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Hörmal | 23.06.2019 | 07:45 Uhr

Was für ein Vertrauen


Die Kirchen haben ein Problem. Ein Vertrauensproblem. Drei Viertel der Deutschen vertrauen nicht mehr den Kirchen. Das hat eine Studie im letzten Jahr ergeben. Und insofern fand ich das Motto spannend, das sich der diesjährige Evangelische Kirchentag gegeben hat: „Was für ein Vertrauen“. Heute geht der Kirchentrag in Dortmund zu Ende.

Seit Mittwochabend haben weit über 100000 Menschen an diesem Megaereignis teilgenommen. Und immer wieder ging es ums Vertrauen. Ich finde, das ist ein sehr wichtiges Motto und zwar nicht nur für die evangelische Kirche, sondern gerade auch für die katholische. Das kann man sich auch denken: die Skandale, die Strukturdebatten um Hierarchien und dann das ewig gestrige Auftreten. Das passt scheinbar nicht mehr in die Welt.

Die Umfrage aus dem Jahr 2018 zeigt, dass die Kirchen als Institution gerade noch bei 27 Prozent der Erwachsenen großes und sehr großes Vertrauen genießen.[1] Die Kirchen liegen seit Jahren auf dem elften Platz von insgesamt zwölf vorgestellten Institutionen. Den ersten Platz nimmt da immer die Polizei ein. 85 von 100 Befragten vertrauen ihr. Was macht die Polizei in Deutschland richtig? Was machen die Kirchen falsch? Die Polizei, die „Staatsgewalt“, jedenfalls arbeitet hierzulande hart daran, als verlässlicher „Freund und Helfer“ den Leuten im Gedächtnis zu sein und nicht als willkürliche oder gar korrupte Kaste, wie ich das in anderen Ländern der Erde schon erlebt habe.

Mich als Ordenspriester jedenfalls beschämt das schlechte Abschneiden der Kirchen, und ich frage mich natürlich: Wie kann Kirche das Vertrauen wieder zurückgewinnen? Geht das überhaupt für eine ganze Institution, Vertrauen zu gewinnen? Oder kann Vertrauen nur im Kleinen zwischen den Menschen wachsen? Vertrauen ist ja schnell verspielt, und es dauert lange, es wieder aufzubauen.

Vertrauen kann man nur gewinnen, wenn man es anderen zuerst entgegen bringt. Das ist immer riskant, weil Vertrauen enttäuscht werden kann – aber ohne eigene Vorleistung geht es nicht. Davon bin ich überzeugt.

Genau von dieser Vorleistung beim Vertrauensgewinn erzählt die Bibel in einem wunderschönen Bild vom Liebeswerben des Bräutigams um die Braut. Die Worte stammen aus dem Buch Hosea, das zu der Zeit geschrieben wurde, als das Volk Israel darum gerungen hat, welcher Gott der Bessere sei. Konkret geht es darum, dass Gott, der Bräutigam, das Vertrauen seines Volkes, also der Braut, zurückgewinnen will, weil sie sich von ihm abgewandt hat und anderen Göttern nachgelaufen ist. Da heißt es dann aus dem Mund Gottes zu seinem Volk (Hosea 2,21f):

„Ich traue dich mir an auf ewig; ich traue dich mir an um den Brautpreis von Gerechtigkeit und Recht, von Liebe und Erbarmen, ich traue dich mir an um den Brautpreis meiner Treue: Dann wirst du den Herrn erkennen.“

Gott geht in Vorleistung, indem er dem Menschen Vertrauen schenkt, nämlich Liebe und Treue. Genau das ist sein Brautpreis. Und so umworben kann der Mensch sein Vertrauen wiederum Gott schenken.

Vertrauen kann man nur gewinnen, wenn man es anderen zuerst entgegen bringt. Vielleicht ist das ja der Weg, den die Kirchen gehen müssen, um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen: Den Menschen einfach Vertrauen entgegenbringen.


[1] Glaubwürdigkeit der Medien. Eine Studie im Auftrag des Westdeutschen Rundfunks Februar 2018:https://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=2&ved=2ahUKEwi2rKGyz_DiAhUIjqQKHSNIBgMQFjABegQIBhAC&url=https%3A%2F%2Fwww1.wdr.de%2Funternehmen%2Fder-wdr%2Funternehmen%2Fglaubwuerdigkeitsstudie-2018-100.pdf&usg=AOvVaw3FnUSrGus1uMfCWX2nV74_.

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