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Kirche in WDR 5 | 08.10.2021 | 06:55 Uhr

Konfliktlöscher

Guten Morgen.

‚Sie haben keine Konflikte‘ – mit dieser Nachricht überraschte mich eine zeitlang mein Computer. Immer wenn ich in meinen elektronischen Kalender irgendeinen Termin eintragen wollte.

‚Sie haben keine Konflikte‘. Gemeint war, dass im elektronischen Kalender noch kein anderer Termin in dieses Zeitfenster eingetragen war. Manchmal habe ich dann wohl so etwas wie - „Aha, und woher willst du das denn wissen?“ vor mich hingemurmelt. Oder auch: „Na Danke, und ich dachte ich hätte davon jede Menge“.

„Sie haben keine Konflikte“ - als diese Nachricht zum ersten Mal erschien, habe ich die die Hilfe-Seite aufgerufen. Und da stand dann, dass das Programm Konflikte nicht nur erkennen und beheben kann, sondern sie auch noch löschen kann. „Na, das wird ja immer besser“, dachte ich, „und wo muss ich da klicken?“

Weiß Gott, es gibt mehr als genug Gezänk und Gezeter und buchstäblich heillosen Streit im Kleinen wie im Großen. Kaum je zuvor so scheint es, war die Gesellschaft so gespalten, waren Menschen so zerstritten und so unfähig überhaupt miteinander zu reden wie derzeit. Ein Programm, das mir verspricht, mich zuverlässig daran vorbei zu manövrieren und Konflikte zu löschen passt verdächtig gut in die Zeit.

Andererseits: Es könnte ja auch sein, dass gar nicht unbedingt zu viel, sondern zu schlecht gestritten wird, dass es nicht weniger, sondern bessere Konflikte bräuchte.

Sie haben keine Konflikte. Warum sollte das eigentlich ein verlockendes Ideal sein? Na klar, Konflikte sind anstrengend, sie nerven, sie verunsichern, sie zwingen mich Farbe zu bekennen, Grenzen zu ziehen oder Zugeständnisse zu machen. Und damit das gelingt, braucht es mindestens zwei.

„Es müssen ja Spaltungen unter Euch sein, damit die Bewährten … offenbar werden“ –  so schreibt der Apostel Paulus an die Gemeinde in Korinth in einem Brief. (Die Bibel, 1.Korinther 11,18) Paulus hat den Brief auf Griechisch verfasst. „Die Bewährten“ das bedeutet in der altgriechischen Sprache wörtlich so etwas wie ‚geprüft sein‘ und wird auch für die Qualität von Münzen und Edelsteinen verwendet.

Ich verstehe das so: Was gut ist für die Gemeinschaft, was sich bewährt, was vielen gerecht wird und von vielen mitgetragen werden kann, all das zeigt sich erst in den Diskussionen, im fairen Streit und Ringen um Lösungen. Es steht eben nicht immer schon fest, was richtig ist und es ist auch nicht so, dass die Wahrheit einfach in der Mitte liegt. Im Gegenteil: Wo ein Streit gelingt, öffnen sich oft ganz neue Wege, die die Streitenden vorher nicht gesehen haben und auch gar nicht sehen konnten, bevor sie ihn gemeinsam erstritten haben.

Dabei soll und kann jeder und jede mitstreiten, die darauf vertraut, dass Gott auch anderen als mir und meinesgleichen gute Ideen für die Gemeinschaft aller schenken wird.

Das ist doch schon mal ein Anfang.

In dem Computerkalender gibt es übrigens ein Kästchen mit dem Titel ‚Konflikte zulassen‘. Da habe draufgeklickt und ein Häkchen gesetzt.

 

Was wohl passiert, wenn ich das auch sonst öfter mal probiere?

 

Einen streitbaren Tag wünscht Ihnen

Ihr Jan-Dirk Döhling aus Bielefeld.

 

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

 

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