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Das Geistliche Wort | 25.12.2013 | 08:40 Uhr

Auf die Verpackung kommt es an!

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer und gesegnete Weihnachten.

Ich hoffe, Sie hatten eine schöne Bescherung – gestern Abend oder vielleicht werden sie ja noch heute Nachmittag beschert. Ich habe jedenfalls immer viel Freude dabei, Geschenke auszupacken, denn ich merke schnell, mit wie viel Liebe etwas eingepackt wurde. Eigentlich müsste das Auspacken mit genau derselben Aufmerksamkeit passieren wie das Einpacken, allein schon wegen der Wertschätzung gegenüber dem, der es eingepackt hat. Aber oft siegt die Ungeduld und ratsch ratsch ist das Geschenk ausgepackt. Bei uns packt übrigens immer meine Frau die Geschenke ein – die kann das auch viel besser und sorgfältiger als ich. Mir fehlt da das richtige Händchen für, um schön zu falten und zu binden.

Natürlich:

Ressourcen schonend ist das viele Geschenkpapier nicht – aber schön. Und die Verpackung, die ist eben wichtig! Sie soll ja Neugier wecken: Manchmal wird die Verpackung auch erst abgetastet, um zu erraten, was hier wohl eingepackt ist, bevor sie dann gelöst wird. Außerdem: die Verpackung zeigt immer auch die Zuneigung, die mitgeschenkt wird – also Respekt vor der Verpackung.

Man stelle sich einmal Weihnachtsgeschenke ohne Verpackung vor – das ginge zwar auch, wäre aber halb so schön, weil die unmittelbare Spannung und Vorfreude fehlen würde. Also nichts gegen Geschenke – aber auf die Verpackung kommt es doch wohl auch an?

Was für die Geschenke gilt, das gilt auch für das Weihnachtsfest an sich: Wie wäre es wohl, wenn die ganze Weihnachtsbotschaft auf den einen Satz reduziert würde:

Gott ist Mensch geworden. Der Satz ist natürlich wichtig und richtig: Denn an Weihnachten feiern wir wirklich, dass Gott Mensch geworden ist. Aber diese Botschaft klingt – so für sich genommen als Satz allein – ein bisschen trocken, als ob man von einer chemischen Formel auf den Geschmack von Wein schließen soll. Da fehlt doch was, da fehlen Bilder, da fehlen Gerüche, da fehlen Töne – Verpackung eben, die uns die Menschwerdung Gottes erahnen lässt ja sogar erklären hilft. Natürlich: das Geschenk der Menschwerdung Gottes an Weihnachten bleibt immer auch ein Geheimnis, aber gerade hier kann die Verpackung helfen, das Geheimnis den Menschen liebevoll nahe zu bringen. Und die Verpackung rund um das Geheimnis von Weihnachten, das sind die biblischen Berichte, die sich um die Menschwerdung Gottes ranken.

Musik I

Die biblischen Berichte rund um das Weihnachtsgeschehen sind wie die Verpackung um ein Geschenk. Aber: So toll wirkt die erste Verpackung gar nicht. Mit 14 Jahren schwanger und kein leiblicher Vater in Sicht! „Na prima“, werden da wohl die nächsten Angehörigen gedacht haben. Und Josef, der Verlobte des Mädchens? Der will sich diskret verabschieden, denn mit dem Kind hat er nichts zu tun. Zum Glück hält ihn ein Engel noch davon ab: das Kind ist ein Kind von Gott, heißt es, und das muss man glauben. Na, das fängt ja gut an.

Für mich stellt sich das so dar: Da scheint wohl einer geboren zu werden, der von Anfang an keine schwierigen Situationen scheut. Einer, bei dem es Lebensgeschichten geben darf, die auch Umwege haben. Also eher einer von uns. Na, das fängt ja wirklich gut an.

Und dann die nächste Schwierigkeit: Quartiersuche, die zu neuen Umwegen zwingt. Weil in der Herberge kein Platz war, wird das Kind in einer Höhle oder in einem Stall geboren und in eine Krippe gelegt. Aber damit ist die Weihnachtsgeschichte ganz schön aktuell!

