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Kirche in WDR 5 | 10.12.2021 | 06:55 Uhr

Freiheit trotz Regeln

Guten Morgen!

Zwei Jahre ist es jetzt her, dass ich das letzte Mal in Rom war. Ich hatte mich einer Pilgergruppe angeschlossen, um die mir schon vertraute Stadt wieder einmal neu zu erleben. Rom ist für mich immer eine Reise wert. Hier atmet man förmlich Geschichte – und zwar nicht nur die christliche. Den Höhepunkt der Pilgerreise bildete ein Gottesdienst in St. Paul vor den Mauern.

Das ist eine der sieben Hauptkirchen Roms. Sie ist über dem Grab des Apostels Paulus errichtet worden – so sagt die Tradition. Erstaunlich, dass sie erst heute vor genau 167 Jahren geweiht wurde.

Für die ewige Stadt – wie Rom ja auch genannt wird – ist das eine sehr kurze Zeitspanne. Aber St. Paul vor den Mauern war zuvor abgebrannt und mit finanzieller Hilfe aus der ganzen Welt wieder aufgebaut worden. Und heute strahlt St. Paul wieder in neuem Glanz. Immerhin ist Paulus ja auch nicht irgendein Heiliger der Christenheit. Er gilt als der Apostel, der die Botschaft von Jesus zu vielen Völkern gebracht hat und wesentlich an der christlichen Theologie mitgewirkt hat.

Dabei ist Paulus ja ein manchmal etwas sperriger Heiliger – jedenfalls für mich. Seine religiöse Biografie ist voller Gegensätze. Jüdischer Gesetzeslehrer ist er ursprünglich, und alles ist nach seiner Vorstellung gut geregelt: der Glaube, der Alltag, alles, was sein jüdisches Leben zu seiner Zeit ausmacht. Er ist so überzeugt, dass er die junge christliche Bewegung bis aufs Blut verfolgt. Und dann begegnet er Christus, und diese Begegnung stellt alles auf den Kopf. Aus einem Christenverfolger wird ein Christusnachfolger. Das Wort Freiheit wird dabei für ihn zu einer elementaren Haltung. „Zur Freiheit hat uns Christus befreit“, schreibt Paulus einmal (Gal 5,1). – Gibt es einen kraftvolleren Satz für all diejenigen, die unter Regeln, unter Strenge und Enge in ihrem Leben leiden? Die Sehnsucht nach Freiheit ist doch eine der Grundsehnsüchte vieler Menschen und gerade aktuell wieder sehr hoch im Kurs der Gesellschaft.

Aber Paulus wäre missverstanden, wenn er alles zuließe im Namen der Freiheit. Vielmehr führt er weiter aus (Gal 5,13): „Nur nehmt die Freiheit nicht zum Vorwand für das Fleisch, sondern dient einander in Liebe!“ Für mich bedeutet das: Die größte Freiheit gewinnt der, der aus Liebe handelt. Ein großer Theologe, der sich mit Paulus beschäftigt hat, war der heilige Augustinus. Und der hat das Ganze auf eine höchst einfache Formel gebracht: „Liebe – und dann tu was du willst.“[1] Für Augustinus geht es letztlich darum, das Gegenüber bei allem was ich tue, wert zu schätzen und zu achten. Das bedeutet letztlich eine hohe Verantwortung, die ich andern Menschen entgegenbringen muss.

Jetzt zum Beispiel in der Pandemie: AHA-Regeln einhalten, weil ich damit nicht nur mich, sondern auch andere schütze. Das Gleiche gilt fürs Impfen. Ich lasse mich impfen, damit die Pandemie nicht mehr die Menschen beherrscht, sondern bald die Menschen die Pandemie beherrschen.

So gesehen bekäme der „Freedom Day“, der von vielen Menschen ja herbeigesehnt wird als Ende der Pandemie, eine besondere Bedeutung. Freedom Day heißt eben nicht: anything goes; alles ist möglich. Sondern aus Liebe zu den Menschen übernehme ich Verantwortung, damit alle mehr Freiheit gewinnen. Danke für deinen Tipp, Paulus!

Aus Oberhausen grüßt Sie Ingelore Engbrocks.


[1] Augustinus von Hippo, In epistulam Ioannis ad Parthos, tractatus VII, 8.

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