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Kirche in WDR 5 | 31.01.2014 | 06:55 Uhr

Der Sprung des Glaubens wie Matthias Kaiser

Liebe Hörerinnen und Hörer!

29. November 1944, 11.00 Uhr: Anklam im heutigen Mecklenburg-Vorpommern, in der Nähe eines Wehrmachtsgefängnisses. Ein junger Offizier der Wehrmacht wird hingerichtet: Matthias Kaiser, gerade 23 Jahre alt. Einer der Gründe für das Todesurteil war seine Entscheidung, die Front im Osten um 2 km zurück zu verlegen, um seine Kameraden bei den Rückzugsgefechten zu schonen. Außerdem war er zwei Tage in den Wirren der Gefechte von seiner Einheit getrennt. Der Pfarrer, der ihm jetzt in den letzten Stunden des Lebens beisteht, bezeugt später in einem Brief an die Eltern, mit welch gläubiger Haltung ihr Sohn in den Tod gegangen ist. Aufgrund seines Glaubensbekenntnisses in dieser Extremsituation wird Matthias Kaiser zu den Märtyrern des 20. Jahrhunderts gezählt.

Schon in den Briefen, die er aus dem Gefängnis in Anklam an seine Eltern oder andere Bekannte geschrieben hat, kommt immer wieder sein Glaube zum Ausdruck. Ein Wort vor allem ist mir in Erinnerung geblieben. Es steht auf seinem Sterbebild: „Ich habe den Sprung ins Ungewisse gewagt, weil ich glaube, dass mich der Herr mit beiden Armen auffangen wird.“

Den Sprung ins Ungewisse wagen – das fällt uns Menschen zumeist schwer, weil wir nicht wissen, was auf uns zukommt. Und mit dem Tod ist ganz gewiss die Ungewissheit schlechthin verbunden. Auch als glaubender Mensch weiß ich nicht, was geschieht, wenn ich die Grenze des Todes überschritten habe, die endgültig und nicht revidierbar ist. Da kann sich schnell Angst einstellen und damit verbunden womöglich Verzweiflung und Depression. Auch Matthias Kaiser hat diese Angst gespürt. Kurz nach seiner Verurteilung schreibt er, dass ihn „allein der Blick zum Gekreuzigten“ vor unüberlegten Schritten abgehalten hat. Er hat die Angst aber schließlich überwunden, weil er glauben konnte, dass ihn Gott nicht fallen lassen würde.

Für mich ist es vergleichbar einem Kind, das an einem Abgrund steht. Es hat keine Angst hinabzuspringen, weil es unten den Vater sieht. Das Kind weiß, der Vater lässt es nicht fallen. Er fängt es auf. Und dieses Vertrauen ermöglicht, dass es den Sprung wagt.

Würde ich selbst wohl auch springen? Könnte ich mit Matthias Kaiser so sprechen: „Ich habe den Sprung ins Ungewisse gewagt, weil ich glaube, dass der Herr mich auffangen wird.“? Ich bin bei solchen Fragen vorsichtig und möchte mich nicht stärker machen als ich bin. Aber ich weiß auch, dass solches Vertrauen notwendig und heilsam ist angesichts der ungelösten Fragen des Lebens, angesichts all der Ungewissheiten, mit denen ich leben muss, angesichts des „offenen Ausgangs“ des Lebens.

Ich besuche einen schwerkranken Menschen. Er liegt zu Bett. Wir reden ein wenig miteinander. Er ist ganz ruhig, gelassen. Angesichts seiner Krankheit verwundert mich das. Da fällt mein Blick auf das Kreuz an der Wand. Schenkt das dem Kranken wohl diese Ruhe? Immerhin: Das Kreuz bezeugt für die Christen: Da hat schon mal einer tiefstes Leid und Lebensnot erlitten, Jesus Christus. Aber der fühlte sich geborgen in der Liebe seines Vaters. Und weil er in die tiefsten Tiefen des Leids und der Ungewissheit hinabgestiegen ist, ist kein Mensch dort mehr ganz allein, sondern Er – Jesus – ist bei ihm.

Matthias Kaiser hat wohl genau das erfahren: In der tiefsten Not ist Jesus bei mir. Aus seinen Briefen und dem Zeugnis des Anklamer Pfarrers geht hervor, dass er auch im Gefängnis regelmäßig gebetet hat. Er war Gott nahe und Gott war ihm nahe. Ist das ein stiller Hinweis für mich, der ich noch auf der Suche nach Halt bin?

Ich heiße Heinz-Josef Löckmann und bin Pfarrer in Paderborn-Marienloh. Ich wünsche Ihnen heute, vor allem wenn sie krank sind, Gelassenheit und innere Ruhe.

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