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Das Geistliche Wort | 02.01.2022 | 08:40 Uhr

Aller Anfang ist gut


Da liegt es vor mir, das neue Jahr, wie ein weißes Papier, das nur darauf wartet von mir beschrieben zu werden. Und so starte ich denn voller Tatendrang und guter Vorsätze und entwerfe mit großen Schwüngen und viel Energie mein Jahresprogramm, was ich alles vorhabe und was da alles werden soll.
… Achje, was sollte denn das sein ...

Liebe Hörerinnen und Hörer,

wenn das doch nur so einfach wäre. Mit Blick auf die letzten beiden Jahre bin ich wahrscheinlich nicht der Einzige, der nur darauf hofft, dass dieses Jahr besser wird, als die letzten. Aber im Moment fällt mir noch herzlich wenig dazu ein, was ich dazu tun kann, damit dieses Jahr besser wird. Irgendwoher brauche ich einen Anstoß … bis dahin bleibt das weiße Papier eben – weiß.












„Im Anfang war das Wort“.

So beginnt passend zum Jahresanfang das Johannesevangelium. Alles beginnt mit einem Wort. Doch was ist schon ein Wort, ein einzelnes Wort? Nun …












Und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.“

Klingt ja erst mal seltsam, geradezu widersinnig. Wie kann etwas gleichzeitig bei Gott und Gott selbst sein? Ah, im Christentum geht das natürlich, denn da ist Gott selbst ja schon zu dritt unterwegs. Auch wenn das Johannesevangelium diese Dreifaltigkeit noch gar nicht so ausformuliert hat, so findet sich hier doch schon ein schöner und wahrer Gedanke: Selbst am Anfang gibt es immer schon ein Wort. Und folglich eine Beziehung, in der dadurch ein Gespräch beginnt, das eine Wort dann vielleicht das andere gibt, wo etwas passiert, etwas Neues entsteht.

Schön anschaulich ist das ja in der Schöpfungsgeschichte ganz am Anfang der Bibel beschrieben, wo Gott zu sich selbst sagt: „Es werde Licht!“ und dann heißt es „Es wurde Licht“ und dann teilt sich die Welt in Licht und Finsternis. Und dann gibt ein Wort „Es werde …“ das andere „Es wurde …“ und eine ganze Welt entsteht aus diesem inneren Gespräch Gottes. Eine ganze Welt. Aber: Das kann ich ja auch.

Musik:








„Neujahrslied“ –
























Quadro Nuevo – Weihnacht

„Es werde …“ hat bei mir bisher zwar noch nicht so funktioniert, aber ein „Ja“ oder ein „Gerne“ oder ein „Ich will“ hat es da auch schon getan. Ich habe zum Beispiel „Ja“ zu meiner Frau gesagt, als wir feststellten, dass wir beieinander bleiben wollten – und dieses „Ja“ zu ihr habe ich zwischenzeitlich auch schon ein paar Mal wiederholt. Ich habe auch „Gerne“ gesagt, als es darum ging, ob da auch mal Kinder dazugehören sollten. Und jetzt kann man sich schon vorstellen, dass da auch zumindest eine kleine Welt daraus entstanden ist, eine kleine Welt, die wie unsere große übrigens auch noch nicht am Ende ist, sondern jeden Tag weitergebaut werden muss. Und schon fange ich an, das weiße Papier vor mir zu beschreiben, denn selbstverständlich soll dieses kommende Jahr mit meiner Frau und meinen Töchtern ein großartiges werden. Wir wollen uns viel gegenseitig in den Arm nehmen, zusammen feiern und lecker zusammen essen, uns im Alltag gegenseitig an die Hand nehmen und im Urlaub endlich wieder hoch zum Bauernhof auf den Berg fahren, wo wir alle recht glücklich sind. Ich schreibe noch ein paar mehr Sachen auf und denke dabei schon, dass ich ja nicht nur zu meiner Familie, sondern auch zu meinem Beruf „Ja“ gesagt habe.

