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Kirche in WDR 5 | 24.03.2022 | 06:55 Uhr

Zwei Welten

Guten Morgen,

Ich stehe mit dem Rad an der Ampel, als neben mir ein großer Lastwagen anhält. Es nieselt, und der Fahrer schaut aus seiner klimatisierten Kabine etwas mitleidig zu mir herunter. In diesem Moment leben wir in unterschiedlichen Welten.

Genauso wie der Eigentümer eines Hauses mit Garten in einem Vorort-Viertel in einer anderen Welt lebt, als der Bewohner im 14. Stockwerk eines Hochhauses, insbesondere im Lockdown. Und die Mitarbeiterin eines florierenden Startups lebt in einer anderen Welt als die Mitarbeiterin in einem Call-Center. Oft nehmen wir es gar nicht wahr, wie sehr wir in verschiedenen Welten leben. Manchmal reicht es auch schon, unterschiedliche Ansichten zu haben, dass man das Gefühl hat, in einer anderen Welt zu leben. Selbst ein harmloses Geplauder über das Wetter kann unvermittelt kippen, ganz zu schweigen von einem Gespräch über Corona. Plötzlich stehen Menschen sich völlig verständnislos gegenüber, in dem tiefen Gefühl unverstanden zu sein. So bleibt man am liebsten in der „Blase“ seiner eigenen Welt.

Die Themenfelder mögen neu sein, das Thema selber ist es nicht. Für die antike Kultur der Griechen waren alle anderen nur Barbaren, wild und ungebildet. Und die ganz Frommen distanzierten sich immer schon von den weniger Frommen, und umgekehrt. Es ist halt bequem, dass jeder in seiner eigenen Welt lebt.

Nur, dass es in Wirklichkeit nur eine Welt gibt, die wir uns alle miteinander teilen. All die Unterschiede hinsichtlich Herkunft, Sprache, Status oder wer weiß was noch…, sind nicht gottgegeben, sondern menschengemacht. Und sie sind erst recht nicht gottgewollt.

Jesus hält sich jedenfalls nicht an allzu enge Denkmuster. Er macht sich keine Gedanken, ob ein Mensch seiner Hilfe würdig ist. Er fragt auch nicht zuerst nach Anstand und nach Moral. Wen sollte er da auch fragen? Diese Welt ist seine Welt, und es ist nur eine Welt.

Die ersten christlichen Gemeinden sind erstaunlich divers. Denn dort, und nur dort, kommen damals freie Bürger und einfache Sklaven zusammen. Reiche römische Bürger feiern das Abendmahl mit armen Fischern. Angesehene Persönlichkeiten diskutieren mit moralisch Angeschlagenen. Ich weiß nicht, ob wir uns heute noch vorstellen können, welche integrative Kraft die ersten christlichen Gemeinden hatten.

Der Apostel Paulus beschreibt das so:


Sprecherin / Sprecher: Es gibt keinen Unterschied mehr zwischen Juden und Griechen, zwischen Sklaven und freien Menschen, zwischen Mann und Frau. Denn durch eure Verbindung mit Jesus Christus seid ihr alle zusammen ein neuer Mensch geworden.“ (Galater 3,28)


Ich hoffe, dass Gemeinden heute auch noch diese integrative Kraft ausstrahlen.

Es ist eine Frage an jeden, ob wir den, der anders tickt und die, die anders denkt, nicht als Un-Mensch verunglimpfen, sondern als Mit-Menschen annehmen. Es gibt immer mehr, was mich mit dem anderen verbindet, als das, was mich von ihm trennt.

Entdecken wir es!


Ihr Heinz-Bernd Meurer aus Velbert.



Quellen: Neues Testament, Neue Genfer Übersetzung, Hrsg. Genfer Bibelgesellschaft, CH Romanel-sur-Lausanne, 3. Aufl 2010.



Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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