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Kirche in WDR 5 | 21.10.2022 | 06:55 Uhr

Das erste Gebot

Guten Morgen!

Manche können es auswendig - das erste der Zehn Gebote: „Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland aus der Knechtschaft geführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.“ So hat Martin Luther es übersetzt. Was man auswendig kennt, sagt man bisweilen leichtfertig und ist leicht fertig damit. Darum zur Abwechslung eine andere Übersetzung: „Ich – mein Name ist `Ich bin da` – bin dein Gott, der dich aus Ägypten aus der Versklavung befreit hat. Neben mir soll es für dich keine anderen Götter geben.“


Selbst als Atheistin oder Atheist habe ich einen Gott. Da ist immer etwas, das für mich das Höchste und Größte ist, woran ich mein Herz hänge, wofür ich kämpfe, worum ich weine, wonach ich mich sehne. Das ist mein Gott. In der Bibel wird erzählt, wie das Volk Gottes auf der Flucht aus Ägypten unbedingt einen Gott haben will, den man sieht. Einen glänzenden Gott, den man bewundern und anfassen und vor sich hertragen kann. (1) Da gießen sie einen großen goldenen Stier und rufen: Das ist unser Gott, der uns befreit! wunderbar ironisch ist diese Geschichte in der Bibel erzählt, und daran musste ich denken, als in der Finanzkrise vor etlichen Jahren die Zeitungen immer wieder den Stier vor der Frankfurter Börse zeigten, dazu die aufgeregten Broker.


Der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber hat gesagt: Gott „ist das beladenste aller Menschenworte.“ (2) Und es ist ja so: Alles, was Menschen erträumen und ersehnen, alles woran sie leiden und was sie quält, alles Unrecht und alles Elend, alle Hoffnung und alles Glück legen sie in das Wort Gott.


Ist es die Nation, die als Gott angebetet wird, kämpfen ihre Gotteskrieger gegen die Fremden. Ist es das Geld, kämpfen seine Gotteskrieger für dessen Mehrung. Ist es die eigene Ideologie oder Religion, kämpfen ihre Gotteskrieger gegen die Andersgläubigen.


Das alles aber ist in der Bibel nicht Gott. Der Gott der Bibel befreit aus dem Sklavenhaus.

Das Sklavenhaus kann ein Wahn in meinem Kopf sein, eine schreckliche Angst, eine Beziehung oder Lebensverhältnisse, die mich knechten. Der Gott der Bibel redet Menschen an. Stellt sich mit seinem Namen vor, der heißt: „Ich bin da. Unterwirf dich keiner anderen Macht. Du bist frei!“ Erstes Gebot.


Weil ich an diesen Gott glaube, bin ich hoch empfindlich, wenn Menschen das Wort Gott missbrauchen. Wenn sie Gott vor den Karren ihrer persönlichen Meinungen spannen. Wenn sie behaupten: „Das geschieht im Namen Gottes“ – und dabei in Wirklichkeit ihre eigenen Ziele verfolgen.


Weil ich an den befreienden Gott der Bibel glaube, bleibe ich auch mir selbst gegenüber wachsam, wenn ich mir meinen Gott zurechtdenke.


Gott ist ganz anders als ich ahne. Gott sei Dank. Darin liegt meine Rettung. Und meine Hoffnung für die Welt.



Einen gesegneten Tag wünscht Ihnen Annette Kurschus aus Bielefeld.



(1) Die Bibel, 2. Mose 32.


(2) Martin Buber, Begegnung. Autobiographische Fragmente, Verlag, Stuttgart, 2. Auflage 1961.




Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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