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Kirche in WDR 2 | 29.06.2020 | 05:55 Uhr

Aufgetaucht

Wie werden wir wohl aus dieser Krise wieder auftauchen? Langsam aber sicher?


Viele von uns hat es ja erwischt, auch ohne das Virus bekommen zu haben. Der Kellnerin ist gekündigt worden, der Facharbeiter macht Kurzarbeit, die Solo-Selbständige ist pleite. Und selbst wer im Homeoffice sitzt, merkt spätestens jetzt: Das Leben ist begrenzt. Es ist verletzlich.


Will ich – wenn Corona vorbei ist - genauso weiterleben wie bisher?


Neulich vor dem Einschlafen diese Filmszene. Eine Jugendgang in den Sommerferien, irgendwo in Südfrankreich an einem Fluss. Einer von den großen Jungs geht auf die große Brücke. Es sind vielleicht sechs oder acht Meter über dem Wasser. „Trau dich!“ rufen die andern. Und dann springt er. Macht sogar einen Salto und landet mit einem großen Klatsch im Wasser. Alle jubeln, als er wieder auftaucht und an Land schwimmt.

Jetzt ist der Neue dran. „Na los, jetzt du! Geh nach oben!“ Er geht, steht am Rand der Brücke, schaut nach unten, zögert. „Traust du dich nicht? Mach schon!“ Er guckt zu den andern, er guckt nach unten und dann springt er. Das Wasser schlägt über ihm zusammen, die andern jubeln.

Doch dann: Wo ist er? Er taucht nicht wieder auf. Die andern rufen seinen Namen, zwei von den großen Jungs springen ins Wasser, schwimmen zur Flussmitte, rufen, tauchen. Nichts. Dann zeigt ihn die Kamera am Flussufer, rechts, bestimmt 20 Meter weiter. Vorsichtig reckt er den Kopf aus dem Wasser. Er grinst. Ist einfach die ganze Strecke unter Wasser geblieben. Abgetaucht und wieder aufgetaucht. Kopfschütteln und Erleichterung, als die andern ihn sehen. Er hat’s geschafft.


Diese eine Szene meldet sich bei mir nachts um halb eins zurück. Mein Gehirn spült sie mir nach oben und sagt: Guck Dir das noch mal an! Ok. ich gucke.

Ich sehe mich vor meiner Krankheit. Nein, nicht Corona, ich hatte Krebs im letzten Jahr. Behandelbar, sagen die Ärzte, aber erst mal ist die Krankheit da.

Ich kann nicht mehr zurückgehen, runter von der Brücke ans Flussufer. Ich kann nicht sagen: Lass mal, ich will nicht, ich trau mich doch nicht. Ich muss springen. Es gibt überhaupt keine andere Wahl.

Anders als im Film dauert dieser Sprung eine kleine Ewigkeit. Ich kann mir überlegen, wo ich eigentlich wieder auftauchen will. Genau da am Ufer, wo ich losgegangen bin? Alle jubeln: Da ist er wieder! Toll, dass du es geschafft hast! Als wäre nichts gewesen?

Nein, ich nutze die Zeit. Ich tauche ab, denke nach, führe Gespräche. Mache Schwimmzüge unter Wasser, ganz für mich alleine. Und dann, wenn ich soweit bin, tauche ich wieder auf. Anderswo. Mit einem Lächeln.


Redaktion: Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius


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