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Kirche in WDR 5 | 12.08.2022 | 06:55 Uhr

Um Mut zum Frieden beten

Sollte denn alles falsch gewesen sein? Haben sie wirklich alle auf das falsche Pferd gesetzt?
Die, die damals in den Siebzigern und Achtzigern des letzten Jahrhunderts auf eine Politik der Verständigung und der Entspannung mit der Sowjetunion gesetzt haben? Sie haben es gewagt, die Politik neu auszurichten. War das naiv? Die dafür verantwortlichen Politiker und Politikerinnen wollten auch in Vorleistungen gehen, z.B. Gewaltverzicht und wirtschaftliche Vorleistungen im beiderseitigen Interesse, sie wollten Vertrauen aufbauen und strebten eine Versöhnung für eine friedlichere Welt an.


Ich war davon sehr angetan. Das passte zu meinen Vorstellungen von verantwortlicher Politik, für die ich als junger Christ in der Bibel überzeugende Gründe fand. Für mich waren der christliche Glaube und das politische Handeln, das von Vernunft geleitet wurde, zwei Seiten derselben Münze. Der damalige Bundeskanzler Willy Brandt sagte 1971 in seiner Rede zur Verleihung des Friedensnobelpreises: „Auch ich versuche, mit den Mitteln, die mir zu Gebote stehen, der Vernunft in meinem Lande und in der Welt voranzuhelfen: Jener Vernunft, die uns den Frieden befiehlt, weil der Unfriede ein anderes Wort für die extreme Unvernunft geworden ist. Krieg ist nicht mehr die ultima ratio, sondern die ultima irratio.“ (1)


Diese Einsicht hat sich nicht überall durchgesetzt: In Ost und West galt das Dogma der Abschreckung. Das Wettrüsten der Nato und des Warschauer Paktes führte der Welt die schlimmsten Möglichkeiten eines Atomkrieges deutlich vor Augen. „Der Frieden muss bewaffnet sein!“ sagten die einen, die anderen dagegen: „Frieden schaffen ohne Waffen!“
Bis heute ist mir das zweite lieber.


Aber ich nehme mit Bestürzung wahr, wie jetzt fast alles im Angesicht des Krieges in der Ukraine schlechtgeredet wird. Sicher sind manche Entwicklungen in den letzten Jahren nicht richtig bewertet worden. Gewiss hat man sich Illusionen hingegeben, die sich als verhängnisvoll herausgestellt haben. Es sind wohl manche Warnungen vor Putins Machtpolitik überhört worden. Ist aber wirklich alles falsch gewesen, so dass niemand im Augenblick ernsthaft einer Entspannung, einer Verständigung und schließlich einer Versöhnung das Wort reden will? Wer hat noch den Mut von Vorleistungen zu sprechen? Sind denn Waffen statt diplomatischer Verhandlungen der Weisheit letzter Schluss? Meine Hoffnung ist, dass die Gegner sich doch noch zu ernsthaften Friedensgesprächen bereitfinden.


Es kann nicht alles falsch gewesen sein, was vor vierzig, fünfzig Jahren große Hoffnungen auf eine friedlichere Welt geweckt hat. Viele Christinnen und Christen haben sich auf vielfältige Weise für Entspannung und Versöhnung eingesetzt. Vor allem mit ihren Gebeten. Der Menschheit drohte wirklich ein nuklearer Krieg. Gott will Frieden, nicht nur den in der Seele, auch den zwischen den Völkern in der Welt. Gott lädt zum gemeinsamen Gebet der Menschen ein: „Mein Haus wird ein Bethaus heißen für alle Völker.“ (Jesaja 56,7, Die Bibel, Luther 2017) Und wenig später lässt er durch den Propheten Jesaja ausrufen: „Friede, Friede denen in der Ferne und denen in der Nähe, spricht der HERR; ich will sie heilen.“ (Jesaja 57,19, Die Bibel, Luther 2017) Wer betet, vertraut auf Gottes Willen. Liebe Hörerin, lieber Hörer: Beten Sie mit.



(Ende WDR 4, Verabschiedung für WDR 3 und WDR 5: )

Das ist meine Bitte an Sie. Ihr Rüdiger Schnurr aus Siegen.




(1) Vortrag des Bundeskanzlers Willy Brandt zum Thema „Friedenspolitik in unserer Zeit“ in der Universität Oslo am 11. Dezember 1971 anlässlich der Verleihung des Friedensnobelpreises.




Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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