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Das Geistliche Wort | 25.05.2015 | 08:40 Uhr

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Sprache begeistert

Zwei Feiertage! Und die Schulen geben Dienstag auch noch frei. Viele fahren weg und nutzen die Pfingstferien. Aber kaum jemand weiß wirklich, was dieses kirchliche Fest bedeutet. Pfingsten hat es schwer. Wir haben zwar zwei Feiertage, aber wenige Symbole, die Pfingsten wirklich in die Familien bringen.

Zu Weihnachten gibt es die Krippe, dazu Geschenke unter einem geschmückten Baum, zu Ostern sitzt ein Schokoladenhase neben bunt gefärbten Eiern. Und was gibt es zu Pfingsten? Die Pfingstrose ist nicht mal eine richtige Rose. Und ich habe auch noch nie einen Pfingstochsen aus Schokolade gesehen. In den ländlichen Gebieten wurde zu Pfingsten das Vieh zum ersten Mal auf die Weide getrieben. Das stärkste Tier führte geschmückt die Herde durchs Dorf und sorgte so für einen festlichen Rahmen. Mit dem Schokoladenhasen teilte der Pfingstochse meistens das gleiche Schicksal: Er wurde zum Fest geschlachtet.

Guten Morgen! Mein Name ist Michael Nitzke und ich bin Pfarrer in der Evangelischen Philippus-Kirchengemeinde in Dortmund.

Die landwirtschaftlichen Frühlingsbräuche zu Pfingsten sind in der Großstadt so gut wie verschwunden. Übrig bleibt dann nur der Gedanke, aus dem hoffentlich schönen Wetter das Beste zu machen. Wenn wir heute nach Pfingstbräuchen fragen, dann wird als Antwort meistens der Kurzurlaub genannt. Wer dann aus dem Ruhrgebiet über die Feiertage vielleicht nach Holland fährt, kann Sonne und Meer genießen. Da gibt es ja keine Grenzen mehr, und wir zahlen mit dem gleichen Geld. Aber dann und wann stoße ich doch an meine Grenzen: Dann, wenn ich mit den Menschen sprechen will. In den Niederlanden kann ich zwar vieles verstehen, was auf den Schildern steht, aber bei einem richtigen Gespräch bin ich doch darauf angewiesen, dass die Menschen im Gastland meine Sprache sprechen. Und auch dann gibt es Missverständnisse. Menschen aus einem großen Land und einem kleinen Land kommen da zusammen und geraten manchmal auch aneinander. Die traurige Geschichte, als Deutsche im zweiten Weltkrieg die Niederlande überfallen haben, können die Menschen aus diesem Land nicht vergessen. So sind es nicht nur unterschiedliche Mentalitäten, die die Verständigung erschweren. Doch als Gast kann ich den Gastgeber ehren, wenn ich ein wenig auf ihn zukomme. Wenn ich versuche, ein paar Worte in seiner Sprache zu sprechen, dann erlebe ich oft ein freundliches Lächeln bei meinem Gegenüber.

Anstatt "Bitte zahlen!" probiere ich: "De rekening, alstublieft.", statt "Auf Wiedersehen!" versuche ich es mit "Tot ziens." Das macht mich noch nicht zum Holländer, aber zu einem Menschen, der an anderen Menschen interessiert ist. Sprache ist nicht nur ein Werkzeug, um zu bekommen, was ich haben will, Sprache ist die Brücke zum Mitmenschen.

In der Bibel wird erzählt (Apg 2), dass man fünfzig Tage nach dem Passahfest, als Jesus gekreuzigt wurde, ein Erntefest feierte. Im Wort Pfingsten kann man noch das altgriechische Wort für fünfzig erkennen. Inzwischen war Jesus auferstanden und zu seinem Vater im Himmel zurückgekehrt, so wird erzählt. Zu diesem Erntefest waren viele Menschen in Jerusalem. Juden und am Judentum Interessierte aus aller Welt. Es muss ein riesiges Getümmel gewesen sein. Einer verstand den anderen nicht. Alle Sprachen der Welt auf engstem Raum. Auf einmal spürten die Jünger, dass etwas anders war als sonst. Sie waren hellauf begeistert, sie spürten den Geist Gottes in sich, und hatten keine Scheu vor den vielen Menschen. Sie fingen an, von ihrem Glauben zu erzählen. Und auf einmal merkten diese Menschen, dass sie alles verstanden, wovon die Rede war. Jeder hörte seine eigene Sprache.

