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Kirche in WDR 3 | 13.11.2019 | 07:50 Uhr

Sekundenglück


Guten Morgen!

„Bist du glücklich?“ Eine Frage, mir so unvermittelt gestellt – da kann ich schon mal verlegen werden. Ob ich glücklich bin? – „Im Prinzip schon“, würde ich sagen, und dann kommt in der Regel das kleine oder große ABER. Da sind die kleinen oder großen Wehweh’chen, manch ungelöste Probleme, unerreichte oder unerreichbare Ziele, die ich mir gesteckt habe, vielleicht auch eine ernste Krisen. „Glück“, so kommt mir in den Sinn, ist ein scheues Reh. Glück haben ist das Eine, etwa beim „Glücksspiel“ oder bei einer glücklichen Fügung; glücklich sein dagegen ist etwas fundamental anderes. Denn da geht es nicht um etwas Punktuelles, sondern um ein Grundgefühl, eine Grundstimmung, auch wenn es im konkreten Alltag nicht immer rund läuft. Und vor allem: Glück kann man nicht einfach machen; aber man kann danach streben – und manchmal ereignet es sich. Dann ist es für mich ein Geschenk des Himmels.

Herbert Grönemeyer nennt solche Momente „Sekundenglück“: Glücksmomente, die sich ereignen, unangemeldet und unverdient. Ein jeder versteht sofort, was er meint, wenn er singt:  

Musik: Herbert Grönemeyer „Sekundenglück“ von der CD „Tumult“

„Und du denkst, dein Herz schwappt dir über / Fühlst dich vom Sentiment überschwemmt

Es sind die einzigartigen tausendstel Momente / Das ist, was man Sekundenglück nennt… „

Momente, die sich eingebrannt haben in mein Unterbewusstsein, Momente, aus denen ich lebe: Ein Wort, ein Ton, ein Blick, eine Umarmung, ein tiefes Verstehen. In einem Augenblick das Einswerden mit der Natur erfahren, mit dem anderen, mit sich selbst. Das Glück, das aufblitzt, und ich werde mir zutiefst dessen inne, was das Menschsein im umfassenden Sinn ausmacht: angenommen, geliebt, ganz verwirklicht, ich selbst zu sein, eine Ahnung von Erfüllung und Vollendung, die mich im tiefsten ausmacht, mir zukommt. „Sekundenglück“ eben, das leider auch wieder flüchtig ist.

Auch die Bibel kennt solche Momente tiefen Glücks: ein Gefühl, eine Ahnung, eine Gewissheit, dass es Momente gibt, da der Himmel die Erde berührt. Es ist der „inner circel“ der Gefolgschaft Jesu, die er mit auf den Berg der Verklärung nimmt, mitten hinein in eine lichte Wolke. Petrus ist überwältig in dem Gefühl des Einsseins mit seinem Geschick, seiner Berufung, seiner Mission, und er fasst es in die Worte: „Es ist gut, dass wir hier sind“. Er will diesem Glücksmoment sogleich eine Bleibe schaffen: Hütten bauen, Gefühle in Stein fassen.

Friedrich Nietzsche hat das Ansinnen des Petrus einmal so formuliert: „Alle Lust will Ewigkeit, tiefe, tiefe Ewigkeit“, wohlwissend, dass es solche Ewigkeit hier auf Erden nicht gibt.

Aber dennoch: Ein solches Sekundenglück geschieht. Es ereignet sich, oft unvorhersehbar. Und aus solchem Glücksempfinden zu leben eröffnet mir eine Ahnung: Dass es einmal ein alles umfassenden Glück gibt, das alles vorläufige und begrenzte Glück vollkommen macht – ein Ewigkeitsglück eben!

Ich bin Peter Klasvogt, kommen Sie gut durch den heutigen Tag!



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