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Kirche in WDR 5 | 04.01.2016 | 06:55 Uhr

Beppo, der Straßenkehrer

Guten Morgen!

Es ist noch ganz jung, das neue Jahr. Für viele ist heute der erste Arbeitstag nach einer kleinen Atempause über Weihnachten und Silvester. Zwölf Monate, 52 Wochen, noch 363 Tage liegen vor uns. Wie ein weites Feld breitet sich das Jahr aus. Was steht an im neuen Jahr? Haben Sie sich etwas vorgenommen? Den Urlaub vielleicht schon geplant oder sehen Sie einem Fest entgegen, vielleicht einem runden Geburtstag, der Hochzeit der Kinder oder gehen Sie in den Ruhestand? Für jeden und jede von uns wird das Jahr anders aussehen. Manche blicken mit großer Vorfreude auf die Zeit, die vor ihnen liegt. Für andere sieht das Jahr schon in den ersten Tagen aus wie ein unüberwindbarer Berg. Ein Berg von Arbeit, Verpflichtungen, ungelösten Problemen in der Partnerschaft oder mit Kollegen, die einfach mit ins neue Jahr gewandert sind. So manches ist unsicher und nicht kalkulierbar, etliches hat man nicht selbst in der Hand. Und so kommt eins zum anderen und das Jahr erscheint nicht weit und schön, sondern eng und vollgepackt. Für die eine heißt es: Der Beruf fordert mich ganz. Mit immer weniger Menschen soll man immer mehr tun. Dazu will ich Zeit für Familie und Freunde haben. Ich engagiere mich ehrenamtlich für eine Flüchtlingsfamilie, will etwas für die eigene Gesundheit tun. Die Pflege eines Angehörigen fordert mich mit Leib und Seele. Ein anderer sorgt sich: Werde ich in diesem Jahr endlich eine feste Anstellung finden? Können wir in der Wohnung bleiben? Die Ungewissheit macht mich krank.

Solche und andere Gedanken tauchen zu Beginn eines Jahres auf und viele denken: Das sind ein paar Baustellen zu viel. O Gott, wie soll ich das nur schaffen? Zu groß und zu unüberschaubar ist, was sich da ausbreitet. Was tun?

In einem Buch von Michael Ende begegnet das Mädchen Momo eines Tages dem Straßenkehrer Beppo. Der erzählt Momo ein Geheimnis:

Sprecher: „Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man. Und dann fängt man an, sich zu eilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt.

Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst zu tun und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen. Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du?

Man muss immer nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.

Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste. Das ist wichtig.“ (1)

Diesem Geheimnis möchte ich im neuen Jahr auf die Spur kommen und mich nicht schrecken lassen von dem, was auf mich zukommt. Die Kurzatmigkeit gegen einen langen Atem eintauschen, Gelassenheit einüben und Gott bitten, mir Kraft zu geben und mich die Kunst der kleinen Schritte zu lehren. (2)

Ein gutes Neues Jahr wünscht Ihnen Annette Krüger, Pfarrerin in Witten.

(1) Michael Ende: Momo, 4. Aufl. 2015, S. 41-42

(2) nach: Antoine de Saint Exupery gefunden in www.pilgernetz.com/antoine-de-saint-exu.html

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