Die Jünger nutzten die Gelegenheit und erzählten alles, was sie von Jesus wussten. Was sie überzeugte, was sie begeisterte, was sie glaubten, was sie hofften. Sie waren so Feuer und Flamme für ihre Sache, dass andere Leute dachten, sie wären betrunken. Doch Petrus erklärte denen, dass es dafür ja noch viel zu früh am Tag sei. Er erzählte begeistert weiter. Und so wandten sich an diesem Tag viele der neuen Gemeinde zu. Möglich wurde das dadurch, dass sich alle verstanden.

Musik 1: Billy McLaughlin,, Fingerdance. (Gitarre instrumental)

Beim ersten christlichen Pfingstfest in Jerusalem zeigte sich: Gottes Geist bewirkt, dass Menschen sich verstehen. Sprachbarrieren wurden überwunden. Bis dahin hatten gläubige Menschen die vielen Sprachen als Strafe Gottes wahrgenommen. Am Anfang der Bibel wird davon erzählt (1. Mose 11,1-9), dass alle Menschen eine gemeinsame Sprache hatten. Sie fingen an, eine Stadt mit einem großen Turm zu bauen. Sie wollten damit ihre Macht demonstrieren. Gott meinte, dass die Menschen dadurch zu übermütig würden. Er stoppte ihr Bauvorhaben, vertrieb sie in unterschiedliche Himmelsrichtungen, und sorgte dafür, dass sie alle unterschiedliche Sprachen hatten. Der Turmbau zu Babel steht noch heute für die Babylonische Sprachverwirrung.

Durch das Ereignis am Pfingstfest in Jerusalem wurden die scheinbar gottgegebenen Verständigungsschwierigkeiten aufgehoben.

Sprache ist die wesentliche Grundlage der Religion. Die erste Aktion, die die Bibel von Gott schildert, geschieht in Sprache: "Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht." (1. Mose 1,3) Gott hat durch seine Sprache, durch sein Wort, die Welt ermöglicht. Christen glauben, dass durch Jesus Christus das Wort Gottes zu einem Menschen geworden ist. Gott hat sich selbst zur Sprache gebracht.

Sprache ist leider immer wieder ein Grund für Konflikte und Kriege unter den Menschen. Dabei ist Sprache ein Grundrecht des Menschen. Jeder Mensch muss die Gelegenheit haben, sich in der Sprache auszudrücken, in der er aufgewachsen ist. Dennoch ermöglicht das Erlernen einer anderen Sprache, dass Menschen miteinander reden und einander verstehen, um in Frieden miteinander zu leben.

Wenn man also überlegt, wie man dem Pfingstfest Gestalt gibt, dann kann man durchaus versuchen, mit Menschen anderer Sprache ins Gespräch zu kommen. Dafür müsste man noch nicht mal weit verreisen. Anderssprachige Menschen leben oft nur ein paar Straßen weiter. Immer mehr Menschen müssen in unser Land fliehen. Sie besuchen hier Deutschkurse. Aber unsere Sprache lernen sie viel besser, wenn sie sie auch anwenden können. Vielerorts geschieht genau das: Menschen helfen ehrenamtlich, werden Paten für Flüchtlinge, übersetzen, helfen bei Behörden oder beim Arzt. Menschen lernen sich kennen und sprechen miteinander.

Musik2: Jesse Cook, Mario Takes a Walk (Gitarre instrumental)

Pfingsten ist das Fest der Sprache. Sprache besteht aber nicht nur aus fremden Vokabeln und anderer Grammatik. Man kann auch innerhalb einer Sprache Barrieren errichten, und mit ein bisschen Mühe kann man mit leicht verständlicher Sprache anderen Wege ebnen. Viele Menschen scheitern am Beamtendeutsch. Aber Verwaltungssprache muss nicht immer abschreckend sein. Viele Behörden bieten Ihre Internetseiten oder Informationsblätter auch in einfacher Sprache an. So versteht jeder, was gemeint ist. Das ist schon so etwas wie ein kleines Pfingstwunder. Interessant auch die Bibelarbeiten in leichter Sprache auf den großen Evangelischen Kirchentagen. Da hat jeder Satz höchstens vier Wörter. Eigentlich gedacht für Menschen mit Behinderungen, aber auf einmal kommen ganz viele. Die Messehallen sind überfüllt, weil das alle mögen, wie einfach hier vom Glauben erzählt wird.

