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Sonntagskirche | 14.07.2019 | 08:55 Uhr

Der kleine Knall der Revolution

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer. Heute wird bei unseren französischen Freunden heftig gefeiert: Der 14. Juli ist der französische Nationalfeiertag. Am 14. Juli 1789 wurde ein Gefängnis in Paris, die Bastille, von den Revolutionären erstürmt – so haben wir es im Geschichtsunterricht gelernt. Dass es keine wirkliche Erstürmung gab, weil der diensthabende Kommandant die Festung mitten in der Stadt freiwillig übergab – das vergessen die meisten. Und dass der französische Nationalfeiertag auch eigentlich auf ein Ereignis ein Jahr später zurückgeht, bei dem der französische König alle Stände auf die Nation einschwören ließ – wen interessierts…? Das Bild, das sich mir von diesem Ereignis eingebrannt hat: Befreiung von all‘ dem, was der Unterdrückung dient. Dass es in der französischen Revolution ziemlich brutal zuging, wird dabei allzu gerne vergessen.

Trotzdem denke ich mir an diesem Sonntagmorgen: Nach welcher Freiheit sehne ich mich eigentlich gerade? Was lässt mich so wütend werden, dass ich dafür bereit wäre, eine Revolution anzuzetteln? Die Verhältnisse einfach einmal komplett auf den Kopf stellen, mich befreien aus meinem eigenen Gefängnis… Ein großer Knall – und alles wird anders, besser…

Leider bleibt das mit dem „großen Knall“ oft aus, damals in Paris bei der Bastille und auch sonst im Leben. Und den Zeitpunkt einer Revolution kann man auch immer seltener an ein Datum knüpfen. Manche Revolution kommt ganz still und heimlich – und erst im Rückblick wird klar, was da eigentlich so alles passiert ist. Das macht die Sache allerdings nicht leichter. Es erfordert vielmehr ein noch genaueres Hinsehen und Hinhören. Und das gilt für alle Lebensbereiche: Für die große Politik, die Macht und Einfluss hat, genauso, wie für die eigene Familie. Und natürlich auch für die Kirche. Und da spreche ich jetzt von meiner Kirche, der katholischen.

Manche fürchten sich in der Kirche vor einer Revolution – gleich in welche Richtung. Es soll doch einfach alles so bleiben, wie es ist. Wir haben uns halt eingerichtet, für viele geht es ganz gemütlich zu. Und doch merken alle irgendwie: So, wie bisher, geht es nicht mehr weiter.

Ein ganz einfaches Beispiel: Es ist noch gar nicht so lange her, da war den Gottesdienstbesuchern klar: Sie gehen am Sonntag in „ihre“ Kirche, zu „ihrem“ Pfarrer und zu „ihrer“ Uhrzeit und treffen da „ihre Gemeinde“ – auch zum Plausch nach dem Messgang. Gleich nebenan, feste Uhrzeit, gewohnter Pfarrer, die Bänke gut gefüllt. Sonntag für Sonntag. Und heute? Sie sitzen am Frühstückstisch und überlegen, welchen Gottesdienst Sie wo besuchen. Weil es in ihrer Pfarrkirche gleich nebenan keinen sonntäglichen Gottesdienst mehr gibt, oder weil ihnen der Pfarrer nicht so recht passt. Vom gemütlichen Sonntagstreffpunkt kann keine Rede mehr sein.

Die Reihen lichten sich: Das weiß jeder, der noch am Sonntag in die Gottesdienste kommt. Und spätestens jetzt kommt er selbst bei vielen Kirchentreuen hoch: Der Gedanke an Revolution. Ein Knall – und alles wird anders, besser. Wie damals beim Sturm auf die Bastille. Also: ein Sturm, auf den Vatikan und auf die Bischofshäuser – er muss endlich stattfinden, damit sich etwas ändert. Doch ist das wirklich so? Was würde all‘ das bringen? Ich glaube, ein Satz aus dem Alten Testament der Bibel, der heute in den Gottesdiensten vorgelesen wird, kann da weiterhelfen, da heißt es: „Das Wort ist ganz nah bei dir, es ist in deinem Mund und in deinem Herzen, du kannst es halten.“ (Dtn 30,11-14) Jawohl – das ist es, und das wäre die eigentliche Revolution, wenn wir das wieder ernster nähmen: Du brauchst keinen, der dir das Wort irgendwoher holt. Es ist schon in dir drin. Mach den einfach auf und verkünde das Wort – das ist die Aufforderung, die dahintersteckt. Und das ist der Mut dazu, den Gott jedem Menschen zutraut. Die eigentliche Revolution geht ganz gewaltfrei, ohne einen heroischen Sturm mit vielen Opfern. Einfach so – mit dem, was Gott uns eh schon geschenkt hat.

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