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Kirche in WDR 5 | 26.08.2017 | 06:55 Uhr

Seelenleere

Guten Morgen!

An diesem Tag wäre Mutter Teresa 107 Jahre alt geworden. Viele erinnern sich an das strahlende Lächeln in den Augen der indischen Ordensfrau. Sie stammte ursprünglich aus Albanien und kam zunächst als junge Lehrerin nach Indien. Dort erlebte sie ein unvorstellbares Maß an Armut und sozialem Elend. Menschen starben unbeachtet auf der Straße, Leprakranke wurden ausgegrenzt, Kinder mussten ohne Eltern aufwachsen. Während einer Zugfahrt – so wird berichtet – hörte sie innerlich die Stimme Jesu vom Kreuz: „Mich dürstet!“ Und sie erkannte darin den Ruf der Armen. Mutter Teresa entschloss sich, diesem Ruf zu folgen und ganz für die Armen da zu sein. Sie bekam die Erlaubnis, ihren Orden zu verlassen und in die Slums von Kalkutta zu ziehen, wo sie später eine eigene Ordensgemeinschaft gründete: Die „Missionarinnen der Nächstenliebe“, die heute mit rund 6000 Schwestern weltweit ihr Werk fortführen. Suppenküchen, Hospize und Waisenhäuser werden von ihnen betreut. Oft unter einfachsten Bedingungen. Für ihr Engagement erhielt Mutter Teresa den Friedensnobelpreis. Im letzten Jahr wurde sie von Papst Franziskus offiziell heiliggesprochen.

Das alles hört sich vielleicht ganz wunderbar an – eben nach einer „Heiligen“. Aber so einfach ist es nicht gewesen. Ich meine jetzt nicht die Kritik an Mutter Teresa: Sie habe die medizinischen Standards oder die hygienischen Vorschriften nicht so ernst genommen oder Spendengelder nicht transparent genug verwaltet. Nein! Diese große Heilige der Nächstenliebe hatte ihr ganzes Leben lang extreme Glaubenszweifel. Sie beschreibt das in ihren Tagebuchaufzeichnungen und in Briefen:

Sprecherin:

„Der Platz Gottes in meiner Seele ist leer. In mir ist kein Gott. Er will mich nicht.“ „[…] Ich habe keinen Glauben. Man erzählt mir, dass Gott mich liebt, jedoch ist die Realität von Dunkelheit und Kälte und Leere so überwältigend, dass nichts davon meine Seele berührt.“*

Tief in ihrem Inneren spürte Mutter Teresa Leere und Dunkelheit. Sie konnte nicht mehr glauben, dass Gott sie liebt, auch wenn sie nach außen das Bild einer selbstlosen Ordensfrau abgab, die ganz im Dienst Jesu stand und alles tat, um das Evangelium in die Tat umzusetzen.

Diese Erfahrung der tiefen Nacht, der Dunkelheit in der eigenen Seele, haben übrigens viele große Heilige gemacht: Gerade dann, wenn du meinst, Gott am nächsten zu sein, entzieht er sich dir, ist er auf einmal weit weg.

Bereits in der Bibel bleibt Gott oft der Ferne, der Unverfügbare. Menschen können ihn nicht sehen, nicht begreifen. „Niemand hat Gott je geschaut“, heißt es im 1. Johannesbrief (1 Joh 12).

Es ist durchaus verständlich, wenn Menschen Probleme haben, Gott in ihrem Leben zu entdecken. Auch für mich ist er oft weit weg, und ich stelle ihm dann die Frage: „Wo bist du, Gott? Wo warst du bei all den Katastrophen? Wo in all dem Leid und dem Chaos der Welt – aktuell in Syrien, in Sudan oder Nigeria…?“

Mir macht das Glaubenszeugnis von Mutter Teresa Mut, meinen eigenen Glaubensweg weiterzugehen – nicht trotz, sondern gerade wegen ihrer großen Glaubenszweifel finde ich in ihr ein Vorbild. Weil sie den Mut hatte, die Liebe zu leben – auch wenn der Platz Gottes in ihrer Seele so oft leer blieb. Noch einmal lese ich im ersten Johannesbrief (1 Joh 12): „Wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns und seine Liebe ist in uns vollendet.“

Ich verstehe das so: Da, wo Menschen einander lieben, da wohnt Gott in ihren Herzen, da ist er ganz nahe – auch wenn ich ihn nicht sehe.

Aus Paderborn grüßt Sie Pastor Achim Hoppe

*Mutter Teresa von Kalkutta: Komm, sei du mein Licht! Die geheimen Aufzeichnungen der Heiligen von Kalkutta. Herausgegeben und kommentiert von Brian Kolodiejchuk. 2008.

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