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Kirche in WDR 5 | 03.07.2024 | 06:55 Uhr

Worüber würden wir reden?

Ich beerdige gerne. Hört sich vielleicht völlig komisch an – aber so ist‘s nunmal. Tod und Trauer kannte ich bisher nur aus der Perspektive als Betroffener – mein Vater starb vor neun Jahren. Und nun, als Seelsorger: Eine ganz andere Perspektive.

Ich lerne viel Neues. Über mich, über Trauer, über den Tod.

Vor ein paar Wochen hatte ich mein erstes Trauergespräch. Und vorher hatte ich richtig Bammel. Wie wird das wohl werden? Kann ich den Trauernden angemessen begegnen? Werde ich den Erwartungen gerecht? Und wenn die Tränen ausbrechen? Kann ich das auffangen?

Da sitze ich also. In dieser Wohnung. Eine Wohnung, die für ein ganzes Leben steht. Mit Bildern an der Wand. Ein Traum aus Eiche-Rustikal. Viele Fotos, alte Gardinen. Das ist keine unpersönliche Musterseite des Möbelkatalogs. Hier hat wirklich jemand gelebt.

Und Stück für Stück versinke ich ins Gespräch mit den Angehörigen. Ich erfahre Details, schwere und leichte. Irgendwann ist da nur noch das Leben der Verstorbenen. Meine Ängste, meine Sorgen – weg.

Nach dem Gespräch bin ich extrem dankbar. Für das Vertrauen und die tiefen Einblicke. Zusammen konnten wir in Liebe auf das schauen, was war. Das ermöglicht weiterzuleben und loszulassen.

Und ich weiß: Das mit Loslassen ist mitunter echt harte Arbeit. Als mein Vater vor neun Jahren viel zu früh am Krebs starb: Da wollte ich erstmal nicht loslassen. Ich konnte das lange Zeit einfach nicht. Und trotzdem kam das irgendwann. Mit dem Loslassen kam dann auch das Leben zurück. Und diese Erfahrung sitzt natürlich mit am Tisch, bei meinem ersten Trauergespräch als Seelsorger.

Christen erzählen vom Himmel, von einem Leben nach dem Tod. Irgendwie geht‘s weiter. Anders, aber es geht weiter. Da ist nicht einfach Ende. Auch ich hoffe das. Und wenn nicht?

Dann bleibt wenigstens die Erinnerung.

Ich erinnere mich oft an meinen Vater, seit diesem ersten Trauergespräch. Und ich frage mich noch heute: Wie sähst du heute aus? Worüber würden wir reden? Was würdest du sagen, über die Welt, über meinen Weg.

Ich weiß zwar nicht, wo mein Vater heute ist. Und manchmal denke ich: Du müsstest jetzt traurig sein. Aber – ich bin nicht traurig. Ich bin überzeugt, er ist gut aufgehoben. Und selbst, wenn ich das nur glaube und nicht weiß: Ich schaue mit Liebe auf das, was war.


Ich grüße Sie aus Herten. Ihr Stephan Orth.

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