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Kirche in WDR 5 | 21.06.2018 | 06:55 Uhr

Gewalt(tät)ige Worte

Guten Morgen.

es gibt Worte die streicheln und gut tun und es gibt gewalttätige Worte. Die verletzen. Die wehtun. Sogar von Jesus. In der Bibel lese ich im Neuen Testament:

„Jesus spricht: Diese meine Feinde, die nicht wollten, dass ich über sie herrsche, bringt her und macht sie vor mir nieder.“ (Lukas 19,27, Die Bibel, Luther 2017)

Vielleicht fragen sie sich, ob Sie das jetzt richtig verstanden haben. Da sollen Feinde nieder gemacht werden? Vielleicht denken Sie aber auch: Das brauche ich heute Morgen nicht. Das brauche ich auch sonst nicht. Sollte Jesus das wirklich gesagt haben? Vielleicht vermuten Sie solche Botschaften höchstens im Alten Testament. Oder im Koran, aber doch nicht im Neuen Testament. Aber es steht da. Und jeder, der sich daran macht, in der Bibel zu lesen, wird früher oder später auch auf solche Texte stoßen. Gewalttätige Texte, über die ich am liebsten auch hinweglese. Alte Texte aus einer anderen Zeit und einer fremden Kultur, in der Menschen viel häufiger als wir physische Gewalt erlebten. Was nicht heißt, dass die Menschen damals brutaler waren. Die Gewalt äußerte sich nur anders. Und die Autoren der Bibel blenden sie nicht aus. Gewalt ist Teil unserer Welt. Darum kommen Gewalt und deren Folgen in der Bibel auch zur Sprache. Gewalttäter werden benannt und entlarvt und die Opfer werden wahrgenommen. Der Fluch, den jede böse Tat nach sich zieht, wird nachgezeichnet. Dabei gebrauchen biblische Verfasser zum Teil allerdings auch Worte, die mir heute den Atem stocken lassen. „Bringt meine Feinde her und macht sie vor mir nieder.“ Zum Glück ist dieser Satz von Jesus nur bildlich gemeint. Es ist der Schlusssatz eines Gleichnisses mit dem der Apostel Lukas seine Leser aufrütteln will. Er spielt damit an eine Strafaktion des König Herodes an.

Ich atme auf. – Dieser Satz ist also nicht wörtlich zu nehmen. Aber ist das immer so klar, wie ein Text auszulegen ist? Und wie ist das eigentlich mit den einschlägigen Stellen aus dem Koran? Wie sind die richtig zu verstehen?

Leicht wird bei der Beschäftigung mit schwierigen Texte der Heiligen Schriften mit zweierlei Maß gemessen. Manchem Christen täte im Umgang mit Muslimen oder Mitgliedern anderer Religionen eine verbale Abrüstung gut. Denn auch das Christentum hat eine Geschichte, die mit Gewalt verknüpft ist. Und die uns heute lehren sollte, vorsichtiger zu sein mit unseren jeweiligen heiligen Texten. Auf dass wir Worte nicht als Waffen benutzen, egal aus welcher Tradition sie kommen. Der Evangelist Markus hat das ganze Leben Jesu in einem Wort zusammengefasst: Evangelium. Das heißt „gute Nachricht“. Und zu dieser guten Nachricht gehört, dass Jesus kein Gewalttäter war, sondern ein Gewaltopfer.

Als ein Jünger Jesus mit Waffengewalt verteidigen will, wehrt Jesus ab mit den Worten: „Wer das Schwert nimmt, der wird durchs Schwert umkommen.“ (Matthäus 26,52, Die Bibel, Luther 2017).

Und das gilt nicht nur für Waffen. Auch meine eigenen Worte will ich nicht als Schwert verwenden.

Ihr Pastor Heinz-Bernd Meurer aus Bottrop.

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