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Kirche in WDR 5 | 12.04.2021 | 06:55 Uhr

Internationaler Tag der Raumfahrt

Heute ist der internationale Tag der Raumfahrt. Und da muss ich an eine Begegnung denken: Letztes Jahr habe ich doch nämlich tatsächlich mit einem waschechten Astronauten gesprochen. Das war eines meiner persönlichen Highlights in diesem vermaledeiten Corona-Jahr.

Und wissen Sie was? Das hatte ich anfangs gar nicht bemerkt. Wir trafen uns im Herbst zufällig bei der PhilCologne, dem Kölner Philosophie-Festival, als Corona eine kleine Atempause hatte und Veranstaltungen tatsächlich – mit Abstand – stattfinden konnten. Wir saßen nebeneinander und hatten angeregt über Orgelmusik gesprochen, über Bach, und übers Katholisch- und Evangelisch-Sein. Nie wäre ich darauf gekommen, dass der freundliche Mann neben mir schon mal im Weltraum war und als ich das beim Herausgehen quasi durch Zufall erfuhr, habe ich erst einmal Wikipedia angeschmissen:

Gerhard Thiele war im Jahr 2000 mit der NASA im Weltraum. Ich schrieb ihn daraufhin an und wir trafen uns – dann allerdings nur übers Video, weil die Fallzahlen gestiegen waren. Aber das Gespräch werde ich nicht vergessen. 12 Jahre hatte es gedauert, bis Gerhard Thiele ins All fliegen konnte. 12 Jahre warten, trainieren, auf dieses Ziel hin. Dann allerdings dauerte es „nur“ 8 Minuten und 36 Sekunden, bis er im All angekommen war. Der Traum bestimmt zahlreicher Menschen war für ihn wahr geworden.

Thiele sagte mir: Wenn er gefragt wird, seine Weltraumerfahrung zu beschreiben, dann habe er drei Worte dafür: Kraft, Schwärze, Demut. Kraft – damit meint er die körperliche Erfahrung, wenn die Raketen zünden und der Schub ihn in den Sitz presst. Ich denke, das kann man mit keiner Achterbahnfahrt vergleichen. Aber was meint er mit der Schwärze – das interessierte mich. Thiele erzählte, dass die meisten Astronauten ja berichten, es sei ein besonders erhabener Moment die Erde von oben zu sehen. Das sei es auch– aber für ihn sei der Blick weg von der Erde noch faszinierender gewesen. Er nennt das, was er dann sah, die „glitzernde Schwärze des Alls“.

Thiele sagte mir: „Das war für mich irgendwie Heimat. Es ist ein Schwarz, wie man es sonst nicht erlebt. Es ist nicht das Nichts. Es ist etwas, aber es ist kein Nichts.“

Und als ich das hörte, von der „glitzernden Schwärze des Alles“ – da konnte ich nicht anders, als nach etwas zu fragen, von der mir meine Frau erzählt hatte, schon als wir uns vor 20 Jahren kennen lernten. Meine Frau ist in der ehemaligen DDR aufgewachsen. Als gläubige Christin. Und schon in der Grundschule hörte sie von Mitschülern. „Du musst nicht an Gott glauben. Juri Gagarin war im All und da hat er keinen Gott gesehen.“ Gagarin war am 12. April 1961 der erste Mann im Weltall – damals war die atheistische Sowjetunion darauf mächtig stolz. Und der Satz, dass kein Gott im All gesichtet wurde, der verbreitete sich wohl in allen sozialistischen Ländern. Davon erzählte ich Herrn Thiele – um meiner Frau willen. Weil mich interessierte, was die Weltraumerfahrung mit seinem Glauben gemacht hat. Und das spannende ist: Nichts! Das hat nichts mit seinem Glauben gemacht. Er ging vorher in den Gottesdienst und er geht noch immer. Und dann sagte er mir noch etwas zu Juri Gagarin. Denn Thiele hatte nicht nur bei der Nasa die Astronautenausbildung gemacht, sondern auch die russische Kosmonautenausbildung. Und dabei ist er  tatsächlich noch auf Kollegen von Gagarin gestoßen.

„Und da habe ich genauso viele Gläubige gefunden wie sonst auch – eher mehr“, sagte mir Thiele. Und  verriet er noch ein Geheimnis aus der Raumfahrt-Szene: Wenn man nämlich in Russland ins All fliegt, dann werden die Kosmonauten gesegnet und sogar mit Weihwasser besprengt. Laut Thiele war das wohl auch schon bei Gagarin so. Dass Gagarin Gott nicht gesehen habe, das nennt Thiele eine „grandiose Propaganda-Dressur“.

Dass sich selbst die sowjetischen Kosmonauten segnen ließen – diese bescheidene Geste hat für mich ahnen lassen, was Gerhard Thiele mit Demut meint aus seiner Erfahrung im Weltall. Menschen, die derart weit vorandringen, die fühlen sich dann meist nicht allmächtiger, sondern werden eher bescheiden.

Mir sagen diese Erfahrungen von Thiele im All: Es gibt etwas, das viel größer ist als ich selbst. Es ist vielleicht kräftiger, vielleicht schwärzer. Aber – wie sagte Thiele? Es ist nicht nichts. Und es macht mich demütig.

Kommen Sie gut in diese Woche, Ihr Klaus Nelißen aus Köln.

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