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Kirche in WDR 4 | 04.06.2019 | 08:55 Uhr

Laut oder leise?

Guten Morgen!

Im Sommer merke ich manchmal besonders, wie laut die Welt ist, in der wir leben. Jetzt in der hellen Jahreszeit geht’s schon früh morgens los auf der Baustelle nebenan. Die Maschinen werden in Gang gesetzt. Die Züge auf der nahen Bahnstrecke rauschen vorbei.

Dabei wohne ich vergleichsweise ruhig. Es gibt Menschen, die werden krank vom Lärm. Da ist die Sehnsucht nach Stille groß. Auch ich genieße die Stille im Urlaub in den Bergen auf langen Wanderungen.

Auf der anderen Seite merke ich: Ich vertrage sonderbarer Weise auch die Stille nur bedingt. Wenn ich lange alleine unterwegs bin in der Stille, dann ertappe ich mich dabei, wie ich mit mir selbst rede. Zu große Stille kann Angst machen.

Ein amerikanisches Forscherteam hat eine „Stille-Kammer“ (1) gebaut, die fast alle Geräusche schluckt. Kein Mensch hat es länger als 45 Minuten in dieser Kammer ausgehalten. Die absolute Stille ist für Menschen geradezu unerträglich.

Ich habe mich gefragt: Ist der christliche Glaube eigentlich eher etwas Stilles oder etwas Lautes? Wenn ich im Urlaub in einer Stadt bin, dann suche ich fast immer eine Kirche auf. Wie schön, dass Menschen meistens leise werden, wenn sie so eine Kirche betreten, oft sogar anfangen zu flüstern. Ich mag diese andächtige Stille. Ich setze mich auf eine der Bänke in der Kirche und lasse meine Gedanken wandern. Oft münden sie in ein Gebet. Eine Kirche, in der touristischer Trubel herrscht, wo ein lautes Stimmengewirr in der Luft hängt, das schreckt mich fast ein bisschen ab.

Wenn auf der anderen Seite eine Kirche von lauter Musik erfüllt ist - ein Chor, die Orgel, ein Orchester - oder einfach die Gemeinde laut singt, dann kriege ich oft Gänsehaut.

Was sagt eigentlich die Bibel: Ist Gott laut oder leise? Und wie soll ich ihm antworten; wie soll sich mein Glaube ausdrücken? Laut oder leise?

Das Schöne ist: Da gibt es nicht das eine oder das andere: Beides hat seinen Ort und beides hat seine Zeit. Gott kann sich, so wird erzählt, mit einem „stillen sanften Wehen“ Gehör verschaffen, also nur mit einem lauen Lüftchen. Aber es kann auch ganz anders von Gott die Rede sein. Da lese ich in einem Gebet der Bibel: „Die Stimme des HERRN erschallt über den Wassern...“ (Psalm 29,3, Die Bibel. Luther 2017). Hier kommt Gott laut daher.

Manchmal verleihen die Gläubigen ihrer Freude über Gott laut Ausdruck: mit Jauchzen, Singen, Rufen, mit Trompeten und Posaunen. Auf der anderen Seite finden Menschen in der Stille zu Gott: „Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft.“ (Psalm 62,1, Die Bibel. Luther 2017), heißt es in einem anderen Gebet der Bibel. Manchmal tut mir die Stille vor Gott gut. Manchmal möchte ich einstimmen in lauten Gesang und Jubel. Beides brauche ich.

Gott spricht unüberhörbar so oder so. Und ich kann auf ganz verschiedene Weisen auf ihn hören und ihm antworten.

Und so gehe ich mit offenen Ohren durch das Leben und vertraue darauf, dass Gott viele Möglichkeiten nutzt, um mich zu erreichen. 


 Es grüßt Sie, Landessuperintendent Dietmar Arends aus Detmold.

 

 

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