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Hörmal | 09.06.2019 | 07:45 Uhr

Pfingsten: Einander verstehen


Ein weiser Philosoph wurde einmal gefragt, was er sich wünschen würde, wenn er einen Wunsch frei hätte. Er brauchte nicht lange zu überlegen: Alle Begriffe sollen eindeutig geklärt sein, sagte er. Das heißt nicht zuletzt: alle Menschen sollen sich verstehen und dieselbe Sprache sprechen.

Wie wichtig das wäre! Allein wenn ich sehe, wie viele Missverständnisse es gibt, wie viele Menschen aneinander vorbei reden und dann streiten. Es kommt zu Konflikten, zu Kampf. Und auch viele Kriege entstehen so, nur weil man sich nicht versteht. Wenn doch die Begriffe geklärt wären, wenn die Menschen sich doch verstehen würden! Ein schöner Wunsch. – Nur eine Utopie?

Heute am Pfingstfest beschreiben die biblischen Texte etwas davon, wie diese Utopie Wirklichkeit wird, wie sich die Menschen untereinander verstehen. Da heißt es (Apg 2,1.4.6): „Als der Tag des Pfingstfestes gekommen war, waren alle zusammen am selben Ort. Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden.“

Das klingt zu schön, um wahr zu sein: Menschen würden einander verstehen.

Die Pfingstgeschichte klingt wie eine Utopie von gelingender Kommunikation. Dabei ist sie verfasst als ein Gegenbild zu einer anderen biblischen Geschichte, nämlich dem Mythos von der Sprachverwirrung (Gen 11,1-9): Zunächst hatten die Menschen eine Sprache und dieselben Worte. Das aber machte sie überheblich. Sie meinten, sie könnten alles erreichen, weil sie eine Sprache sprächen und ein Volk wären. So fingen die Menschen an, einen Turm in Babel zu bauen, der bis in den Himmel reichen sollte. Sie wollten sich so einen Namen machen. Eigentlich wollten sie zeigen, dass sie so groß waren wie Gott. Und um dieser Überheblichkeit vorzubeugen, verwirrte Gott ihre Sprache, und die Menschen zerstreuten sich über die ganze Welt. So erklärt der Mythos der Sprachverwirrung die Situation, die ja bis heute weltweit anzutreffen ist: Menschen reden zwar miteinander, aber auch aneinander vorbei und verstehen sich nicht.

Mit Blick auf das Pfingstereignis frage ich mich allerdings: Gibt es nicht vielleicht doch so eine andere Sprache, die man lernen kann, damit die Menschen sich besser verstehen? Ich meine jetzt nicht Sprachen wie Englisch, Spanisch oder Russisch. Ich rede auch nicht von eindeutigen Begriffen. Es geht nicht um Vokabeltraining, sondern um die Art zu sprechen. Ich glaube vielmehr, es braucht einen anderen, einen neuen Geist, um so zu sprechen, dass andere mich verstehen. Und dieser Geist fängt damit an, nicht überheblich zu sein wie die Menschen in Babel, sich nicht größer zu machen als man ist, sich eben nicht über andere zu erheben, sondern ihnen auf Augenhöhe zu begegnen. Es fängt damit an, dass ich vor allem Sprechen erst einmal zuhöre, nicht gleich jedes Wort auf die Goldwaage lege, sondern anderen zuerst mein Wohlwollen entgegen bringe, um sie besser zu verstehen. Und ich bin überzeugt: Meine Sprache wird dann verstanden, wenn ich mich anderen wirklich zuwende, wenn ich bereit bin, ihnen auch meine Schwäche zu zeigen, meine Verletzlichkeit, meine Sprachlosigkeit und sogar mein Ringen um die richtigen Begriffe.

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