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Kirche in WDR 5 | 29.04.2020 | 06:55 Uhr

Die Bibel in Corona-Zeiten

Hat Gott uns Corona geschickt?

Nein, um es gleich klar zu machen: Das ist nicht meine Frage. Aber als religiöser Mensch bekomme ich mit, was andere religiöse Menschen derzeit im Netz für Fragen aufwerfen. Und so abwegig die Frage persönlich für mich ist, so nachvollziehbar scheint mir, dass sie gestellt wird.

Denn: Das ist eine uralte Frage in Krisenzeiten: Ist das alles vielleicht ein Zeichen Gottes – oder gar eine Strafe?

Ich stimme einer Aussage des Bamberger Erzbischofs Schick hier absolut zu:

Covid-19 ist keine Strafe Gottes.

Aber ist damit schon alles zufriedenstellend gesagt?

Nein, denn ein oberflächlicher Blick in die Bibel scheint zu bestätigen: es gibt viele Erzählungen, die mit einem strafenden Gott rechnen. So heißt es in der bekannten Geschichte von der Sintflut:

Sprecher:Der Herr sah, dass auf der Erde die Bosheit des Menschen zunahm und dass alles Sinnen und Trachten seines Herzens immer nur böse war. Da reute es den Herrn auf der Erde den Menschen gemacht zu haben.“ (Gen 9,5-6)

Zur Strafe schickt Gott die Sintflut und nur Noach und seine Familie überleben diese Katastrophe.

Und im Buch Exodus wird erzählt, dass Gott schreckliche Plagen auf die Ägypter herabruft. Durch Heuschrecken, Viehseuchen und Geschwüre soll der Pharao gezwungen werden, das Volk Israel in die Freiheit ziehen zu lassen.

Kein Zweifel: Wer in diesen Tagen zur Bibel greift und Antworten sucht auf unsere Zeiten, der findet schnell Erzählungen von einem strafenden Gott.

Aber im krassen Gegensatz dazu gibt es in der Bibel eben auch die Erzählungen vom liebenden Gott, der uns Menschen das Leben und die Freiheit geschenkt hat.

Wie ist das zu verstehen?

Nun, für mich als Bibelwissenschaftler ist klar: Aufgeschriebene Geschichte ist immer der Versuch, Geschichte zu begreifen.

Wer Geschichte schreibt, sagt, wie er sie sieht und versteht.

Für die Menschen, die die biblischen Geschichten aufgeschrieben haben, stand immer im Vordergrund, wie sie sich Gottes Wirken vorstellen und deuten.

Sie berichten aus ihrer Beziehung zu Gott heraus, den Sie als befreienden Retter erleben. So werden die ägyptischen Plagen als Gottes Handeln dargestellt, weil die Befreiung aus der Sklaverei für das Volk Israel, nur von ihrem Gott JHWH her zu begreifen ist.

Machen wir uns bewusst: in Bibeltexten begegnet uns eine Mischung von historisch erlebten Dingen und fiktional erzählten und gedeuteten Aspekten.

Es geht den Autoren auch nicht um akkurate Tatsachenberichte, sondern um eine Deutung des Geschehens für die Gottesbeziehung im damaligen Hier und Jetzt.

Für mich hat es die Alttestamentlerin Silvia Schroer schön auf einen Nenner gebracht. Sie schreibt: die biblische Geschichtsschreibung „interessiert sich für die Vergangenheit nicht um der Vergangenheit, sondern um der Zukunft und der Gegenwart Israels willen; sie lädt dazu ein, aus der Geschichte zu lernen.“[1]           

Was heißt das für die biblischen Texte, die von einem strafenden Gott sprechen?

Solche Texte sagen uns etwas über den Glauben der Autoren und über ihre Deutung von Gott und seinem Handeln.

Aber ihre Deutung erreicht nicht Gott selbst und wie er ist.

Wer beim Lesen der Bibel über das wortwörtliche Verstehen hinausschreitet, entdeckt die wirkliche und spirituelle Kraft darin.

Gott ist es nicht egal, wie die Menschen leben und miteinander umgehen.

Er kann uns so nahkommen, wie es nur schwer zu begreifen ist.

Ich glaube, dass er kein abwesender und nur ferner Gott ist.

Ich heiße Peter Krawczack und lese selber gerne in der Bibel.

Übrigens: Eine meiner Lieblingsstellen kommt direkt nach der Sintflut.

Sprecher: "Siehe, ich richte meinen Bund auf mit euch und mit euren Nachkommen nach euch und mit allen Lebewesen bei Euch … Meinen Bogen setze ich in die Wolken; er soll das Zeichen des Bundes werden zwischen mir und der Erde“ (Gen 9,9.13.)

Ich wünsche Ihnen, dass diese Zusage Gottes Ihnen Zuversicht schenkt für die nächsten Wochen.


[1]  Silvia Schroer, Die Samuelbücher (NSK-AT 7), Stuttgart 1992, 12.

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