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Kirche in WDR 5 | 02.04.2022 | 06:55 Uhr

Die Pieta

Die Mutter mit ihrem erwachsenen, toten Sohn auf dem Schoß. Ein erschütterndes Bild. Die Darstellungsweise stammt aus dem Mittelalter und findet sich in vielen Kirchen als Andachtsbild. Man konnte sich einfach nicht vorstellen, dass Maria als Augenzeugin der Kreuzigung ihres Sohnes Jesus danach einfach nach Hause ging. So „erfand“ man eine Bildtradition: Maria sitzend - und voller Trauer trägt sie den Körper ihres ermordeten Sohnes auf dem Schoß. Die Pietà. Kann die verhärmte Frau den Körper ihres erwachsenen, toten Sohnes überhaupt halten? Kann sie das Leid überhaupt ertragen? Die Frage bleibt unbeantwortet, der Sohn liegt auf ihrem Schoß. Ein Bild der herzzerreißenden Trauer, Hilflosigkeit, der Sprachlosigkeit, der Liebe. Generationen von Menschen haben sich in ihrem Leid darin wiedergefunden. Auch heute kann man in vielen Kirchen Kerzen vor diesem Bild anzünden.

In diesen Tagen treten Christen
in die Passionszeit ein. So werden in der christlichen Tradition die letzten Wochen der Fastenzeit genannt. Der Blick richtet sich auf Leiden und Sterben Jesu Christi, aber eben auch auf alle, die seine Leidensgeschichte miterleben, auf alle, die von Kreuz und Leid getroffen sind.

Die trauernde Mutter. Der tote Sohn. Was für ein Jesusbild! Jesus ist stark und machtvoll. So stellen wir Christen ihn uns sonst meist vor: wortgewaltig, souverän, wunderwirkend in der Welt der Evangelien. Doch an den entscheidenden Stellen seines Lebens ist er kraftlos und machtlos, und er wird getragen: Am Anfang – und am Ende. Machtvoll ist Jesus in der Mitte seines Lebens. Da hat er Kraft und Stärke. Da sammelt er Menschen um sich, da verändert er die Welt durch seine Worte, durch seine Taten. Aber am Anfang seines Lebens: Da ist er ein kleines Kind. In der Schwangerschaft trägt die Mutter das Kind in ihrem Leib. Und das Kind weiß es nicht und macht alle Wege der Mutter mit. Es lässt sich vertrauensvoll herumtragen – und auch nach der Geburt. Wie im Judentum üblich, wird er als Erstgeborener von seinen Eltern in den Tempel zu Jerusalem getragen. Dort erkennen Simeon und Hanna in dem hilflosen Kind die ganze Rettungshoffnung für Israel und für alle Völker.

Dann wächst das Kind auf, es fängt an, auf eigenen Füßen zu stehen. Irgendwann beginnt Jesus seine öffentliche Tätigkeit, er redet vom Reich Gottes und heilt die Menschen. Am Ende des Lebens muss er sein Kreuz tragen. Und als er ausgelitten hat, wird sein Körper zu Grabe getragen.

Jesus wird in die Welt hineingetragen und hinausgetragen. Der christliche Glaube bekennt ihn als Erlöser. Mir scheint, nicht nur die machtvollen Taten, auch das Nichtstun können, das von anderen Getragen werden, gehört zum Geheimnis der Erlösung dazu; das Tun, aber eben auch das Erleiden, die Hilflosigkeit.

Dass der Mensch irgendwann gar nichts mehr tun kann, das gilt es zu anzunehmen, und das tut auch Jesus in seinem Leben.

Wo eine Mutter um ihr totes Kind trauern muss, da ist die Welt nicht in Ordnung. Da geschieht etwas, das nicht sein soll. Jesus wird Teil unserer ungerechten Welt.

Auferstehung, Ostern, das ist etwas, das ganz von außen kommt, nicht von innen. Die einzige Hoffnung ist, dass Gott da eingreift, wo menschliches Tun an sein absolutes Ende gekommen ist. Ostern wird das Leid nicht ungeschehen und nicht vergessen machen, auch daran erinnert uns das Bild der Maria mit ihrem Sohn. Doch Ostern wird dem Tod das letzte Wort nehmen.

Ich weiß eine Kirche, wo ein solches Marienbild steht. Ich werde heute hingehen und eine Kerze anzünden: wenn Sie erlauben, für Sie und für mich und vor allem für die vielen Frauen und Männer, die Leid tragen.

Ein gutes Zugehen auf Ostern wünscht Egbert Ballhorn, Bibelwissenschaftler aus Dortmund.

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