheit geworden. Sicherlich in einigen Momenten lästig (wie oft musste ich nochmal nach Hause umkehren, weil ich meine Maske vergessen hatte…) aber in manchen Momenten - neben dem Gesundheitsaspekt - durchaus mit weiteren Vorteilen:

An kalten Tagen wärmt sie meine Wangen und an schlechten Tagen fällt niemandem auf, dass ich mit einer Sauertopfmiene durch die Gegend laufe. Und das mit dem Make Up erledigt sich manchmal ebenfalls - denn wozu schminken, wenn die Hälfte des Gesichts eh die meiste Zeit bedeckt ist?

So hat sich mein erster Gang ohne Maske tatsächlich besonders angefühlt, irgendwie kühn, offen und irgendwie auch ein kleines bisschen aufregend. Es war wie ein “Hallo! Das bin ich! Sie kennen mich bisher nur mit Maske, aber hier bin ich nun und zeige mich, wie ich bin. So sehe ich also aus!” Unversteckt und unverstellt.

Eine Bekannte, die Lehrerin an einer Realschule ist, erzählt mir, dass viele ihrer Schüler, besonders Mädchen, Angst hätten die Maske im Unterricht abzulegen. Nicht unbedingt, weil sie eine Ansteckung mit Corona befürchten, sondern vielmehr, aus Angst, sich nach 2 Jahren wieder vollends zu zeigen. Denn in dieser Zeit ist bei den Jugendlichen viel passiert: die Pubertät ist in vollem Gange, vielleicht trägt die eine jetzt eine Zahnspange, die andere hat mit ungeliebter Akne zu kämpfen. Dank Corona blieb das alles schön versteckt, niemand musste sich sorgen, zur Zielscheibe von Lästereien zu werden.

Doch jetzt fällt nicht nur der Schutz vor dem ansteckenden Virus, sondern auch vor blöden Sprüchen und Hänseleien. Gerade in einer Phase des Lebens, in der Äußerlichkeiten extrem wichtig werden, viele Jugendliche verunsichert sind und man einfach nur dazugehören möchte.

Ich kenne das Gefühl von damals noch allzu gut: Ich hätte mir in dieser Zeit an vielen Tagen nicht nur eine Maske zum Verstecken gewünscht, sondern gleich ein ganzes Cape, das mich unsichtbar macht.

Und mal ehrlich: Dieser Wunsch sich hinter etwas zu verstecken - der begleitet uns doch bis ins Erwachsenenalter. Wenn man bei einer Flunkerei erwischt wurde, sich für etwas entschuldigen soll oder sich eingestehen muss, dass man einen Fehler gemacht hat. Da wäre man doch am liebsten mal kurz unsichtbar.

Manche dieser Dinge erfordern tatsächlich Mut. Sich ganz unverblümt zu zeigen, sich nackig zu machen. Nicht nur im Gesicht, sondern in manchen Situationen sein Innerstes zu offenbaren und damit alle Facetten der eigenen Persönlichkeit - positive wie negative. Ganz offen zu zeigen: “Ja, das bin ich! Mit allen Ecken und Kanten und vor allem ohne Maske.” Und im besten Fall mit dem Zusatz: “Und ich habe absolut keine Angst vor Deiner Reaktion.”

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