Und da ich zum Lehrer-Sein gerne auch „Ja“ gesagt habe, entsteht da für mich auch Tag für Tag eine neue Welt. Jedes Wort, jede Entscheidung verändert die Welt um mich herum – und das ist in allen anderen Berufen, in allen anderen Aufgaben ist das auch so. Das ist dann zwar meist nicht die große Schaltstelle der Macht, an der da entschieden wird, aber jeden Tag werden dadurch nicht nur das eigene Leben und die eigene Welt, sondern auch unzählige andere Welten verändert. Einfach durch ein Wort, eine Zusage.

Musik:








„Maria durch ein Dornwald ging“ –
























Quadro Nuevo – Weihnacht

Und mein Leben, meine Welt hat durch eine Zusage am Anfang meines Lebens noch
einmal einen besonderen Dreh bekommen: das „Wir glauben“ und „Wir wollen“ meiner Eltern zu meiner Taufe. Das hat mein Leben schon sehr früh beeinflusst. Ich bin in einem Umfeld aufgewachsen, in dem die katholische Pfarrgemeinde mit ihren Angeboten und ihren Leuten immer eine wichtige Rolle gespielt hat: Kinderchor, Erstkommunion, Messdiener, Firmung, Jugendgruppenleitung, am Ende sogar Theologiestudium. Das hat mich nicht nur in meiner Persönlichkeit enorm geprägt, sondern auch meinen christlichen Glauben beeinflusst. Auch dieses bewusste „Ja“ zu meinem Glauben hat meine Welt verändert. Über das „Wie?“ könnte ich Vieles sagen, aber auf den Punkt gebracht wäre es der Wunsch, Licht zu sein in dieser Welt. Ich soll Licht sein. Und dieses Licht kommt auch direkt vom Anfang der Welt. Nach dem Wort. Denn der Evangelist Johannes schreibt weiter in seinem berühmten Prolog:

„Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. … Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst.“

Licht und Finsternis, hell und dunkel, schwarz und weiß. Das ist eigentlich zu abstrakt und unkonkret, um damit im eigenen Leben etwas anfangen zu können. Aber die Bibel füllt diesen Gegensatz immer wieder. Und gerade in der Weihnachtsgeschichte gelingt das ja außerordentlich gut. Und konkret. Und liegt in einer Krippe. Das wahre Licht zeigt sich da, indem Gott sich mit seinem guten Willen für die ganze Menschheit an Weihnachten als kleines Kind in der Krippe finden lässt. Denn alles dreht sich doch hier um’s Licht: Angefangen von der Prophezeiung des Jesaja, dass das Volk, das im Dunklen lebt, ein helles Licht sieht. Und dann im Stern von Bethlehem, der gerade jetzt noch millionenfach kopiert unsere Häuser und Städte ziert. Und schließlich eben im neugeborenen Kind, durch das allen der Friede auf Erden versprochen wird.

Musik:









„Ich steh an deiner Krippe hier“ –
























Nils Landgren – Christmas With My Friends III

Weihnachten ist das Fest des Friedens und des Lichts. Und beide haben auch etwas gemeinsam. Sie bleiben in unserer Welt doch ständig in Gefahr. Der Frieden sowieso. Und Licht brennt auch nicht einfach so.

Im Gegenteil. Vom Höhlenfeuer bis zum Blackout unserer Tage: Licht ist immer in der Gefahr auszugehen. Und das hat auch Jesus gesehen. „Ihr seid das Licht der Welt“, sagt er zu seinen Leuten, eigentlich zu allen Menschen. Und er wirbt dafür, das eigene Licht eben nicht unter ein Scheffel, also unter eine Schüssel zu stellen. Und hier redet er nicht mehr über eine Kerze, sondern darüber, wie Menschen in seinem Sinn handeln können. Wie sie Licht sein sollen.

