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Kirche in WDR 5 | 03.04.2020 | 06:55 Uhr

Warum?

 

Guten Morgen!

Nicht erst seit der aktuellen Krise fragen Menschen: Wie kann Gott das zulassen? Warum hat er nicht geholfen? Warum ausgerechnet ich? Die alte Frage nach dem „Warum“ bleibt ohne Antwort. Es gilt, die Frage auszuhalten, dem „Warum“ standzuhalten, ohne eine Antwort zu wissen. Aber wie?

Um es ganz deutlich zu sagen: Das meiste Leid haben Menschen zu verantworten. Armut und Hunger sind hausgemachte Probleme. Krankheit und Tod sind manchmal auch ein Spiegel unseres Lebensstils. Bei Verkehrsunfällen saßen meistens Menschen am Steuer. Wir können das Leid also nicht einfach Gott in die Schuhe schieben. Aber es gibt einen „Rest“ an Leiden, der zur Frage wird. Wenn wir selbst Leid tragen müssen, wenn in der Familie einer plötzlich stirbt, wenn eine Pandemie ausbricht, dann gibt es Fragen, die für immer unbeantwortet bleiben: „Wo warst du, Gott? Lieber Gott, warst du denn wirklich lieb, als ...?“

Wer bei diesen Fragen angekommen ist, der spürt: Menschen sind in das Leben geworfen und müssen einfach damit fertig werden. In alten Kulturen und Religionen meinte man, dass Gott die Menschen prüft. Wenn etwas Schlimmes geschah, dann sagte man: Das war eine Prüfung Gottes. So, als würde Gott irgendein Leid schicken, um zu sehen, wie wir damit fertig werden. Manche Fundamentalisten reden heute noch so, sie treiben ein böses Spiel mit der Angst. Sie wollen ihren Gott – oder wen sie dafür halten – beschützen. Ein Gott aber, der sich von Fundamentalisten beschützen lassen muss, der sich von der Angst der Menschen ernährt, ja ein solcher Gott wäre wohl – ein Götze.

Ich glaube nicht, dass es solche Prüfungen gibt. Was wäre das für ein Gott, der sich am Leiden freut? Ein solcher Gott wäre ein Sadist! Ich glaube, dass ich mein Leben als Herausforderung annehmen muss. Es gibt Herausforderungen, in die ich einfach so hineingerate. Und dann lerne ich, damit umzugehen. Was früher oft als Prüfung angesehen wurde, das war wohl eher eine Herausforderung. Denn erst im Leiden zeigt sich, wovon einer lebt. Das Leid ist sicher keine Prüfung und erst recht keine Strafe, aber es kann zur Bewährung werden. Dann zeigt sich, wovon ich lebe, und ob ich das Leben wirklich ernst nehme. Das Leiden kann Herausforderung und Bewährung sein: zuerst im Bekämpfen, dann aber auch im Annehmen des Leidens.

Ich glaube nicht, dass mir mein Glaube hilft, das Leid zu verstehen. Aber ich glaube fest, dass er helfen kann, das Leiden zu bestehen, in der Bewährung standzuhalten. Nicht verstehen, aber bestehen. Oft werde ich gefragt: „Wie kann man angesichts des Leidens in der Welt überhaupt noch an Gott glauben?“ Ich antworte dann: „Nur weil es einen Gott gibt, kann ich das Leiden überhaupt ansehen.“

Ich glaube: Gott ist in Jesus Christus mit dieser Welt solidarisch geworden. Er hat mein Leben und Schicksal geteilt. Am Kreuz ließ er sich buchstäblich festnageln auf seine Botschaft der Liebe. Diese Liebe erweist ihre tiefste Kraft im Leiden. „Ich mag dich leiden“, sagen Menschen zueinander, wenn sie einander lieben. Das Kreuz sagt: Gott kann mich leiden! Er ist ein sympathischer Gott. Sympathie ist griechisch und bedeutet: Mitleiden. Gott kann leiden, weil er liebt. Menschen sind bei ihm gut gelitten, im wahrsten Sinne des Wortes. Gott mag uns für sein Leben gern!

Das Leid ist und bleibt eine ungelöste Frage. An dieser Frage leidet auch der Glaube selbst, weil er sie nicht bis ins Letzte klären kann. Wer glaubt, steht vor der unlösbaren Frage nach dem Leid; wer aber nicht glaubt, für den bleiben wohl alle anderen Fragen unbeantwortet, und er kann am Ende nur verzweifeln. Am Kreuz werden keine Fragen gelöst. Sondern durchlitten.

Bald ist Ostern. Vorher gibt es den Karfreitag, ohne geht es nicht. Gerade weil es Hoffnung gibt, möchte ich das Leben ernst nehmen. Weil es einen Himmel gibt, darf ich die Erde nicht aufgeben. Weil letzten Endes kein Leid umsonst gewesen sein wird, möchte ich es bekämpfen oder wenigstens lindern, aber auch aushalten und annehmen.

Ich möchte helfen, das Schicksal anderer zu tragen. Christsein heißt für Pfarrer Stefan Jürgens aus Ahaus: Einander leiden können, weil Jesus lebt.

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