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Kirche in WDR 5 | 03.09.2021 | 06:55 Uhr

Adler in der Tasche

Guten Morgen!

In meiner Heimatstadt Detmold gibt es eine Adlerwarte und zwar in Berlebeck. Da  werden bei den täglichen Vorführungen faszinierende Greifvögel live in ihrem Element gezeigt. Das lohnt einen Besuch! Dort habe ich einen echten Adler einmal hautnah erlebt – und das war sehr beeindruckend: Erst tippelte er auf dem Erdboden wie ein Kleinkind. Zum Laufen ist er wohl nicht geboren. Aber dann erhob er sich, breitete seine weiten Schwingen aus, überwand die Schwerkraft und schwebte majestätisch der Sonne entgegen.

Ich stelle mir vor, mit ihm zu fliegen, wie der kleine Nils Holgersson im gleichnamigen Kinderbuchklassiker. Nur dass es keine Wildgänse sind, sondern ein echter Adler, mit dem ich fliege.

Im schützenden Federkleid geborgen spüre ich die grenzenlose Freiheit des Himmels. Der Adler ist ein sicherer Luftakrobat. Kein Wunder, dass er auch der König der Lüfte genannt wird. Bei ihm hier oben über den Wolken rückt in meinen Augen alles da unten auf dem Erdboden plötzlich in weite Ferne.

Diesen Perspektivwechsel hat Reinhard May legendär besungen: da werden Ängste, Sorgen und angebliche Wichtigkeiten des Alltags plötzlich nichtig und klein.

Reinhard May hat Recht: Es geht darum, Distanz zum Alltag zu gewinnen und aus der Distanz heraus zu sortieren was mir wichtig oder eher unwichtig ist. Auch wenn man selbst kein Adler, kein König der Lüfte ist.

Mich erinnert der Adlerflug noch an ein anderes Bild. Es geht um die Flügel. Sie erheben nicht nur den Adler, sondern sie geben auch Schutz. So beschreibt es ein Psalm im Alten Testament (Ps 91,4): „Gott beschirmt dich mit seinen Flügeln, unter seinen Schwingen findest du Zuflucht, Schild und Schutz ist dir seine Treue.“
Dieser Vers hat es zu großem Ruhm gebracht in einem der bekanntesten deutschen Kirchenlieder. Es heißt: „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“. Der Dichter Joachim Neander (1650-1680) schreibt in der zweiten Strophe: „Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret, der dich auf Adelers Fittichen sicher geführet, der dich erhält, wie es dir selber gefällt; hast du nicht dieses verspüret?“

Was das ganz konkret bedeutet wird übrigens schon im Buch Exodus beschrieben. In einem Satz, der sich an das Volk Israel richtet, das Gott befreit hat, heißt es (Ex 19,4): „Ihr habt selbst gesehen, was ich den Ägyptern getan und wie ich euch auf Adlerflügeln getragen und euch hierher zu mir gebracht habe.“ Was für ein Zuspruch Gottes: dass er sein Volk in der Krise trägt, erhebt und jedes einzelne Menschenkind im Leben und im Tod unter seine Fittiche nimmt.

Für mich bleibt diese Gotteserfahrung lebendig durch eine ganz alltägliche Erinnerung. Adler gibt es nämlich nicht nur am Himmel. Vermutlich hatten Sie auch kürzlich einen in der Hand. Sein Bild ist nämlich auf so mancher Ein-Euro-Münze zu sehen. Ich habe sie immer in der Tasche und brauche Sie beim Einkaufen, um einen Einkaufswagen freizusetzen. Und dann fällt er mir ins Auge, der Adler auf der Münze und sagt mir: Du bist von Gottes starken Adlerflügeln getragen. Auch wenn du das im Augenblick nicht spürst, sondern erst in der Rückschau erkennst.

Seien Sie behütet und getragen. Das wünscht Ihnen
Annkathrin Tadday aus Detmold

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