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Kirche in WDR 5 | 13.06.2020 | 06:55 Uhr

Was drängt mich?

Die Apostelgeschichte hat es mir in den vergangenen Wochen angetan. Und bereits gestern erzählte ich von den Begebenheiten um den Apostel Paulus in Ephesus: von dem großen Aufruhr, der dort geherrscht hatte. Das können Sie übrigens im 19. Kapitel der Apostelgeschichte nachlesen – wenn Sie mögen. Anführer dieses Aufruhrs war ein gewisser Demetrius, ein Silberschmied in Ephesus. Dort stand einst der in der antiken Welt überall bekannte Tempel der Göttin Artemis – ein Weltwunder.

Demetrius stellte silberne Artemistempelchen her und gab auch den anderen Kunsthandwerkern viel zu verdienen. Er rief sie alle zusammen und sagte zu ihnen: „Männer, ihr wisst, dass wir unseren Wohlstand diesem Gewerbe verdanken.“ (Apg 19,25). Und er führte ihnen aus, dass Paulus mit seiner Predigt über die Lehren von Jesus ihr Gewerbe und ihren Verdienst in Gefahr brachte. Aber nicht nur das: Was als reine Geschäftsbedrohung begann, bekommt plötzlich einen frommen Mantel und am Ende ist das Bekenntnis zur Göttin Artemis in Gefahr. Und deshalb ist für Demetrius am Ende klar: aus religiösen Gründen muss Paulus weg – nicht aus finanziellen. Der Aufruhr konnte vom Stadtschreiber aufgelöst werden. Doch als Leserin behalte ich einen etwas schalen Geschmack im Mund: so wie es in Ephesus geschah, passiert es im Grunde immer wieder und immer noch.

Noch immer lesen wir fast täglich von Weltanschauungen im Streit. Die religiösen Kämpfe und Tumulte sind zu oft aber gar nicht religiös bedingt, sondern haben ganz andere Ursachen. Manchmal sind es reine Machtkämpfe, die sich den Anschein geben, den Glauben zu verteidigen. Da geht es manchmal um Geld, und die Angst, es zu verlieren. Da gibt es unter Umständen selbst unter ranghohen Kirchenmännern eventuell Kränkungen, die in ein frommes Mäntelchen gesteckt zum religiösen Aufruhr verleiten. Aber das geschieht nicht nur Kirchenmännern, sondern auch Kirchenfrauen und in unserem engsten Umfeld. Immer wieder gibt es Situationen, in denen das äußere Tun nicht mit der inneren Gesinnung übereinstimmt. Und wenn wir ehrlich sind, müssen wir manchmal nur in den Spiegel schauen, um uns dabei zu ertappen.

Was treibt uns in solchen Situationen? Oder was fehlt uns vielleicht auch, dass wir uns so verlaufen? Dass wir manchmal regelrecht fliehen vor dem, was uns eigentlich ausmacht? Mir fällt eine Stelle im Buch Levitikus ein. Da legt Gott dem Menschen zu seiner Entscheidung Segen und Fluch vor. Er sagt, ich biete euch Leben an; aber wenn ihr es nicht ergreift, müsst ihr die Folgen tragen. Wenn ihr euch gegen meinen Bund und meine Gebote stellt, verweigert ihr euch selbst dem Leben. Und dann heißt es dort wörtlich: „ihr flieht, selbst wenn euch niemand verfolgt.“ (Lev 26,17).

So ist das manchmal: nicht äußerlich, aber innerlich ist da jemand auf der Flucht vor sich selbst, weil er sich nicht zum Leben bekennt. Gott ist Leben – und ich finde ihn, wenn ich dem Leben diene. Es hilft tatsächlich, manchmal auf dem Weg, auf dem ich mich getrieben fühle, stehen zu bleiben und mich zu vergewissern, was ich da tue und worauf ich höre.

Ein gutes Wochenende wünscht Ihnen Sr. Ancilla Röttger aus Münster.

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