Das christliche Licht, das in die Welt kommt – früher habe ich dabei immer gedacht an Gutes tun, teilen, Menschen helfen, Menschen zusammenbringen Klassische Nächstenliebe halt. Das ist auch immer noch richtig, finde ich. Aber als mindestens genauso wichtig sehe ich in unserer Zeit das christliche Licht als das wahre und echte Wort an. Klassisch kirchlich nennt sich das „Zeugnis ablegen“. Einfach gesagt: „die Wahrheit sprechen“. Das ist eine große Aufgabe in einer Gesellschaft, in der Fake News eine unglaubliche Verbreitung erfahren, weil Menschen Recht behalten oder ihre Macht erhalten wollen. Oft genug wider besseres Wissen. Die Wahrheit zu sprechen wäre ebenfalls eine Befreiung für eine katholische Kirche, in der Vertuschung und Verdunklung oft genug an der Tagesordnung war und ist, um selbst scheinbar ohne Schuld dazustehen. Und ebenfalls bleibt es in meinem Alltag eine Aufgabe, mich nicht rauszureden, wenn ich Schuld auf mich geladen habe oder mal etwas schief geht. Die Wahrheit bleibt eine Aufgabe. Auch das bedeutet, das Licht auf einen Leuchter und nicht unter einen Scheffel zu stellen.

Überhaupt sollte ich doch das leuchten lassen, was sich Evangelium – Frohe Botschaft – nennt.

Musik:








Schtschedryk: Carol of the Bells –

Quadro Nuevo - Bethlehem

Völlig einleuchtend: Das Evangelium zu lesen reicht nicht aus. Das Wort ist auch hier erst der Anfang von allem. Das Wort Gottes will nicht bloß gelesen werden, sondern es soll von mir durchdacht werden, sich in mir bewegen und in meine Entscheidungen und Handlungen eingehen. Das Evangelium zu bezeugen, heißt nicht nur davon zu sprechen, sondern es auch zu leben. Und das heißt unter anderem, Licht dorthin zu bringen, wo Dunkelheit ist. Heute besonders dahin, wo verdunkelt, vertuscht, gelogen wird, um selbst davon einen Vorteil zu haben, andere aber mit der Unwahrheit im Regen stehen zu lassen.

Ich bin fest davon überzeugt, dass die Frohe Botschaft, die christliche Wahrheit eigentlich sogar das Unglaubliche, das Unerhörte, das absolut Befreiende ist.

Frieden auf Erden für alle. Auferstehung von den Toten. Radikale Nächstenliebe. Ein gütiger Gott. Das sind absolute Unglaublichkeiten und doch sind es die Wahrheiten, die das Christentum leuchten lassen will. Diese Wahrheiten sind besonders: Es gibt sie nur, indem sie bezeugt werden, indem sie von Menschen in die Wirklichkeit umgesetzt werden. Nur dann werden sie wahr. Frieden auf Erden und Nächstenliebe – klar, die gibt es nicht ohne mich, der liebt und Frieden schafft. Oder es zumindest versucht. Aber auch eine Hoffnung auf Leben nach dem Tod und einen gütigen Gott gibt es nur, wenn ich dieses Licht in die Welt trage und dadurch für viele Menschen diese Wahrheiten sichtbar oder zumindest glaubbar mache. Frohe Botschaft, Licht im Dunkeln entsteht nur da, wo ich daran glaube und dies auch in meinem Leben zeigen will. Und das gilt auch für jede und jeden anderen. Eben für alle Menschen guten Willens, wie es die Engel im Weihnachtsevangelium so schön gesungen haben.

Am Anfang dieses Jahres liegt also kein weißes Papier vor mir. Am Anfang steht immer schon das Wort. „Es werde!“ Dieses Wort, Gottes Wort, mit dem alles ins Leben kam, wird mich und uns alle in diesem Jahr wieder ganz schön fordern. Kein Frage. Denn alles wird werden. Und ich will mein Bestes dazu tun, dass es gut wird.

Aller Anfang ist gut.

Musik: „Have Yourself a Merry Little Christmas“ – Till Brönner – Christmas –

Darin: Dass Sie am Anfang dieses Jahres, und darüber hinaus, wohl behütet und ja – gesegnet sind, das wünscht Ihnen Christoph Buysch aus Krefeld.

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