Wie viele Menschen sind unterwegs und finden kein Quartier, keine Bleibe? Sie sind aufgebrochen – wer weiß schon aus welchen Gründen? Für mich ist klar: Niemand gibt freiwillig und gerne seine Heimat auf und zieht in die Fremde! Zuhause hatten sie wahrscheinlich keine Zukunft: Besser als die Slums in Bulgarien und Rumänien ist es überall. Und hier, in Duisburg, meiner Heimatstadt, kommen sie an. Was werden sie hier finden?

Übrigens: Ställe wie damals gibt es heute auch noch. In Duisburg z.B. in Häusern, in denen in einer Wohnung 30 Menschen aus Osteuropa untergebracht werden: Jeder zahlt natürlich für seinen Schlafplatz.

Maria und Josef auf der Suche nach Unterkunft in Bethlehem damals – und Menschen aus Osteuropa auf Wohnungssuche hier bei uns heute.

Beide Male ist das reales Elend. Das ist Elend, mit dem Jesus sich solidarisch zeigt. Der Sohn Gottes scheint vor nichts fies zu sein.

Und dieser Gedanke göttlicher Solidarität hat etwas sehr tröstliches: Vielleicht will Jesus auch mit mir genau so solidarisch sein? Vielleicht will Jesus ja zu mir sagen: Weißt du, ich bin in einem Stall geboren. Mir macht das nichts, wenn es in deinem Herzen wie in einem Saustall aussieht. Ich komme auch in so ein Herz, wenn du willst und wenn du mich lässt.

Musik II

Das Geschenk der Menschwerdung Gottes: verpackt in den Berichten der Bibel. Die erste Verpackung von der Menschwerdung Gottes ist aber alles andere als glänzendes Papier und schöne Schleifen: die plötzliche Schwangerschaft eines jungen Mädchens – die Suche nach einer Unterkunft – ein Stall als letzte Zuflucht. Endlich kommt der Sohn Gottes zur Welt. Jetzt muss doch die weitere Geschichte strahlen wie kostbares Papier und feinster Schmuck, denn nach christlichem Verständnis wird hier nicht irgendwer geboren.

Aber wieder ist die Verpackung eine Überraschung: Nicht Hohepriester treten auf oder Staatsmänner. Die ersten, die den Sohn Gottes sehen, sind einfache Hirten. Einfache Menschen – ohne Bildung – ohne Geld – die Verlierer der damaligen Gesellschaft. Und wieder drängt sich mir ein Vergleich auf: Wenn ich an so manchen typischen Weihnachtsgottesdienst, an die Christmette denke – bei den meisten, die ich erlebt habe, waren die Verlierer unserer heutigen Gesellschaft nicht dabei. Obdachlose – Frauen und Männer in schmutziger Kleidung – ungewaschen, unrasiert. Wie wäre das wohl, wenn heute Obdachlose zur Krippe in das Festhochamt kämen, weil Jesus ja auch für sie geboren wurde, was wäre dann wohl los?

Ich habe das mal erlebt, nicht in einem festlichen Weihnachtsgottesdienst mit vielen Messdienern, Weihrauch, Orchester und Kirchenchor. Es war auch in meiner Heimatstadt Duisburg, in einer Gemeinde in einem der so genannten Problemstadtteile dem Ostackerviertel. Da gab es Gottesdienste an Weihnachten nicht für, sondern mit armen Menschen. Obdachlose sollten spüren: Ihr seid nicht vergessen. Und: Jesus ist auch für euch geboren. Und das tolle war: Genau diese Leute haben den Gottesdienst mitgestaltet, haben von ihrem Leben erzählt, ihrem Scheitern und ihrem Hunger nach Anerkennung und Respekt. Mir ging bei diesen Gottesdiensten immer wieder auf: Menschen, arme Menschen, die das wenige, was sie haben, Jesus hinhalten, finden hier ihre Würde wieder, weil Jesus, der Sohn Gottes selbst ein Armer war.

