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Kirche in WDR 5 | 02.09.2022 | 06:55 Uhr

Sie wissen nicht, was sie beten sollen

Beten ist etwas Privates und Intimes – so privat und intim, dass ich selbst als Priester nicht oft mit Menschen übers Beten spreche. Manchmal aber passiert es doch, dass ich mit jemandem über sein Gebetsleben ins Gespräch komme. Da sind zum Beispiel zwei Frauen in meiner Gemeinde, die mir zugesichert haben, jeden Tag für mich zu beten. Das tut gut, finde ich! Sie bitten Gott jeden Tag, dass ich meinen Dienst als Seelsorger auch in Zukunft tun kann. Ich fühle mich dadurch bestärkt und weiß mich mit diesen beiden Frauen aus meiner Gemeinde verbunden. Denn auch meine Aufgabe als Priester ist es, jeden Tag nicht nur für die beiden, sondern für alle Menschen meiner Gemeinde zu beten. So bildet das Gebet eine unsichtbare Verbindung untereinander – und natürlich mit Gott.

Dass das mit dem Beten nicht immer so einfach ist, hat mir vor Kurzem auch eine Frau mit fast 90 Jahren verraten. Sie hätte sich früher oft gefragt, für was sie eigentlich beten solle. Irgendwann, so erzählte sie mir, habe sie verstanden, dass es eigentlich nur um eine Bitte geht, nämlich: „Dein Wille geschehe.“ „Dein Wille geschehe“ ist eine Bitte des Vater-Unsers, des wohl bekanntesten christlichen Gebets überhaupt.

Interessant an dem Vater-Unser ist die Tatsache, wie es zu diesem Gebet gekommen ist. Es entstand aus einer Verlegenheit. Im Lukasevangelium wird überliefert, dass einer der Jünger Jesu fragt: „Herr, lehre uns beten!“ Offenbar wusste dieser Jünger nicht, wie er beten soll. Und dann bringt Jesus ihm und den anderen Jüngern das Vater-Unser bei.

Mir zeigt das vor allem eines: Beten ist nichts, was einfach von selbst funktioniert und was ich automatisch können muss. Beten kann man lernen. Und andere Menschen können dabei helfen, Beten zu entdecken und zu lernen. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich das Beten vor vielen Jahren von meinen Großeltern gelernt habe. Wir haben das Kreuzzeichen und das Händefalten geübt und gemeinsam überlegt, was ich Gott im Gebet sagen möchte. So eine Art kleine Gebetsschule also. Und dazu gehörte dann auch irgendwann, dass ich lernte zu beten: „Vater unser im Himmel …“

Auch heute mache ich das noch so, dass ich mich vor dem Gebet einen Moment konzentriere und die Gedanken sammle, damit ich weiß, was in mein Gebet gehört. Dank für eine schöne Begebenheit. Eine Bitte, dass dieses oder jenes geschehen soll. Die Sorge um einen Menschen, der mir heute begegnet ist.

Beim Beten darf ich alles vor Gott tragen. Alles, was mein Leben ausmacht. Daher kann ich beim Beten auch nichts falsch machen. Es braucht nur die innere Aufrichtigkeit, dass ich ernst meine, was ich sage und denke und dass ich Gott ernst nehme, an den ich mich wende.

Natürlich: Eine Erhörungsgarantie für mein Gebet gibt es nicht; denn im Letzten gilt das, was das Vater-Unser ja schon betont: „Dein Wille geschehe!“ Die fast 90-jährige Frau, die mir davon erzählt hat, beeindruckt mich bis heute, weil ich ihr angemerkt habe, wie sehr sie dieser Gedanke durchs Leben getragen hat und trägt.

Egal ob Sie beten oder nicht. Ich wünsche Ihnen positive Gedanken, die Sie durch diesen Tag tragen.

Ihr Philipp Schmitz aus Erkelenz

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