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Kirche in WDR 5 | 06.04.2022 | 06:55 Uhr

Was bleibt

Guten Morgen!

Ich stecke grade mitten im Umzug. In meinem Leben bin ich schon einige Male umgezogen. Eigentlich mag ich das ganz gerne. Ich kann ausmisten, Dinge neu sortieren und ordnen. Ich weiß, manche stresst der Gedanke, noch bevor die erste Umzugskiste aufgebaut ist.


Besonders belastend ist es aber, wenn man ausmisten muss, weil ein Mensch gestorben ist.


Bei einer Familie aus unserer Gemeinde war das auch der Fall, als die Oma vor einiger Zeit gestorben ist.


Das, was wirklich schwer für sie war, war das Wegwerfen, haben sie erzählt.


Immer wieder haben sie gemeinsam beraten. Soll die Kaffeetasse weg? Immerhin hat sie da jeden Morgen draus getrunken. Ihre Lieblingstasse – mit ein paar Macken. Noch aus dem Krieg gerettet.
Oder die goldene Armbanduhr. Die hat sie doch von Opa zur goldenen Hochzeit bekommen und immer an Festtagen getragen. Es ist gar nicht so einfach, sich von manchen Dingen zu trennen, es ist schwer, loszulassen. Ein ganzes Leben liegt da vor einem.


Irgendwann, als die Laune so richtig im Keller ist und die Familie gerademal das Wohnzimmer fertig hat, setzen sie sich gemeinsam hin und machen Pause.


Kochen Kaffee und essen Brötchen. Und erinnern sich an die Zeiten, wo sie bei Oma am Kaffeetisch gesessen haben und verwöhnt wurden.

Oma war der Mittelpunkt ihrer Familie. Wegen ihr haben sie sich alle hier regelmäßig getroffen.

Wie voll war es, wenn alle an Weihnachten samt Geschenken und Festtagsessen in diesem Raum zusammen waren - und wie gemütlich.


Das wird fehlen. Dass das nicht mehr sein soll, können sie sich nicht vorstellen.

Und doch, sie werden von dem Gedanken Abschied nehmen müssen an Geburtstagen oder an Weihnachten hier zu sein.

Das Haus ist längst verkauft.


Und wie sie da so sitzen und ihre Brötchen essen, sind alle auf einmal ziemlich still geworden.


Vielleicht denken sie an die gemeinsamen Feste hier


Oder daran, wie sie als Kinder hier durchgewuselt sind.

Als Oma noch mit Opa hier lebte, und die beiden alles mit ihren eigenen Händen aufgebaut haben.


Und während sie da so sitzen und schweigen und sich an Oma erinnern, stellen sie fest, dass das ja alles bleiben wird.

Sie essen an diesem Tag noch ein paar Brötchen zusammen und es wird wieder gemütlich am Tisch in Omas Wohnzimmer.


Sie nehmen sich Zeit - zum Erinnern.


Und mit jeder Geschichte, die sie sich von früher erzählen, wird es ihnen etwas leichter ums Herz.


Weil sie in ihrem Abschied spüren: Wir müssen nicht alles loslassen.


Für die Erinnerungen gibt es einen großen Vorratsraum. Da passt ne Menge rein.


Und von den schönen Erinnerungen kann man eigentlich nie genug aufheben.


Am besten geht das, wenn man sie miteinander teilt. Die schönen und die schweren.


Für die Traueranzeige von Oma haben sie sich einen Spruch aus der Bibel ausgesucht.


„Ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.“


Der Spruch liegt bei den Unterlagen, die Oma für ihre Beerdigung zusammengestellt hat, in dem Ordner, wo auch alle Papiere vom Haus zu finden waren.


„Sie bleibt“, sagt einer.


„Nicht in diesem Haus, aber sie bleibt.“


Ich wünsche Ihnen, dass Sie in Ihren Abschieden auch wissen, was bleibt.

Ihre Pfarrerin Anne Wellmann aus Tönisvorst.



Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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