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Kirche in WDR 5 | 09.03.2016 | 06:55 Uhr

Geführt wird von vorn

Guten Morgen!

„Geführt wird von vorn!“ Das habe ich bei der Bundeswehr gelernt. Unseren Ausbilder, Fahnenjunker Stein, hat uns damals auch vorgelebt, was das bedeutet. Er war damals, vor fünfzehn Jahren, für unsere Grundausbildung zuständig. Was mich unglaublich beeindruckt hat: Man hat ihn nie Schwäche zeigen sehen. Egal wie lange die Märsche durchs Gelände gingen, egal wie wenig Schlaf es für alle gab: Der Fahnenjunker war immer fit, hatte alles im Blick und trieb uns immer weiter durch die zwei Monate der Grundausbildung. Ich habe an mir gemerkt, dass mich das dazu gebracht hat, besser zu werden. Was das Ziel meiner Ausbildung war, wurde mir erst dadurch richtig klar, dass er dasselbe wie wir getan hat aber ohne jedes Zeichen von Erschöpfung und in stoischer Ruhe. Nur manchmal dachte ich mir insgeheim, vielleicht ist er ja gar kein Mensch, sondern so eine Art Roboter, so gut wie der funktioniert.

Doch eines Tages, nur für einen kleinen Moment, konnte ich hinter diese Fassade blicken: Nach einem mehrstündigen Gewaltmarsch sah ich ihn durch Zufall in seine Fahnenjunkerstube gehen. Draußen war die Haltung makellos. Und als die Tür sich schloss sah ich für zwei Sekunden, wie er sich auf seinen Stuhl fallenließ und einen tiefen Seufzer der Erleichterung und der Erschöpfung ausstieß. Dann war die Tür zu.

Also doch ein Mensch, dachte ich damals. Meinen Respekt vor ihm hat das nicht geschmälert. Eigentlich hat es meine Achtung vor ihm sogar noch gesteigert. Ab da war mir nämlich bewusst, dass Ausbilder Stein einiges auf sich nahm, um uns auszubilden. Um für uns ein Vorbild zu sein und uns zu Höchstleistungen zu führen. Er hat seine Erschöpfung, seine Schwäche und vielleicht auch seine Unsicherheit vor uns komplett hintenangestellt, damit wir besser von ihm lernen konnten.

So etwas hatte ich vorher nicht bewusst erlebt. Später ist mir dieses Verhalten dann immer wieder begegnet. Komischerweise immer bei Menschen, die erfolgreich Menschen geführt haben oder etwas gegründet oder aufgebaut haben. Im Theologiestudium begegnete mir auch in der Bibel ein Paradebeispiel dafür: Der Apostel Paulus. Der erleidet in der Apostelgeschichte auch so einiges, wird ins Gefängnis geworfen, vertrieben und sogar gesteinigt und lässt sich vor seinen Gegnern und Freunden selten ein Zeichen der Schwäche anmerken. Aus seinen Briefen weiß ich auch, dass er sich seiner Schwäche durchaus bewusst war, sie aber nicht gleich jedem auf die Nase gebunden hat. Vielmehr hat er sein ganzes Verhalten darauf ausgerichtet, Gemeinden zu gründen und die Menschen dort zu inspirieren – kurz: seine Mission zu unterstützen. Auch er hat „von vorn“ geführt. Ganz wie unser Fahnenjunker.

Mir persönlich hat sich das Beispiel von Fahnenjunker Stein für immer ins Gedächtnis geschrieben und ist nach wie vor eine Herausforderung für mich. Grundsätzlich glaube ich, es kann nie schaden, von solchen Menschen zu lernen, die eben „von vorn“ führen und mit gutem Beispiel vorangehen, denn das führt meistens zum Erfolg.

Ihr Vikar Jörg Heinemann aus dem Süden von Hamm

Copyright Vorschaubild: medical Brigade oeffentliche Domaene

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