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Kirche in WDR 5 | 16.09.2021 | 06:55 Uhr

Jom Kippur: 1700 mal versöhnen

1700 mal versöhnen. Seit 1.700 Jahren feiern Jüdinnen und Juden hierzulande den „Jom Kippur“, den „Tag der Versöhnung“, ihren vielleicht höchsten Feiertag. Sie feierten den „Tag der Versöhnung“ während der Pogrome der Kreuzzüge im Mittelalter, während der Pest. Sie feierten Jom Kippur, als die Nationalsozialisten die Gaskammern und Krematorien zur vollständigen Auslöschung jüdischen Lebens in Deutschland einsetzten. Aber: Sie feiern bis heute – auch in diesem Festjahr zu 1.700 Jahren Judentum in Deutschland. 1700 mal „Tag der Versöhnung“.

Heute ist „Jom Kippur“. Was für ein Feiertag!

Weltweit fasten heute Jüdinnen und Juden; sie beten und sie betreiben Besinnung und Einkehr. Zehn Tage Vorbereitung bereiten sie sich auf heute vor – ab dem jüdischen Neujahrsfest, ab Rosh Haschana. Und quasi das erste große, wichtige, was Jüdinnen und Juden in ihrem noch jungen Jahreskreis machen: Sie versprechen Gott, dass sie für das kommende Jahr gottgefälliger leben wollen. Das klingt ganz schön ambitioniert. Aber religiös zu sein, heißt ambitioniert zu sein. Und der „Jom Kippur“ erinnert jedes Jahr jeden Juden, jede Jüdin an die eigene Ambition, ein besserer Mensch zu werden – um im „Buch des Lebens“ verzeichnet so sein, so die jüdische Vorstellung.

Aber zu dieser Ambition gehört auch das ganz persönliche Eingeständnis, dass man schuldig geworden ist. Und daher sind die zehn Tage vor Jom Kippur dazu da, sich auszusöhnen. Beim „Tag der Versöhnung“ geht es um Versöhnung mit Gott, in den Tagen zuvor geht es um Versöhnung untereinander. Alle Verletzungen, alle Beleidigungen, aller Streit – all das soll, so gut es geht, in Versöhnung münden. In Vergebung.

Mich beeindruckt das jedes Jahr sehr, dass das Judentum der Vergebung einen so prominenten Rang einräumt in ihrem Jahresfestkreis und dass dies dann auch ganz praktisch und handfest passiert.

Vergebung zu erfahren – echte Vergebung: Das ist etwas, das sich schwer in Worte fassen lässt.

Weil ich zuerst meine Fehler benennen muss. Und das fällt schwer. Vielleicht ist das ja der Grund, warum in der katholischen Kirche die Beichte – also die Zusage der Versöhnung – so wenig in Anspruch genommen wird. Denn ja, auch das Christentum legt großen Wert auf Vergebung, der Rabbi Jesus legte großen Wert darauf. Wie Vergebung geht, dafür hat er das Gleichnis vom Barmherzigen Vater erzählt. Diese großartige Erzählung von dem Sohn, der das Erbe verprasst, und erst so richtig gegen die Pumpe laufen muss, um zum Vater zu zurückzukehren und sich einzugestehen: „Ich habe mich gegen den Himmel und gegen Dich versündigt. Ich bin es nicht mehr wert, Dein Sohn zu sein“. Und wie der Vater da reagiert: Er schließt ihn in seine Arme. Das ist das Geschenk der Ver-Söhn-ung. Das ist Vergebung.

Und wer immer dieses Geschenk der Vergebung einmal erhalten hat, der sollte es weiterschenken. Geschenkte Vergebung sollte das Herz weiter machen, um anderen zu vergeben. Denn niemand ist perfekt. Jeder braucht Vergebung. Ich auch. Übrigens: wie oft man Vergebung schenken soll? Das fragt der Jude Simon-Petrus den Juden Jesus im Matthäusevangelium. Und seine Antwort ist bemerkenswert: nicht siebenmal, nicht siebzigmal sondern siebzigmal siebenmal – so die Antwort des Rabbis Jesus. Es bleibt also eine ständige Aufgabe.

1700 mal das Fest der Versöhnung. Siebzigmal siebenmal Vergeben. Und noch was: „2021 wird das Jahr des Verzeihens“ – twitterte der Moderator Jan Böhmermann am 2. Januar und blickte damit auch zurück auf das vorangegangene Corona-Jahr. Und mir scheint, da hat er Recht. Durch diese Zeiten kommen wir halbwegs gesund – nicht körperlich, sondern mental und seelisch - wenn wir die Kraft der Vergebung aufbringen.

Heute ist Jom Kippur. Auch wenn Sie kein Jude, keine Jüdin sind: Vielleicht ist der „Tag der Versöhnung“ dafür gut: Heute einer Person Vergebung zu schenken, die das braucht.

In diesem Sinne: „Shalom“ und „Chag sameach“ – also einen guten Feiertag. Das wünscht Klaus Nelißen aus Köln.

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