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Kirche in WDR 2 | 28.03.2019 | 05:55 Uhr

Ausgeschlossen

Gestern war der absolute Tiefpunkt. Da kam diese Mitteilung vom Amt: Meine Bezüge sind für die nächsten drei Monate gekürzt worden, weil ich mich vom Wohnort entfernt habe – ohne mich beim Amt abzumelden. Mein Einwand, dies sei doch ein freies Land und schließlich sei ich zu einem Bewerbungsgespräch gefahren, hat nichts genutzt.

Ich beziehe Grundsicherung, im Volksmund Hartz IV genannt. Das es mich mal treffen könnte, damit habe ich absolut nicht gerechnet. Meine Firma ging pleite und ich wurde gekündigt – nach 33 Jahren! Für einen neuen Job bin ich zu alt, zu qualifiziert. Und als ich dann den Kredit für die Wohnung nicht mehr bedienen konnte, machte mein Herz nicht mehr mit. Erst Herzrhythmusstörungen, dann Infarkt.

Hartz IV – das ist eine unfassbare Bürokratie. Arbeitslosengeld, Wohngeld, Erwerbsminderungsgeld, Krankengeld: Für alles gibt es einen Antrag und immer ist ein anderes Amt zuständig. Dabei sind es doch die gleichen Steuergelder, die immer hin und her geschoben werden.

Und wenn ich dann einen Fehler mache – dann werden die Bezüge eben gekürzt. Dabei frage ich mich natürlich, warum man ein amtlich festgestelltes Existenzminimum von 424€ für Alleinstehende überhaupt kürzen darf – warum kann ich nach einem Fehler von weniger existieren?

Als mein Kühlschrank kaputt ging, wurde ich darüber belehrt, dass in meinem Regelsatz jeden Monat €1,75 für ein Ersatzgerät enthalten ist. Ich habe es mal ausgerechnet. 14 Jahre lang , muss ich für ein Ersatzgerät sparen. Ich darf aber keine Rücklagen haben.

Dazu kommen die fehlerhaften Bescheide. Einmal habe ich innerhalb von zehn Monaten elf fehlerhafte Bescheide bekommen. Ich habe natürlich immer Widerspruch eingelegt und auch Recht bekommen. Zwischenzeitlich wusste ich aber nicht mehr, wovon ich meine Miete bezahlen soll.

Das Schlimmste ist aber das Ausgeschlossen sein.

Ich weiß nicht mehr, wann ich das letzte Mal mit Freunden in einer Kneipe Fußball geguckt oder in einem Restaurant gegessen habe. Ich lebe in einer Parallelwelt, von der diejenigen, die einen Job haben nichts mitbekommen.

Mein Leben gleicht inzwischen einem permanenten Training in Unterwürfigkeit gegenüber Behördenmitarbeitern, Helfern an der Tafel, den Blicken auf der Straße.

Jedem Menschen hat Gott die gleiche Würde gegeben, hat der Pastor neulich im „Wort zum Sonntag gesagt“. Da musste ich erst lachen und dann weinen.

Ob der liebe Gott mich vergessen hat? Vielleicht muss auch er erst einen Antrag Frist wahrend einreichen, damit er mir helfen kann.

Wenn ich einen Wunsch frei hätte: Das nicht mehr die Arbeitslosen alleine für ihr Schicksal verantwortlich gemacht werden. Hartz IV kann so schnell gehen. Ich wünsche mir mehr Solidarität. Mehr Mitgefühl und menschlichere Gesetze. Ist das Zuviel verlangt in einem Staat, der sich christlich nennt?

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