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Kirche in WDR 5 | 22.04.2022 | 08:55 Uhr

Von störenden und heilsamen Unterbrechungen

Guten Morgen.

Kennen Sie das? Ich versuche in Ruhe zu arbeiten und dann werde ich unterbrochen.

Mein Handy klingelt, der Paketbote läutet, nebenan bohrt jemand ein Loch in die Wand. Irgendwas ist immer.

 

Neben diesen nervigen Störungen gibt es aber auch andere Unterbrechungen: schöne, heilsame.

Etwa, wenn mich ein lieber Mensch besucht.

Natürlich unterbricht er mich auch. Aber eben auf andere Weise.

Er holt mich raus aus meinem Hamsterrad.

Und ich nehme mir Zeit: hier und jetzt diesem Menschen zu begegnen.

 

Heilsame Unterbrechung. Genau darum geht es auch im Glauben.

Ich lasse mich von Gott unterbrechen. Trete raus aus dem Alltagstrott.

Und nehme mir Zeit für das Wesentliche. Eine Zeit der Stille und Einkehr.

Meine Frau erzählt dazu gerne die Geschichte ihrer frommen Oma:
Wenn sie mittags die Kirchenglocken hörte, unterbrach sie ihre Arbeit.

Die Kartoffeln blieben für eine Minute ungeschält liegen, sie faltete die Hände.

Und sie sprach still für sich ein Gebet:
„Danke für das, was mir geschenkt ist. Hilf denen, die Deine Hilfe brauchen.

Vergib, wo wir einander verletzt haben. Und lass mich ein Segen für andere sein. Amen.“

Danach ging es mit dem Kartoffelschälen weiter.

 

Als ich Pfarrer wurde, gab mir ein älterer Kollege das als Ratschlag mit auf den Weg:

„Es ist gut, wenn Du jeden Tag eine halbe Stunde vor Gott darüber nachdenkst, was Du eigentlich tust. Sonst erhöhst Du nur geschäftig das Tempo, ohne zu wissen, wohin.“

 

Heilsame Unterbrechung. Das beschreibt eine Haltung, die wir meines Erachtens auch politisch dringend brauchen. Innehalten, die Waffen schweigen lassen. Vor Gott darüber nachdenken, was wir eigentlich tun.

Und dem anderen dann als Mitmenschen begegnen. Nicht als Feind oder Konkurrent.

Die Friedensgebete und Friedensdemonstrationen während des Ukraine-Krieges sind für mich Momente solch einer heilsamen Unterbrechung.

Auch wenn sie die Gewalt nicht stoppen. Sie helfen, Feinddenken zu überwinden.


Solch eine Haltung heilsamer Unterbrechung will geübt sein.

Hier ein paar Dinge, die mir im Alltag dabei helfen.

- Ich geh in mein Zimmer, schließe die Tür, schalte das Handy aus.

- Ich setze mich hin, werde still.

Was bewegt mich im Blick auf das Leiden anderer oder auch auf eigene Sorgen?

- Manchmal lese ich einen Text aus der Bibel oder singe für mich ein Lied.

Hört ja keiner außer Gott und mir.

- Oft schaue ich auch nur aus dem Fenster.

Was würde Gott mir raten? Und was sollte ich vor Gottes Angesicht tun?

- Am Ende bete ich das Vaterunser.

Und bei allem, was ich nicht begreife, vertraue ich darauf: Wir sind und bleiben in Gottes Hand.

Gott wird es am Ende einmal richten. Wie auch immer.

Heilsame Unterbrechungen. Sie können mir helfen, anders zu leben.

 

Ihnen einen gesegneten Tag mit wenigen störenden und vielen heilsamen Unterbrechungen.

 

Ihr Thorsten Latzel, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland.

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze 

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