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Sonntagskirche | 25.09.2022 | 08:55 Uhr

Der Kinderwagen

Guten Morgen.

Da liegt er. Am Wegesrand und rührt sich nicht. Seit Tagen. Vermisst ihn niemand? Braucht ihn niemand? So alt sieht er gar nicht aus. Auch nicht wirklich kaputt. Er liegt da einfach nur. Der Kinderwagen.

Jeden Tag laufe ich daran vorbei. Einmal habe ich den Impuls hineinzuschauen und erschrecke. Wieso habe ich nie vorher daran gedacht? Was, wenn jetzt noch ein Kind darin läge? Wieso habe ich nicht direkt am ersten Tag hineingeschaut?

Es liegt kein Kind drin. Natürlich nicht. Was für ein Unsinn. Wahrscheinlich hat ihn einfach jemand geklaut. Aus irgendeinem Treppenhaus oder so. Und jetzt hier entsorgt. Aber dann müsste ihn doch jemand vermissen, oder nicht?

Vielleicht wurde er auch abgeschoben. Von einem Kind, das ihn nicht mehr haben wollte. Oder nicht mehr brauchte. Oder ihn tauschen wollte. Vielleicht gibt es ja nicht nur eine Zahnfee, sondern auch einen Kinderwagen-Gnom. Ein Fabelwesen, das nachts Kinderwagen gegen ein schickes Paar neue Kinderschuhe tauscht und Dir so die Botschaft schickt: „Du bist jetzt groß genug! Du kannst jetzt alleine laufen!“

Ich merke: Ich will hier was Gutes glauben. Ich will nicht, dass dieser Kinderwagen einfach lieblos am Weg entsorgt wurde. Wenn es so wäre: Was ist mit dem Kind geschehen, das in dem Wagen lag? Krimis formen sich in meinem Kopf. Was, wenn dieser Wagen eigentlich ein Beweisstück ist? Und ich laufe wochenlang einfach daran vorbei. Müsste ich ihn melden? Zum Fundbüro bringen?

Fast zwei Monate liegt der Wagen am Weg und lässt mich über ihn nachdenken. Dann ist er plötzlich weg. Nur zwei Tage später taucht seltsamer Weise an exakt derselben Stelle eine Rutsche auf. Eine kleine bunte Kinderrutsche aus Plastik. So eine hatten wir früher auch. Sieht fast genauso aus. Ich bin verwirrt. Auch die Rutsche sieht noch gut aus. Ganz sicher noch gut zu gebrauchen.

Ich erinnere mich wie meine Geschwister und ich als Kinder auf so einer Rutsche im Garten gespielt haben. Am besten war sie im Sommer, als Wasserrutsche am Planschbecken. Wenn man sie nass macht, kann man kreischend in einem Affenzahn da runterrutschen. So schnell, dass man unten aufpassen muss, nicht über den Rand des Beckens hinaus zu fliegen.

Was haben wir uns manchmal gezofft wegen dieser Rutsche. Weil eine von uns unbedingt zuerst drauf wollte. Oder rücksichtslos einfach runtergerutscht ist und wir dann gleichzeitig wütend und lachend durcheinander gekugelt sind.

Ich schmunzle und denke: Vielleicht sind all diese Sachen am Wegesrand ja für mich.

Was wenn Gott mir diese Dinge auf meinen Weg legt? Dinge, die mich an meine Geschichte erinnern und mich mit mir selbst versöhnen sollen. Geschichten am Wegesrand, die meinen Geist beflügeln sollen und mich nach Wundern fragen lassen.

Gott ist ja einer, der einen die Dinge manchmal mit neuen Augen sehen lässt. Das wünsche ich Ihnen einfach mal für heute: Dinge mit neuen Augen zu sehen. Vielleicht treffen Sie heute ja auch Gott am Wegesrand. Oder wenigstens eine gute Geschichte.



Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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