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Kirche in WDR 5 | 03.03.2014 | 06:55 Uhr

Rosenmontag

Guten Morgen, liebe Hörerin, lieber Hörer! Unser Sohn Marco geht heute Morgen als stolzer Indianer zum Kindergarten. Das ist allerdings so ziemlich das Einzige was mich heute daran erinnern wird, dass Rosenmontag ist. Erwarten Sie von mir bitte kein frohes und gut gelauntes Helau und Alaaf. Denn: Sie haben es mit einer Lipperin zu tun, noch dazu evangelisch. Die Westfalen an sich sind ja schon etwas bedächtiger, aber der Lipper ist noch die Steigerung davon. Diejenigen unter Ihnen, die Rheinländer sind, würden heute Morgen große Augen machen, wenn Sie durch unser Augustdorf gingen. Dass Rosenmontag ist, merken Sie höchstens im Kindergarten, wo sich heute nicht nur kleine Indianer einfinden. Ansonsten ist uns die fünfte Jahreszeit hier eher fremd. Drei Kilometer weiter im katholischen, nicht lippischen Stukenbrock hingegen tobt das Leben und die Menschen treffen sich zu einem farbenprächtigen Umzug.

Manchmal bin ich neidisch auf diese Unbeschwertheit – auf dieses närrisch sein können. In diesen Tagen alles, was belastet, ablegen zu können, fast buchstäblich in eine andere Haut zu schlüpfen. Schon der Prediger Salomo spricht davon, dass alles seine Zeit hat: Weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit. Und genau jetzt ist die Zeit zu lachen und zu tanzen – der Aschermittwoch kommt früh genug – die Passionszeit, die Zeit zu weinen und zu klagen.

Als ich Marco heute Morgen in sein Indianerkostüm geholfen habe, fiel es mir ein: Als ich selbst Kind war, lebten wir in Süddeutschland. Ausgelassen haben wir den Fasching, die Fastnacht gefeiert. Wir hatten wenig Geld, aber meine Mutter hat mir die schönsten Kostüme genäht. Und so verwandelte ich mich in eine Gärtnerin oder Prinzessin. Stolz zog ich mit beim Faschingsumzug und saß anschließend zwischen wischen all den anderen mit ihren farbenprächtigen Verkleidungen in der Stadthalle.

Heute erscheint mir das wie eine andere Welt. Auch an Tagen wie diesen gelingt es mir nicht so einfach, die Sorgen des Alltags loszulassen. Bei einem Blick in die Bibel begegne ich nicht nur dem Prediger Salomo, sondern auch dem ausgelassenen König David. Ekstatisch und fast nackt tanzt er vor lauter Freude vor der Bundeslade her – dem Kasten, in dem die Zehn Gebote aufbewahrt sind. Was für ein Ereignis: Die Bundeslade kommt nach Jerusalem.

Viele Seiten weiter begegnet mir Jesus, der mit seiner Mutter und den Jüngern fröhlicher Gast auf einer Hochzeit ist. Als der Wein ausgeht, verwandelt Jesus Wasser in Wein. Die Hochzeitsgesellschaft soll nicht auf dem Trockenen sitzen. Auch die biblische Welt kennt die fröhlichen und ausgelassenen Zeiten.

Lieber Hörer, liebe Hörerin. Wo immer Sie heute feiern, genießen sie die närrischen Tage. Ob Sie Teil eines fröhlichen Karnevals- oder Faschingsumzugs sind, ob Sie an den Prunksitzungen teilnehmen oder vor dem Fernseher Gast sind. Legen Sie die Sorgen ab und schlüpfen Sie in eine andere Haut – wenigstens eine kleine Weile.

Ich werde heute Mittag zu meinem Sohn in den Kindergarten gehen und bin ganz sicher: Die kleinen Karnevalisten werden mich aus meiner lippischen Haut herauslocken.

Es grüßt Sie, Ihre Johanna Krumbach, Pfarrerin aus Augustdorf.

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