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Kirche in WDR 3 | 06.03.2021 | 07:50 Uhr

#beziehungsweise

Guten Morgen!

Seit 1700 Jahren gibt es in Deutschland jüdisches Leben. Das geht aus einer erhaltenen Urkunde hervor. Darin bestätigt Kaiser Konstantin im Jahr 321, dass Juden städtische Ämter in der Stadt Köln bekleiden dürfen. Allerdings wurde das damit gekennzeichnete friedliche Zusammenleben später immer wieder gestört. Es gab durch die Jahrhunderte hindurch Anfeindungen von Seiten der Christen. Gerade in der Fasten- und Osterzeit wurden Juden für den Tod Jesu verantwortlich gemacht, verfolgt, gequält und auch ermordet. Und das lange vor der Shoah des 20. Jahrhunderts. Im Rahmen des Festjahres „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ erinnert jetzt eine ökumenische Kampagne an die enge Verbundenheit des Christentums mit dem Judentum unter dem Titel: „#beziehungsweise – jüdisch und christlich: näher als du denkst“*. Denn eigentlich können Christen ihre eigene Religion ohne das Judentum gar nicht verstehen. Religionsgeschichtlich betrachtet hat das Christentum im Judentum seine tiefsten Wurzeln: Jesus selbst war ein gläubiger Jude! Ein Rabbi, der ganz aus der Thora, dem jüdischen Gesetz, lebte, regelmäßig in die Synagoge und in den Tempel ging, die jüdischen Feste feierte. Auch Maria und Josef und die zwölf Apostel waren Juden.

Das hatten Christen lange vergessen oder verdrängt. Auch wenn es im liturgischen Kalender der katholischen Kirche das Fest der „Beschneidung Christi“ und das der „Darstellung des Herrn im Tempel“ seit langem gibt. Es sind Feste, die direkten Bezug nehmen auf das Judesein Jesu. Trotzdem fehlte dem Christentum lange eine Theologie, die die Bedeutung der jüdischen Religion angemessen für den christlichen Glauben fruchtbar machen konnte.

Gott sei Dank kam mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil vor über 50 Jahren die Wende. In einer wichtigen Erklärung „Über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen“ stellte dieses Konzil damals unmissverständlich klar:

 

 

Sprecher/in:

„Im Bewusstsein des Erbes, das sie mit den Juden gemeinsam hat, beklagt die Kirche […] alle Hassausbrüche, Verfolgungen und Manifestationen des Antisemitismus, die sich zu irgendeiner Zeit und von irgendjemandem gegen die Juden gerichtet haben.“ (Nostra Aetate Nr. 4)

 

Das war ein wichtiger Schritt auf dem Weg des jüdisch-christlichen Dialogs. Viele weitere folgten: 1986 besuchte Johannes Paul II. als erster Papst die Synagoge in Rom. Dort sagte er, an alle Juden gewandt: „Ihr seid unsere bevorzugten Brüder und, so könnte man gewissermaßen sagen, unsere älteren Brüder.“ Auch Papst Franziskus erklärte zum 50-jährigen Jubiläum der Konzilserklärung: „Wenn wir uns heute als ‚Freunde und Geschwister‘ bezeichnen können und nicht mehr als Fremde, dann liegt es an dem damaligen Wunsch, einen wahrhaftigen Dialog aufzunehmen.“

Christen und Juden sind Geschwister! Deshalb ist es mir als Christ nicht egal, dass jüdische Frauen und Männer in unserem Land immer noch durch einen hässlichen und menschenverachtenden Antisemitismus bedroht werden, dass in manchen Städten jüdische Männer die traditionelle religiöse Kopfbedeckung, die Kippa, nicht in der Öffentlichkeit tragen können, ohne Gefahr zu laufen, angepöbelt zu werden. Und es ist inakzeptabel, dass jüdische Einrichtungen aus Angst vor Übergriffen polizeilich geschützt werden müssen, weil die Gefahr von Anschlägen immer noch besteht. Wenn friedliches Zusammenleben Polizeischutz braucht, dann schreit das zum Himmel.

Die Kampagne „#beziehungsweise – jüdisch und christlich: näher als du denkst“ steht jeden Monat unter einem anderen Motto. Jetzt im März heißt es: „Umkehren zum Leben beziehungsweise Antisemitismus ist Sünde“. – Das klingt vielleicht etwas theologisch. Für mich bedeutet es aber vor allem: Ich will mich als Christ gegen jede Form von Antisemitismus und Gewalt gegen jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger einsetzen und ich will immer da widersprechen, wo mir antisemitische Vorurteile im beruflichen oder privaten Umfeld begegnen!

Ihnen heute „Schabbat Schalom“, einen friedvollen Schabbat! Ihr Pastor Achim Hoppe

*www.juedisch-beziehungsweise-christlich.de

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