Sprache, das sind nicht nur Wörter. "Die fünf Sprachen der Liebe", heißt ein Buch des amerikanischen Paartherapeuten Gary Chapman (1). Seine erste Sprache ist "Lob und Anerkennung": Respekt und Liebe sind nicht nur einfach da, ich muss sie auch in Worte fassen. Die zweite Sprache der Liebe heißt "Zweisamkeit". Hier braucht man oft nicht einmal zu reden: Ich schenke dem Partner Zeit, das ist "die Zeit nur für dich". Die weiteren Sprachen sind "Geschenke, die von Herzen kommen", "Hilfsbereitschaft" und "Zärtlichkeit". Diese letzte Sprache hat es in sich, denn diese Sprache braucht wirklich keine Worte: Wenn Menschen sich berühren, umarmen, streicheln, zeigen sie ihre Liebe – eine ganz besondere Form der Beziehungssprache.

Später hat der Therapeut Gary Chapman versucht, mit diesen fünf Kategorien die Sprachen Gottes zu beschreiben. Gott lobt den Menschen, wenn er sagt: "Ich gebe euch Zukunft und Hoffnung" (Jer 29,11), Gott gibt den Menschen Kraft, hilfsbereit zu sein und sich für andere einzusetzen. Und auch in der Sprache der Berührungen spricht Gott durch Jesus Christus, der nimmt Kinder in den Arm (Mk, 10-13-16) er segnet und berührt Menschen mit ansteckender Krankheit (Mt 8,1-4). Er zeigt damit Nähe und Zuwendung. Gottes Wort kann auch heute noch Menschen berühren. Chapman beschreibt zum Beispiel einen jungen Mann, der einen Konflikt mit den Eltern hat. In einem Hotel liest er in der dort ausgelegten Bibel. Dabei stößt er auf folgenden Satz: "Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte." ( Jer 31,3) Es sind Worte Gottes an das Volk Israel, aber in diesem Moment berühren sie ihn ganz persönlich, so dass er später das Gespräch mit seinen Eltern wieder aufnimmt. (2)

Als am ersten Pfingstfest in Jerusalem die Zuhörer der Jünger in fremder Umgebung ihre eigenen Sprachen hörten, da konnten sie es kaum fassen. Sie erschraken und wurden zunächst ratlos. Doch mit der Zeit erkannten sie die Möglichkeiten. Sie erfuhren: Dass wir uns verstehen, das bewirkt der Geist Gottes. Sie ließen sich einladen in die neu entstehende Kirche. Auch sie waren berührt. Sie spürten die Kraft Gottes in sich. Eine Kraft, die Menschen zusammen führt. Zu Pfingsten hat der Geist Gottes die babylonische Sprachverwirrung überwunden.

Dieser heilige Geist Gottes ermöglicht Verständigung. Verständigung der Menschen untereinander und Verständigung der Menschen mit Gott selbst.

Das ist doch wirklich ein Grund zu feiern, auch ohne Pfingstochsen aus Schokolade.

Ich wünsche Ihnen noch einen gesegneten Pfingstmontag.

Es grüßt Sie: Pfarrer Michael Nitzke von der Evangelischen Kirche.

Musik 3: Oscar Lopez, Forgive me (Perdoname) (Gitarre instrumental)

Besprochene Literatur:

(1) Gary Chapmann: Die fünf Sprachen der Liebe. Wie Kommunikation in der Ehe gelingt. Verlag der Francke-Buchhandlung GmbH, Marburg. ISBN: 3861221268

(2) Gary Chapmann: Die fünf Sprachen der Liebe Gottes. Brunnen Verlag, Gießen. ISBN: 9783765541476 (Kapitel 6)

Musikinformation für die GEMA

Musik 1:

CD-Name: Fingerdance

Track-Name/-Nr.: Fingerdance / 1

Interpret: Billy McLaughlin

Verlag:Narada Productions, Inc

LC-Nr.6362

Label:Narada

Texter: instrumental

Komponist:Billy McLaughlin

Musik 2:

CD-Name: The Ultimate Jesse Cook

Track-Name/-Nr.: Mario Takes A Walk / 1

Interpret: Jesse Cook

Verlag:Narada Productions, Inc

LC-Nr.6362

Label: Narada

Komponist: Jesse Cook

Musik 3:

CD-Name: Heat

Track-Name/-Nr.: Forgive Me (Perdoname) / 1

Interpret: Oscar Lopez

Verlag:Narada Productions, Inc

LC-Nr.6362

Label: Narada

Komponist: Oscor Lopez

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