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Kirche in WDR 5 | 28.04.2020 | 06:55 Uhr

Rückkehr zur Normalität

„Und wann wird das alles wieder normal sein?“

Keine Ahnung, ob Sie sich das in den letzten Wochen schon mal gefragt haben. Aber die Frage wäre ja naheliegend.

Ich zumindest habe in meiner Lebenszeit noch nicht erlebt, dass meine Normalität derart auf den Kopf gestellt wurde: Mein Arbeitsleben, mein Familienleben, mein Freizeitverhalten, die Art, meinen Glauben zu leben: alles wurde binnen so kurzer Zeit aus den Angeln gehoben.

Und zwischen der Hektik der Umorganisation und der ungeahnten Entschleunigung durch den öffentlichen „Lock Down“ suche ich nach Orientierung.

Ich habe den Eindruck, wir erleben derzeit eine Prüfung der ganz besonderen Art.

Dinge die selbstverständlich sind, sind ausgesetzt.

Wie wird es sein, wenn wir langsam wieder zur Normalität zurückkehren?

Welche Lehren müssen wir aus den Erfahrungen mit dieser Ausnahmesituation ziehen?

Schon im März, mitten im Wirbel der ersten Krisentage, stieß ich im Netz auf einen Text von Matthias Horx[1]. Als Trend- und Zukunftsforscher beschreibt Horx, dass sich die uns bekannte Welt gerade auflöst. Aber, so schreibt er: dahinter fügt sich eine neue Welt zusammen, deren Formung wir zumindest erahnen können. Und er vermutet, dass das Virus nur ein Sendbote aus der Zukunft war. Er schreibt:

Sprecher: „Seine drastische Botschaft lautet: Die menschliche Zivilisation ist zu dicht, zu schnell, zu überhitzt geworden. Sie rast zu sehr in eine bestimmte Richtung, in der es keine Zukunft gibt. Aber sie kann sich neu erfinden. System reset. Cool down! Musik auf den Balkonen! So geht Zukunft.“[2]

Hört sich alles gut und schlüssig an. Aber mir schwant dabei: dass alles wieder normal sein wird – von dem Gedanken muss ich mich wahrscheinlich verabschieden.

Was das „sich neu erfinden“ bedeutet, muss sich entwickeln.

Erste notwendige Schritte hierzu wären, sich deutlicher zwischen Wichtigem und Unwichtigem zu unterscheiden und sich zu trennen: von Gewohnheiten und scheinbar unveränderlichen Gegebenheiten.

Leichter gesagt als getan.

Mir hilft da immer wieder eine alte katholische Entscheidungstechnik, die von dem Ordensgründer Ignatius von Loyola stammt: Die sogenannte „Unterscheidung der Geister“.

Um sie anzuwenden braucht es eine Art von Gelöstheit, die Ignatius Indifferenz nennt. Er schreibt:

Sprecher: „Darum ist es notwendig, uns allen geschaffenen Dingen gegenüber gleichmütig (indiferentes) zu machen, überall dort, wo dies der Freiheit unseres Wahlvermögens eingeräumt und nicht verboten ist … “.[3]

Ignatius spricht nicht von Gleichgültigkeit, sondern dass ich den Dingen gleichmütig gegenüberstehe. Was Ignatius mit seiner „Unterscheidung der Geister“ meinte, ist eine Freiheit von Abhängigkeiten; nicht zu festgelegt zu sein, nichts zu verabsolutieren. Auch ganz anderes vorstellbar sein lassen.

Und was heißt das ganz praktisch?

Ich habe zum Beispiel in den letzten Wochen ungeahnte Zeitressourcen neu entdeckt, da sich der pralle Kalender wie von selbst geleert hat. Wir haben daheim mit unseren Kindern das abendliche Spielen wiederbelebt. Und ich habe gemerkt, wie wertvoll die Gespräche beim Essen sind und was da alles abläuft.

Mir ist die Gleich-Mütigkeit von Familie und Beruf neu deutlich geworden.

Und ich möchte die Zeit für die Familie nicht immer den dienstlichen Dingen nachordnen, auch wenn der Kalender wieder voller wird.

Jahrhunderte nach Ignatius hat der amerikanische Theologe Reinhold Niebuhr dessen Entscheidungstechnik in ein Gebet gefasst:    Sprecher:„Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann;

und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“[4]

Ich weiß nicht ob der Zukunftsforscher Matthias Horx Recht hat; ob das Virus wirklich ein Sendbote aus der Zukunft ist. Aber ich sicher, dass diese Ausnahmesituation unser Verhalten verändern muss. Und ich wünsche uns dafür Gelassenheit, Mut und Weisheit.

Ihr Peter Krawczack aus Düsseldorf


[1]  https://www.horx.com/48-die-welt-nach-corona/

[2]  Vgl. ebd.

[3]  Ignatius von Loyola, Die Exerzitien, Übertragen von Hans Urs von Balthasar, Freiburg 142010, 17.

[4]  https://www.gutzitiert.de/zitat_autor_reinhold_niebuhr_thema_gleichmut_zitat_10352.html

 

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