Musik III

Das Geschenk der Menschwerdung Gottes erschlossen durch die Verpackung der biblischen Berichte; jetzt aber richtig mit Hochglanz. Auch wenn die ersten, die Jesus gesehen haben, die armen Hirten waren – hoher Besuch kommt doch noch: die Heiligen Drei Könige. Kaspar, Melchior und Baltasar. Die Bibel nennt sie Sterndeuter oder Magier. Im damaligen Sprachgebrauch waren diese Sterndeuter Heiden, Vertreter fremder Religionen und damit auf jeden Fall suspekt. Ob Maria und Josef das wohl bewusst war, als diese Besucher zu ihnen kamen und Geschenke verteilten? Egal: mit den Sterndeutern wurde ein starkes Zeichen gesetzt: Jesus ist für die ganze Welt geboren, Gott will das Heil für alle Menschen, unabhängig von Herkunft und Religion – farbenprächtiger als mit den Heiligen Drei Königen kann man das kaum darstellen. Was wäre das auch für ein seltsamer Gott, der Menschen vom Heil ausschließt, nur weil sie nicht christlich sind? Großzügigkeit ist – so glaube ich – ein Markenzeichen Gottes. Das Kind in der Krippe hat jedenfalls mit den Vertretern anderer Religionen keine Schwierigkeiten.

Und wieder fällt mir ein Vergleich mit der konkreten Lebenssituation in meiner Heimat ein: Vom Jesuskind lässt sich noch viel lernen, was den Umgang mit anderen Religionen angeht. Klar gibt es im Ruhrgebiet mehrere so genannte Leuchtturmprojekte, mit denen exemplarisch gezeigt wird, dass das Zusammenleben und -arbeiten verschiedener Religionen gelingen kann. Z.B. die große Merkez Moschee in Duisburg-Marxloh mit ihrer Begegnungsstätte.

Hier kommen regelmäßig Muslime und Christen zusammen und planen Projekte für eine bessere Bildung in diesem Stadtteil.

Umgekehrt bleiben für mich als Schulseelsorger an einer katholischen Privatschule noch viele Fragen offen: Zum Beispiel: Wie viele Muslime sollte wohl eine katholische Schule aufnehmen und wie viele kann sie wohl sinnvoller weise aufnehmen? Mein Blick geht zurück zur Krippe mit dem Jesuskind und den Sterndeutern, den Vertretern anderer Religionen, die Jesus empfing: Ist Großzügigkeit nicht ein Markenzeichen Gottes?

Musik IV

Gott ist Mensch geworden. Eigentlich ein nüchterner Satz. Aber durch die Verpackung, die die Bibel anbietet, ist die Bedeutung von Weihnachten erst vorstellbar und zudem eine ganz schön starke Zumutung: Worauf soll ich mich da alles einlassen, damals wie heute?

Ungewollte Schwangerschaften – ungewollte Zuwanderer – ungewollte Arme – ungewollte Andersgläubige?

Gott hat sich längst auf all das eingelassen und er hat sich schließlich auch auf mich eingelassen:

Gott wird Mensch mit einem Fanal: Gott macht sich klein – und was ist mit mir? – Gott sucht Wohnung – und was geschieht mit den Fremden neben mir? – Gott ist sich nicht zu schade, auch Andersgläubige zu empfangen – und wie gehe ich mit Andersgläubigen um? – Gott ist für jeden da, nimmt jeden an, auch mich – und für wen bin ich da, nehme ich jeden an, nehme ich mich an?

Die Verpackung von Weihnachten hat es in sich. Eine echte Herausforderung oder Überforderung? Aber eine der vielen Verpackungen, eines der Bilder hilft mir persönlich sehr, weil es so tröstlich ist. Das ist das Bild vom Stall. Gott weiß wie ich bin, und dass ich die ganzen Ansprüche immer nur zum Teil erfüllen kann: und deshalb sagt er an Weihnachten auch zu mir: Dein Herz ist ein Saustall. Aber das bin ich gewohnt. Ich komme zu dir, weil du mein Geschöpf bist.

Ich finde, da hat Gott sein Geschenk an uns zu Weihnachten sehr schön eingepackt!

Aus Duisburg grüßt Sie Hermann-Josef Grünhage.

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