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Kirche in WDR 3 | 10.06.2020 | 07:50 Uhr

Zu wem gehöre ich?

Viele Flüchtlingsschicksale haben sich mir in Bildern eingeprägt: Flüchtlingscamps, die Not auseinandergerissener Familien, Jugendliche und Kinder, die durch Gewalt oder Unglück die Eltern verloren haben. So viel Heimatlosigkeit. Und ich denke oft daran, wie es diesen Kindern und Jugendlichen ergehen mag, wenn sie älter werden und nach ihren Wurzeln fragen.

Was ich heute bin, hat mit dem zu tun, was ich bisher erlebt habe: dass ich zu einer bestimmten Familie gehöre, genau diese Geschwister und Eltern habe; dass ich in einer bestimmten Umgebung und Kultur aufgewachsen bin. Wie ich in manchen Situationen reagiere, hängt davon ab, wie ich gelernt habe zu reagieren, wie ich es mir bei meinen Eltern oder anderen abgeschaut habe. Vor einiger Zeit gab mir meine Schwester ein ganz kostbares Buch zu lesen: das Tagebuch, das unser Vater bei der Geburt meines ältesten Bruders begonnen hat zu schreiben. Also vor über siebzig Jahren. Da sind so viele Geschichten drin, die verloren wären, hätte er sie nicht aufgeschrieben. Und es lässt mich vieles viel besser verstehen.

Manche Eltern oder Großeltern schreiben ihren Kindern oder Enkelkindern ein Erinnerungsbuch über ihre ersten Lebensjahre. Geschichten, die nach dem Tod der Eltern kaum noch jemand zu erzählen weiß und die doch so wichtig sind für die Art, wie ich heute die Welt erlebe. Solch ein Buch ist eine Kostbarkeit.

Wirklich angerührt hat mich, als ich ein Buch des schwedischen Schriftstellers Henning Mankell las. Es heißt: „Ich sterbe, aber die Erinnerung lebt“ Darin fand ich das „Memory Book“ einer jungen Aids kranken Mutter aus Uganda. Als sie es schrieb, wusste sie, dass sie aufgrund ihrer Krankheit ihr Kind nie heranwachsen sehen würde. So tut sie, was viele junge Aids kranke Eltern in Afrika für jedes ihrer Kinder taten. Und sie schreibt ihr „Memory Book“ für ihre jugendliche Tochter. Darin erzählt sie ihr, was ihr niemand sonst erzählen könnte: woher sie kommt; was sie als kleines Kind ausgemacht hat; in welche Familie sie hineingeboren ist; wer ihr Vater und wer ihre Mutter waren und wie sie als Kinder waren; wer ihre Großeltern waren; auch auf welche Freunde sie sich verlassen kann; und vieles mehr. Für die Tochter sind diese Geschichten mehr als Informationen, die ihr einen psychologischen Verstehens Hintergrund bieten. Beim Lesen wächst eine lebendige Verbindung zur Mutter in ihrer Geschichte mit ihr. So wie ich es bei dem Familientagebuch meines Vaters erfahre.

Und ich dachte: Könnte nicht auch die Bibel solch ein „Memory Book“ sein, das Gott für mich geschrieben hat? Worin er mir erzählt, woher ich komme, zu welcher Familie ich gehöre, auf welche Freunde ich mich verlassen kann, wie die Geschichte Gottes mit uns Menschen gelaufen ist und vieles mehr. Wenn ich es lese, trete ich in eine lebendige Beziehung ein zu dem, der es für mich geschrieben hat, - und je mehr ich darin lese, umso besser verstehe ich auch mich selbst, die Menschen, die Welt. Eine unschätzbare Kostbarkeit, die jedem geschenkt ist, der es annimmt!

Dass Sie entdecken, zu wem Sie gehören, wünscht Ihnen Sr. Ancilla Röttger aus Münster.

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