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Kirche in WDR 5 | 23.08.2016 | 06:55 Uhr

Runterfahren, abschalten, auftanken, Akkus aufladen…

Runterfahren, abschalten, auftanken, Akkus aufladen…

– sind wir Maschine oder Leib?

Guten Morgen,

kurz vor dem Urlaub höre ich Menschen oft die folgenden Sätze sagen: „Endlich mal runterfahren“. „Jetzt nur noch eines: abschalten“. „Gut, dass nun die Zeit zum Auftanken kommt.“ „Mein Akku ist wirklich leer und muss dringend wieder aufgeladen werden.“ Eigenartig diese sprachlichen Bilder! Seit wann reden wir Menschen so von uns? Runterfahren, abschalten, auftanken und die Akkus aufladen – all diese sprachlichen Bilder stammen aus der Welt von Maschinen und technischen Geräten. Als wären wir ein Auto, ein Computer oder Batterien. Und als hätten wir irgendwo einen Display mit Statusanzeige eingebaut, der grün, gelb oder rot aufblinkt, je nachdem wie es gerade um meinen Erholungspegel bestellt ist. Der Jahresurlaub ist dann entsprechend die Ladestation, die Tankstelle oder der offline-Modus. Sprache ist oft verräterisch. Was verraten diese Sprachbilder über den Umgang mit mir selbst, mit meinem Körper? Ist mein Leben ein Wechsel von Arbeiten und Aufladen? Mit dem Ziel, dass mein Körper wieder fit und funktionstüchtig wird, um wieder voll unter Strom stehen zu können?

Der Göttinger Neurobiologe Gerald Hüther hat einmal leidenschaftlich betont: „Wir sind keine Maschinen“ . Er ist überzeugt, dass sich irgendwann im Maschinenzeitalter in den Gehirnen unserer Vorfahren die Vorstellung verankert hat, dass „Maschinen etwas Großartiges sind und sie selbst am liebsten auch wie Maschinen funktionieren würden.“ Bis heute könne man das merken, vor allem in der Medizin. Das Gesundheitswesen funktioniert oft wie eine Werkstatt. Und der Arzt ist der Reparateur, der nach der Körperinspektion defekte Teile wieder in Gang setzt oder auswechselt. Für Gerald Hüther ist es höchste Zeit, sich von diesem mechanischen Denken zu verabschieden und ein neues Selbstverständnis zu entwickeln.

Aber wie könnte das aussehen?

Die Bibel macht hier ein alternatives Angebot. Eines der Urworte, mit denen sie den Menschen beschreibt, ist das Wort „Leib“. Der Mensch hat nicht einen Leib, sondern ist Leib. Und dieser Leib wird verstanden als beseelte Materie. Das heißt: Ich bin als Leib sozusagen durchlässig. Durch die leiblichen Sinne nehme ich meine äußere Welt wahr, lasse sie in mich hinein, meine Seele prägen. Und ich drücke umgekehrt mein Inneres, meine Seele im Leib aus. Wenn die Bibel vom Menschen als Leib spricht, weiß sie also um seine psychosomatische Einheit. Es geht also um mehr, als bloß darum, dass mein Körper funktioniert.

Das leibhaftige Wesen Mensch braucht etwas anderes als eine regelmäßige Akkuaufladung. Ich finde dafür kein besseres Wort als das Wort Muße. Schade, dass dieses Wort beinahe aus der deutschen Sprache verschwunden ist. Muße ist nicht dasselbe wie die Arbeitspause oder der offline-Modus. Denn sie ist nicht zuerst um der Arbeit willen da und verfolgt nicht den Zweck, dass der Mensch wieder störungsfrei funktioniert und sich optimiert. Die Muße ist unverzweckt und dient allein dazu, dass ich inmitten all meiner Funktionen Mensch bleibe und mich meines Daseins freuen kann.

Wenn Sie heute ein paar Minuten Luft haben, geben Sie doch der Muße etwas Raum und versuchen, diesen Moment dankbar zu genießen.

Aus Münster grüßt Sie Michael Höffner

*Gerald Hüther, Was wir sind und was wir sein könnten, Frankfurt a. M. 2011, S. 77.

**Ebd. S. 79.

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