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Kirche in WDR 5 | 27.01.2022 | 06:55 Uhr

Dreh dich um, Kitty!

Autorin: Guten Morgen!

 

O-Ton: Großstadtsound / Verkehr (Eigenproduktion)

 

Autorin: Ist sie das? Wenn die Sonne sich doch nicht so krass in diesem Schaufenster spiegeln würde; eben gehe ich an einem Afro-Friseurgeschäft vorbei und gerade war mir so als…könnte sie es sein. Der Figur nach, der Größe nach, ich sehe sie aber nur von hinten:

„Dreh dich um Kitty!“, liegt mir auf der Zunge, aber da bin ich schon wieder im Strom der Passanten weitergegangen und stehe schon an der nächsten Kreuzung. Und während ich an der Ampel warte, kommt die Erinnerung zurück:

Das erste Mal hab` ich Kitty geseh`n, als sie schräg gegenüber auf dem Kirchplatz in sicherer Entfernung zu uns herübersah. In ihrem Rücken das Frauenhaus, in dem sie wohl gewohnt hat und wir – hier auf der anderen Seite der Straße - die kleine Kirchengemeinde, die sich nach dem Gottesdienst zu einem Kaffee auf dem Vorplatz versammelt hat. Jemand winkt ihr zu.

 

Zögerlich kommt sie näher. Scheu, sehr scheu, sich verlegen auf die Unterlippe beißend. Wir haben uns vorgestellt – merkwürdigerweise gleich mit Vornamen - und eine Tasse Kaffee getrunken.

Am nächsten Sonntag kommt sie dann von selber in den Gottesdienst und mit jedem weiteren Sonntag hat sie mehr von sich erzählt.

Geboren und aufgewachsen an der Elfenbeinküste, irgendwann in Deutschland angekommen, schlimme obdachlose Jahre und jetzt mit ein bisschen Hoffnung auf Zukunft.

Denn jetzt hat Kitty eine Sozialarbeiterin an ihrer Seite. „Die ist sehr gut“, sagt sie.

 

„Was ist dein Traum“, frage ich sie und bereue es im gleichen Moment. Weil es ihr vielleicht zu persönlich sein könnte oder weil es um Träume schon lange nicht mehr geht, wenn man ein so hartes Leben hat. „Eine gute Arbeit“, sagt sie.

Und dann: „Wenn es wirklich ein richtiger Traum sein soll, dann würde ich am liebsten in einem Afro- Friseurgeschäft arbeiten. Denn das habe ich in meiner Heimat gelernt - Friseurin. Das ist mein Traum.“

Später haben wir dann noch über andere Dinge geredet. Sie fragt mich, warum wir im Ostergottesdienst eigentlich so selten Taufen hätten. An der Elfenbeinküste, wo sie herkommt, werden gerade im Ostergottesdienst Kinder getauft. Kitty meint: „Dann sind es doch erst richtige Osterkinder! Ostern, das ist doch ein ganz besonderer Tag und das passt doch auch so gut zur Taufe.“

Ich bin beschämt – „Ja, Kitty, Du hast wirklich recht.“

Irgendwann ist sie verschwunden. Ich suche nach ihr und selbst im Frauenhaus bekomme ich keine Antwort. Oft habe ich mich gefragt, was aus ihr geworden ist.

Die Ampel springt um auf Grün. Ob ich noch mal zurückgehen soll und mich vergewissern, ob sie das vielleicht wirklich gewesen ist?

 

Ich gehe weiter. Vielleicht ist es besser, den Traum zu behalten, dass sie es tatsächlich geschafft hat. Ich wünsche mir einfach, dass ich in ein glückliches Gesicht gesehen hätte und sie wäre es wirklich gewesen: Kitty, das Osterkind!

 

Ich wünsche Ihnen noch einen guten Morgen, Ihre Pfarrerin Nicola Thomas-Landgrebe aus -Frechen.

 

  

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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