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Kirche in WDR 3 | 19.02.2021 | 07:50 Uhr

Auf die Freundschaft

Guten Morgen,

 

Einer meiner täglichen Wege in meinem Wohnort führt am Friedhof vorbei, und manchmal gehe ich auch quer über den Friedhof. An einem Tag im Januar halte ich an einem Grab inne, auf dem vier Flaschen Bier stehen. Unwillkürlich muss ich schmunzeln. Und werde zugleich sehr nachdenklich. Peter[1], der hier beigesetzt ist, war bei seinem Tod gerade mal 34 Jahre alt. Seine Beisetzung war meine erste Beisetzung im Corona-Lockdown, die ich gefeiert habe. Es galt die Regelung: Maximal 20 Menschen auf dem Friedhof. 20 Personen sind schnell erreicht mit dem engsten Familienkreis. Abschied nehmen von Peter, das war neben der Familie aber auch seinen drei engsten Freunden wichtig. Vier Kumpels, die bereits seit der Kindheit befreundet waren. Nebeneinander in der Schule gesessen, nachmittags Fußball gespielt, das Schöne im Leben geteilt, gemeinsam gefeiert und gelacht. Aber auch in schweren Zeiten zusammengestanden. Und jetzt ist da Trauer, Sprachlosigkeit, ja auch Wut – auf das Leben oder auf Gott - die die drei Freunde am Grab spüren. Einen der drei kenne ich persönlich und er hat mich gefragt, ob ich auch mit den Freunden ans Grab gehen kann, zum Abschied ein Gebet sprechen. Das tat ich. Und muss bei den Bierflaschen auf dem Grab an diesen Abschied denken: Die drei teilen Erinnerungen an Peter, und ihre Gefühle, auch mit mir. Und ich versuche, meine Hoffnung zu teilen, dass der Tod, die Trauer und der Schmerz nicht das letzte Wort haben werden. Nach einem gemeinsamen Gebet tut einer der Freunde etwas, was ich so schnell nicht vergessen werde: er öffnet seine Umhängetasche und holte vier Flaschen Bier heraus. Eine stellte er aufs Grab, die anderen reicht er den Freunden. Sie stoßen an „Auf Peter, der immer ein Freund bleibt. Und auf das Leben.“ Ob das ungewöhnlich ist? Für mich auf jeden Fall. Ob das unpassend ist? Ich finde nicht. Hier haben Freunde, die über Jahre verbunden sind, das Leben geteilt haben mit allen Höhen und Tiefen, Abschied genommen. Auf ihre Art. Im Januar, da hätte Peter Geburtstag gehabt. Die Bierflaschen auf dem Grab? Ich denke, dass die Freunde wohl auch an diesem Tag ein Ritual gefunden haben, ein Erinnerungszeichen. Freundschaft hört nicht einfach auf. Auch Jesus und seine Jüngerinnen und Jünger verband eine Freundschaft. Und als immer klarer wurde, dass Jesus sterben muss, zeigte er den Freunden eine Möglichkeit zum Umgang mit der Trauer: Er gibt ihnen ein Erinnerungszeichen, gemeinsam essen und trinken. Und ihn in den Erinnerungen gegenwärtig werden lassen. Ein Erinnerungszeichen wird zum Hoffnungszeichen: Ich bin bei euch. Wenn auch ganz anders.  

Nachdenklich, im Gedanken bei dem Wert der Freundschaft, verlasse ich den Friedhof, und freue mich auf die Videokonferenz mit Freundinnen am Abend. 

Herzlich grüßt Sie, Sonja Stratmann aus Bocholt

[1] Name geändert

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