Aktuelles

Beiträge auf: wdr5 

katholisch

Kirche in WDR 5 | 21.01.2022 | 06:55 Uhr

Und führe uns nicht in Versuchung

Guten Morgen!

Keine Ahnung wie oft ich schon gebetet habe: „Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme…“. Unzählige Male, in allen möglichen Lebenssituationen habe ich diese Worte schon gesprochen. Immerhin führt die christliche Tradition das Gebet ja auf Jesus selbst zurück. Genau so sollt ihr beten, soll er gesagt haben – das steht auf jeden Fall in der Bibel. Ich tue es aber einfach auch gerne. Denn da ist von großen Visionen eines ewigen Friedens und echter Gerechtigkeit genauso die Rede wie vom täglichen Brot und ständiger Vergebungsbereitschaft.

Aber an einer Stelle hakt es bei mir immer wieder: „Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns vor dem Bösen.“ Als kleiner Junge kam mir das schon reichlich merkwürdig vor. Gott soll mich in Versuchung führen? Warum macht er das bitte? So ne richtig schlüssige Erklärung hatten die Erwachsenen damals nicht. Auch heute denke ich mir beim Beten manchmal: Meine Güte, mein Leben hat doch wohl schon genug Herausforderungen. Da kann ich einen Weltenlenker, der sich permanent irgendwelche Versuchungs-Stories ausdenkt nun wirklich nicht auch noch gebrauchen!

Regelrecht wohltuend war es da, dass es nicht nur mir so geht. Selbst Papst Franziskus hat vor ein paar Jahren in expliziter Anspielung auf die deutsche Übersetzung gesagt: Das passt so nicht! Die Vorstellung, Gott führe uns in Versuchung ist nicht hinnehmbar. Er legt uns doch keine Fallen! Daher sollte es besser heißen „Und lass uns nicht in Versuchung geraten.“

Inzwischen hat sich einiges getan: Erst haben die Franzosen ihre Übersetzung geändert, vor zwei Jahren zogen die Italiener nach. Und in Deutschland? Bleibt alles beim Alten! Die deutschen Bischöfe stellten klar: Sie möchten die Einheitlichkeit des Textes im deutschen Sprachraum nicht zerstören. Ok, das ist ein Argument! Trotzdem finde ich das sehr schade! Denn ich vermute mal, dass ich nicht der einzige bin, der immer mal wieder über diese Worte stolpert.

Da sage ich also etwas, aber gemeint ist etwas ganz Anderes, also im Grunde so ziemlich genau das Gegenteil, nämlich: Gott stärke mich in der Versuchung! Häh? Entschuldigung, aber das verstehe ich nicht.

Bleibt noch ein wichtiger Einwand: Aber wenn Jesus das doch so wollte, wird er sich etwas dabei gedacht haben! Nun gut, aber er selbst hat aramäisch gesprochen. Das aramäische Original ist jedoch wohl leider für immer verloren. Unsere Übersetzung ist also genau genommen eine Übersetzung einer Übersetzung: also vom Aramäischen über das Griechische ins Deutsche. Das ist ein ziemlich langer und auch noch komplizierter Weg. Von daher meine ich: Wenn sich doch alle theologisch einig sind, dass Gott nicht der Versucher sein kann, sollte man es doch auch genauso sagen!

Trotz meines Grummelns werde ich das Vater Unser heute wieder gerne beten. Vielleicht tun Sie es ja auch und stolpern genauso wie ich über die Formulierung „Und führe uns nicht in Versuchung!“

Ihr Pastor Simon Schwamborn aus Lippstadt

katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen