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Kirche in WDR 4 | 29.08.2022 | 08:55 Uhr

Passion

Heute ist wieder Montag, und weil heute Montag ist ist das Wochenende leider auch schon wieder vorbei. Tja. Und nicht nur das Wochenende, nein, auch der Sommer fängt an, seine Sachen zusammenzupacken. Und weil das so ist, da denke ich an die Dinge, an denen ich mich in diesem Sommer erfreut habe und die bleiben, auch wenn er demnächst weg ist.

Ich habe mir im Sommer die Passionsspiele in Oberammergau angesehen. Und das war für mich wirklich ein Höhepunkt. Dort, in den bayerischen Bergen, da haben vor ein paar hundert Jahren die Dorfbewohner gesagt: Gott, wenn du uns vor der Pest verschonst, dann spielen wir alle zehn Jahre die Szenen aus der Bibel, die davon erzählen, wie Jesus gelitten hat und gestorben ist. Tatsächlich ist damals im Dorf keiner krank geworden. Wahrscheinlich hat das daran gelegen, dass es dort sehr einsam war und nicht so viele Fremde vorbeigekommen sind. Aber egal: Seitdem gibt es dort halt alle zehn Jahre die Passion. Und das ist wirklich ein großes Glück.

Dem Spielleiter Christian Stückl ist eine unglaublich kraftvolle und mitreißende Inszenierung gelungen. Er zeigt Jesus als großen Kritiker der damaligen gesellschaftlichen und religiösen Verhältnisse. Den Schriftgelehrten und dem Stand der Priesterschaft macht er klar, wie sehr sie sich von der wirtschaftlichen und sozialen Not der einfachen Bevölkerung entfernt haben. Die wiederum spüren das Potential, dass in Jesu Worten liegt. Sie merken, wie sehr es ihr Leben verändern könnte. Weltliche und geistliche Macht hingegen werden zu einer Karikatur. Das zeigt sich zum Beispiel in der Person von König Herodes, wenn er in einer grünen Phantasieuniform mit seinem Riesenpferd auf die Bühne reitet und nicht viel mehr fertigbringt, als den gefolterten Jesus zu verspotten und albern herumzukichern. Das alles ist große Bühnenkunst. Nicht zufällig habe ich andauernd an aktuelle Machtverhältnisse, an die Kardinäle, Bischöfe und Präsidenten unserer Tage denken müssen.

Unvergesslich aber bleibt für mich vor allem der Schluss der Passion. Der tote Jesus ist von seinen treuen Freundinnen und Freunden in ein Grab gelegt worden. Auf der Bühne sieht man nur noch schemenhaft drei Kreuze stehen. Da kommt in die Dunkelheit hinein eine weiße Gestalt. Sie trägt eine Feuerschale in den Händen, stellt sie auf der Bühne ab und wärmt sich die Handflächen an ihr. Frauen, die Jesus am Grab besuchen wollen treten hinzu. Das Grab ist leer, die Frauen sind verstört. „Glaubt an das Licht, damit ihr Kinder des Lichts werdet!“ sagt der Engel, der die ganze Zeit seinen Blick nicht von der Flamme abwendet. Da kapieren die Frauen, dass Jesus auferstanden ist. „Er ist bei uns alle Tage bis an der Welt Ende!“ ruft Maria Magdalena. Und während nun der Chor einsetzt, verlassen alle die Bühne. Am Schluss sitzt nur noch der Engel mit der Feuerschale da. Es ist ganz still geworden. Dann geht auch er. Und zum Schluss bleibt die Schale allein auf der Bühne zurück. Wie ein Vermächtnis an mich, dass die Hoffnung bleibt, selbst da, wo es auf den ersten Blick nichts zu hoffen gibt. Und ich habe gedacht, dass ich diese Feuerschale mit in den Herbst und den Winter nehmen möchte. Mitten in die Welt mit all ihren Herodessen, den falschen Priestern und all denen, die das Recht beugen und ihre Macht ausnutzen. „Ich habt nicht das letzte Wort.“ Das habe ich aus diesem Sommer mitgebracht. Und das ist nicht wenig. Nicht nur an diesem Montagmorgen.

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