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Kirche in WDR 5 | 24.03.2017 | 06:55 Uhr

Der liebende Blick

Guten Morgen,

immer wieder begleite ich Brautpaare, die sich auf ihre Hochzeit vorbereiten. Und immer wieder begegnet mir bei ihnen ein innerer Druck, der über die verständliche Hektik und Nervosität hinausgeht. Dieser Druck findet seinen Ausdruck in Sätzen wie: Wir wollen alles dafür tun, dass dieser Tag ein ganz besonderer und unvergesslicher wird.

Der Blumenschmuck, der Solosänger, der Oldtimer für die Hochzeit – das Programm wird bis ins kleinste Detail abgestimmt. Und manchen reicht dies für die Unvergesslichkeit noch nicht aus: Ein ganz besonderer Ort muss es sein: ein Südseestrand oder der Sprung mit dem Fallschirm aus einem Flugzeug.

Damit Sie mich nicht missverstehen. Mir geht es nicht darum, all diese Bemühungen zu verurteilen oder sie gar ins Lächerliche zu ziehen. Aber ich fürchte dann manchmal doch, dass das Eigentliche – das wirklich Wertvolle in den Hintergrund tritt.

Wenn sich dieser Eindruck bei mir einstellt, dann versuche ich, den Brautpaaren nahe zu bringen, was den Tag der Hochzeit in meinen Augen wirklich zu etwas Besonderem und Unvergesslichen macht: Die Tatsache, neben einem Menschen stehen zu dürfen, von dem sie sagen können: Du bist das große Glück meines Lebens. – Gott sei Dank, dass es Dich gibt. Und ich erinnere sie daran, dass das Geschenk dieses Tages auch darin besteht, dass die Brautleute dieses Fest mit all denen feiern können, die sie durch ihre Liebe, ihre Fürsorge, ihre Freundschaft und Geduld zu jenen liebenswerten Menschen gemacht haben, die zueinander Ja sagen können.

Eltern, Freunde und Wegbegleiter haben ihnen gezeigt, dass man auf die Liebe anderer Menschen vertrauen und sein Leben bauen kann. Es stimmt nämlich, was der Theologe Norbert Lohfink sagt: In den Himmel kommt niemand allein.

Was manches Hochzeitspaar so über die Maße beschäftigt, bindet immer wieder auch mich. Ich bin manchmal so sehr damit beschäftigt, meine Ziele zu erreichen, noch besser und erfolgreicher, noch beliebter und einflussreicher zu sein, dass ich blind dafür werde, wie reich ich eigentlich schon bin durch die Menschen, mit denen ich lebe. Ich übersehe, was Menschen für mich tun, um mir zur Seite zu stehen und das Leben schöner und leichter zu machen.

Wenn die Brautpaare einander versprechen: „Vor Gottes Angesicht nehme ich dich an …“ dann heißt das nicht zuerst, dass Gott lächelnd auf sie herabblickt, sondern das Geheimnis ist viel tiefer. Im liebenden Blick des Anderen schaut Gott die Brautleute an und sie selbst können der liebende Blick für den Menschen sein, zu dem sie ja sagen. Was für ein wunderbares Geschenk.

Ich bin überzeugt davon, dass nicht nur einem Festtag wie dem einer Hochzeit dieser Reichtum innewohnt, sondern auch diesem Freitag. Nehmen sie doch einfach einmal ihre Partnerin oder ihren Partner in den Arm. Sagen sie ihm oder ihr: „Wie schön, dass es Dich gibt“.

Schenken sie dem, der gehetzt an ihnen vorbeigeht ein Lächeln und dem Arbeitskollegen, der meistens die graue Maus ist, Beachtung, damit er spürt, dass es nicht egal ist, ob er da ist oder nicht.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen ganz besonderen Tag.

Ihr Domvikar Jochen Reidegeld aus Münster

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