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Sonntagskirche | 10.11.2019 | 08:55 Uhr

Die Leuchtspur eines Sternenkindes


Heute ist Martinsabend. Unzählige Familien machen sich mit Beginn der Dämmerung auf

den Weg zum Martinsumzug. Auch in unserer Gemeinde ist diese wunderschöne Tradition

lebendig. Ein Reitersmann im roten Mantel führt den stattlichen Lichterzug an, die Blaskappelle

spielt die alten Lieder, Kinder wie Erwachsene singen aus vollem Herzen:

Ich geh mit meiner Laterne.

Auch Familie Pesch geht mit, wie in den Jahren zuvor. Lilly hat ihre Laterne in der

Kita gebastelt und kann es kaum erwarten. Da oben leuchten die Sterne und unten leuchten wir!

Aber: Heute Abend werden sie das alte, vertraute Kinderlied anders singen als noch im letzten

Jahr. Damals war Lillys Mutter schwanger. Für die Familie eine Zeit purer Vorfreude.

Lotta sollte ihre zweite Tochter heißen – das wussten sie schon.

Die Schwangerschaft verlief bisher völlig problemlos. Doch dann, wenige Wochen vor dem

errechneten Geburtstermin, der Schock. Eine genetische Störung. Trisomie 18.

Das Kind habe kaum Überlebenschancen.

Wenige Tage später starb Lotta, still und geborgen im Mutterleib.

Lotta ist ein Sternenkind. Und so traurig das alles ist: Ich finde, Sternenkind trifft es gut, für diese winzigen Menschenkinder, die den Himmel erreicht haben, noch bevor sie das Licht der Welt erblicken durften. Da oben leuchten die Sterne und unten leuchten wir.

Lottas Schwester Lilly geht in unseren Gemeindekindergarten. Die Leiterin hatte mich umgehend

über die Situation der Familie informiert und so konnten wir den Weg gemeinsam gehen, von

Anfang an: Die Mutter, der Vater und natürlich Lilly, Lottas große Schwester.

Wir haben uns viel Zeit genommen, um jeden einzigen Moment im Leben dieses Sternenkindes zu

erinnern: die Freude über die Schwangerschaft, die ersten Bewegungen im Mutterleib, wie Lilly

abends für Lotta schon mal die Spieluhr aufgezogen hatte, wie die Eltern das Kinderzimmer

eingerichtet haben. Alles, alles wollte erzählt werden.  Und so konnte auch ich die kleine Lotta ein

wenig kennenlernen, bevor wir die Feier zu ihrem Abschied planten. Lottas Begräbnisfeier.

Alle sollten kommen. Alle, die sich mitgefreut hatten über das neue Leben, sollten es auch nun

verabschieden können. Für Lilly war sofort klar, rosa soll alles sein. Rosa Kissen, rosa Blumen und

vor allem rosa Luftballons.

Bereits eine Stunde vor Beginn der Beerdigung trafen wir uns in der Kirche. Die Familie wollte alles

selbst vorbereiten. Sorgfältig befestigen die Eltern die kleine rosa Blumengirlande an dem weißen

Körbchen in dem Lotta aufgebahrt liegt. Lilly hat für Lotta ein Sternenbild gemalt und legt es 

ihrer Schwester behutsam auf die Decke. Die Oma richtet noch einmal liebevoll das

Mützchen und gemeinsam legen die Paten Lotta ein Sternenkettchen um. Und bevor die Eltern

den kleinen Sarg schließen, zeichnet die Familie dem Kind ein Kreuz auf die Stirn:

Gott segne Dich, kleine Lotta!

Erst jetzt beginnt die eigentliche Trauerfeier. Das kleine Körbchen mit Lottas totem Leib,

steht auf unserer Taufstelle in der Kirche unter dem großen, kostbaren Kreuz. Jesus selbst breitet

über Lotta die Arme weit aus. Das erinnert Lilly an ihr Lieblingsspiel: Wer kommt in meine Arme?

Es ist so gut und so wichtig, dass auch ungetaufte Kinder auf würdige Weise von der Kirche

verabschiedet und begraben werden. Lange Zeit war das nicht so. Und ganz offenbar ist es auch

heute noch nicht überall selbstverständlich. Dafür schäme ich mich! Jeder Mensch ist ein Kind

Gottes, von Anfang an. Und niemand hat das Recht, Gottes Kindern ein würdiges Begräbnis zu

verwehren. Ganz im Sinne Jesu, der unmissverständlich fordert: Lasset die Kinder zu mir kommen!

Lottas Begräbnisfeier war traurig und tröstlich zugleich. Später schrieben mir die Eltern:

Wir werden auf diesen Tag immer positiv zurückblicken können. Die Feier hat uns geholfen, aus

einem sehr traurigen Anlass eine wunderschöne Erinnerung werden zu lassen. Dass unsere

Tochter Lilly so gut in die Gestaltung der Feier einbezogen war, hat ihr sehr geholfen, sich auf

kindgerechte Weise von ihrer Schwester zu verabschieden, aber auch, sie zu einem wichtigen Teil

ihres Lebens werden zu lassen.

Und wie zur Bestätigung hat Lilly mir einen großen, dicken Stern auf die Karte gemalt.

Da oben: leuchten die Sterne. Und unten: leuchten wir!


Gertrude Knepper

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